Nach dem Winter lechzen wir nach wärmenden Sonnenstrahlen und Licht. Doch die ersten Aktivitäten im Freien bergen eine Gefahr, die viele unterschätzen: die Frühlingssonne. Ein Dermatologe erklärt, was man jetzt in punkto Sonnenschutz beachten sollte.

Was für ein Genuss: Der erste Cappuccino im Freien, die erste Radtour und das erste Nickerchen auf einer Parkbank.

Viele Monate mussten wir darauf warten. Doch nun ist der Frühling da – mit voller Power.

Im Frühjahr bilden sich zusätzliche Ozonlöcher

Doch das ist nicht ungefährlich. Denn die Sonnenstrahlen besitzen in den Frühjahrsmonaten eine besondere Intensität. Der Dermatologe Professor Eckhard Breitbart erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion dieses jährlich wiederkehrende klimatische Phänomen.

"Im Frühjahr verändert sich die Temperatur in der Stratosphäre und rutscht unter minus 80 Grad Celsius, wodurch Ozon abgebaut wird. Durch diese zusätzlichen kleinen Ozonlöcher gelangt mehr UV-Strahlung auf die Erde", so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention in Hamburg.

Das bekommt der Mensch allerdings nicht mit: Er kann UV-Strahlung weder sehen noch fühlen. Weht dann noch ein frischer Wind, merkt man womöglich nicht, dass die Sonne auf unbekleidete Stellen wie Gesicht und Handrücken brennt.

Zudem ist im Frühjahr ist die blasse und empfindliche Winterhaut nicht mehr an UV-Strahlen gewöhnt und braucht besonderen Schutz.

Laut Professor Breitbart bekommt jede Hautzelle, die direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, schon nach wenigen Sekunden einen DNA-Schaden:

"Dieser wird zwar vom körpereigenen Reparatursystem sofort behandelt, aber wenn zu viele Zellen geschädigt sind, addiert sich das über die Jahre. Nach bis zu vier Jahrzehnten kann daraus Hautkrebs entstehen."

Die vier goldenen Sonnenschutz-Regeln

Damit es nicht so weit kommt, gilt es die Gefahren der ersten Sonnenmomente im Jahr zu kennen. Der Hamburger Hautexperte empfiehlt, sich an vier Faustregeln zu halten:

  • Die Haut langsam und schrittweise an die Sonne gewöhnen. Immer wieder mal zehn Minuten – nicht mehr!
  • Zur richtigen Tageszeit – also nicht mittags – in die Sonne gehen.
  • Sonnengerechte Kleidung samt Hut tragen.
  • Die nicht bedeckte Haut mit Sonnenschutzmittel einreiben.

Beim Verwenden von Sonnencreme ist es gerade im Frühjahr wichtig, die so genannten Sonnen-Terrassen des Körpers nicht zu vergessen. Diese Hautstellen bieten die größten Angriffsflächen für UV-Strahlen: Glatze, Scheitel, Nase, Augenpartien, Ohren, Lippen sowie Hand- und Fußrücken.

Für Professor Eckhard Breitbart ist ein Sonnenschutzmittel mit UVA- und UVB-Filter und Lichtschutzfaktor 20 ausreichend für alle Hauttypen, da damit maximaler Schutz erreicht werden könne. Bei höheren Lichtschutzfaktoren wie 30 oder 50 sei der zusätzliche Schutzeffekt nur gering.

"Am besten ist die Kombination eines mineralischen und chemischen Filters", meint Eckhard Breitbart. Nach mehr als 40 Jahren Berufserfahrung in der Dermatologie weiß er auch, dass Sonnencreme fast nie dick genug aufgetragen werde.

Hier gelte das Motto: Viel hilft viel!

Kinderhaut verfügt über keinen eigenen Schutzmechanismus

Eine besondere Verantwortung tragen Eltern im Frühjahr, wenn ihre Kinder auf den Spielplatz sausen. Kinderhaut ist empfindlicher als die Haut von Erwachsenen, da sich der hauteigene Schutzmechanismus erst im Laufe der ersten sechs Lebensjahre entwickelt.

Daher gehören Babys bis zum ersten Lebensjahr überhaupt nicht in die Sonne und Kinder müssen besonders gut mit passender Kleidung und großzügig aufgetragener Sonnencreme geschützt werden.

Professor Eckhard Breitbart erklärt, warum: "Studien zeigen, dass Sonnenbrände, besonders wenn sie im frühen Kindes- und Jugendalter erworben werden, zu verstärkter Pigmentmalbildung führen. Und Menschen mit mehr als 40 Pigmentmalen am Körper zählen zu einer der größten Risikogruppen für Hautkrebs."

Kaum lässt sich die Sonne blicken, beginnt das Spiel aufs Neue: Die Pflanzen sprießen, die Bäume blühen – die Augen jucken und die Nase läuft. So schön der Frühling auch ist, er ist der Auftakt für den Pollenflug. Die wichtigsten Infos für Allergiker finden Sie in unseren Pollenflugkalender.