Heroin gegen Husten, Zigaretten gegen Kopfschmerzen: Was heute als Gift gilt, war früher ein vermeintliches Heilmittel.

In der Geschichte der Medizin gab es so manchen Trugschluss: Nicht jedes Medikament ein Heilmittel war. Im Gegenteil! Einige der gängigsten Arzneimittel, die in der Vergangenheit gegen Wehwehchen wie Schnupfen und Zahnschmerzen eingesetzt wurden, gelten heute als hochgiftig.

1.Quecksilber

Unfassbar aber wahr: Das hochgiftige Metall war bis zu den 1940ern Bestandteil in vielen verschiedenen medizinischen Behandlungen und Medikamenten. Quecksilber wurde im 19. Jahrhundert vor allem gegen Frauenleiden verabreicht und Anfang des 20. Jahrhunderts als graue Quecksilbersalbe zur Behandlung von Syphilis verwendet. Vergiftungserscheinungen, Zahnausfall, Organversagen und der Tod waren in vielen Fällen die Folge.

2. Zigaretten

Die Glimmstängel sollten vor allem Husten, Heiserkeit und Kopfschmerzen beseitigen und laut Theorie Bakterien abtöten, wodurch Krankheiten vorgebeugt werden sollte. Die krebsfördernde Nebenwirkung von Nikotin und Tabak waren noch nicht bekannt.

3. Kokain und Morphium

1885 wurden die "Cocaine Toothache drops" auf den Markt gebracht. Diese "Wundertropfen", welche für 15 Cent in jedem Drogeriemarkt gekauft werden konnten, versprachen sofortige Schmerzlinderung und wurden vor allem an Kinder verabreicht.

Auch "Mrs Winslow´s Soothing Syrup" war ein gängiges Arzneimittel im späten 19. Jahrhundert und versprach mithilfe von Morphin die Schmerzen beim Zahnwachstum von Babys zu lindern.

Das für einen Säugling schon zwei bis drei Tropfen Opiumtinktur (Morphin) zur tödlichen Überdosierung führen kann, wurde erst später entdeckt.

4. Radium

Das chemische Element, welches aufgrund seiner Radioaktivität schwerste Gesundheitsschäden wie Krebstumore auslösen kann, war bis Mitte der 1930er Jahren ein Verkaufsrenner, galt sogar als gesundheitsfördernd und wurde Medikamenten, Kosmetika und Genussmitteln beigefügt.

Kurz vor dem ersten Weltkrieg wurden in Deutschland vor allem Radiumbäder populär, die als Heilquellen Erfolge feierten.

Erst als das mit Radium versetzte Wasser "Radithor", welches bis 1931 in Trinkflaschen zum Verkauf stand, den Tod des Stahlmagnaten Eben Byers herbeiführte, wurde die gesundheitsschädliche Wirkung von Radium erkannt.

5. Heroin

Heute gilt es als eine der schlimmsten Drogen der Welt: Heroin. Doch das berüchtigte Rauschmittel wurde ursprünglich als Arzneimittel gegen Husten, Schmerzen, Depressionen und sogar gegen Margenkrebs entwickelt.

Aufgrund der niedrigen Dossierung in Form von Pulver, Saft und Zäpfchen verfielen die Patienten nicht in die Abhängigkeit.

Erst als sich kurz vor dem ersten Weltkrieg die verhängnisvolle Nachricht herumsprach, dass gespritztes oder geschnupftes Heroin eine stärkere Wirkung als Morphium habe, wird der harmlose Hustensaft zur tödlichen Droge.