Elektrostimulationstraining boomt. In fast allen größeren und kleineren Städten gibt es inzwischen spezielle Studios, die das Training anbieten. Sie werben mit maximalen Ergebnissen bei minimalem Zeitaufwand: Schon zwei Einheiten pro Woche à 20 Minuten sollen zu einem sichtbaren Muskelaufbau und einer deutlichen Fettreduktion führen. Aber was ist EMS überhaupt und wie funktioniert das Workout?

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EMS ist eine Abkürzung und bedeutet Elektromyostimulation. Während des Trainings sorgen feine niederfrequente Stromimpulse für eine Elektro-Muskel-Stimulation. Die Stromstöße verstärken die Muskelkontraktion, wodurch das EMS-Training deutlich anstrengender, aber auch effektiver als herkömmliches Krafttraining ist.

Seinen Ursprung hat EMS in der Physiotherapie und im Reha-Sport. Dort setzt man schon lange auf wirksamen Reizstrom, um geschädigte oder verkümmerte Muskeln nach Verletzungen und Unfällen wieder aufzubauen. Heute schwören auch viele Leistungssportler auf EMS, um ihre Schnelligkeit und ihre Sprungkraft zu verbessern.

Für Untrainierte kann die Aussicht auf einen schnellen Erfolg der Einstieg in eine gesündere Lebensweise sein: Schon nach einem bis drei Monaten sind erste Veränderungen am eigenen Körper spürbar. Anfangs macht sich allerdings nach den Übungen ein mitunter unangenehmer Muskelkater bemerkbar.

Wie läuft das EMS-Training ab?

Trainiert wird normalerweise im EMS-Studio unter Aufsicht eines ausgebildeten Trainers. Dieser macht nicht nur die einzelnen Übungen wie Kniebeugen und Ausfallschritt vor - er kontrolliert über das EMS-Gerät auch die Stromstärke.

Die einzelnen Stromstöße sollen zwar kribbeln und die Muskeln reizen, aber keinesfalls schmerzhaft sein. Damit der Trainer auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen optimal eingehen kann, sollte er nicht mehr als zwei Trainierende gleichzeitig betreuen.

Während des Trainings trägt man Funktions-Kleidung: ein enganliegendes Shirt und eine körpernahe Hose. Darüber wird eine Weste gezogen, an der sich Elektroden befinden. Diese werden auf Rücken, Brust, Bauch, Armen und Beinen platziert. Zur weiteren Ausrüstung gehören ein spezieller Gürtel und Manschetten für Arme und Beine.

Und so sieht der Trainings-Ablauf aus: Zu Beginn wird das EMS-Outfit angefeuchtet, da das Wasser den Strom besser leitet. Über das Reizstromgerät sendet der Trainer vier Sekunden lang einen Elektroimpuls aus, gegen den man antrainiert. Dann folgen vier Sekunden Pause.

So können nach und nach verschiedene Muskelgruppen angesprochen und auch die tieferliegende Muskulatur erreicht werden. Die Kosten für eine Trainingseinheit belaufen sich auf ca. 20 Euro. Hinzu kommen die Leihgebühr für die Funktionswäsche bzw. die Anschaffungskosten für eigene EMS-Kleidung.

Kann man EMS auch zu Hause durchführen?

Grundsätzlich ist es möglich, zu Hause zu trainieren. Die EMS-Weste, den Gürtel, die Gelpads und das Reizstromgerät kann man für den Heimgebrauch kaufen. Allerdings sollte man auch in den eigenen vier Wänden nur gemeinsam mit einem EMS-Trainer die verschiedenen Übungen ausführen.

Sonst ist die Gefahr groß, die Stromimpulse zu hoch zu dosieren und dadurch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Muskelschäden und Kreislaufprobleme zu riskieren. Außerdem sollten zwischen zwei Trainingseinheiten immer mindestens 48 Stunden Pause liegen.

Für wen ist EMS geeignet und was sollte man beachten?

Obwohl die Vorstellung von elektrischen Stromstößen erst einmal befremdlich klingen mag: EMS ist nicht gefährlich, wenn man die Übungen unter Anleitung eines Trainers korrekt ausführt.

Dennoch ist dieser Fitness-Trend nicht für jeden geeignet. Schwangere, Epileptiker, Diabetes-Patienten und Menschen mit Herzschrittmacher sollten auf EMS-Training verzichten. Ansonsten gibt es kaum Einschränkungen - egal welches Geschlecht, welches Alter oder welchen Trainingszustand man hat.

Selbst Menschen mit Herzproblemen brauchen laut einer aktuellen Studie keine Angst vor EMS zu haben: Die Elektro-Muskel-Stimulation scheint keine Risiken für das Herz zu bergen. Im Zweifelsfall sollten chronisch Kranke aber vorab mit ihrem Arzt sprechen.

Obwohl es als relativ ungefährlich gilt, steht das EMS-Training immer wieder in der Kritik. Ein Grund: Es kann auf Dauer zu Nierenschäden kommen. Dem kann man allerdings vorbeugen, indem man nach dem Training genügend trinkt und nicht zu oft trainiert.

Positive Effekte des EMS-Trainings

Mithilfe von EMS ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit Muskeln aufzubauen. Durch die Elektrostimulation werden gezielt bestimmte Muskelgruppen angesprochen, etwa am Oberschenkel, am Oberarm, am Bauch und am Po.

Ganz besonders profitiert der Rücken: Rückenschmerzen können durch konsequentes EMS-Training effektiv gelindert werden. Gleichzeitig ist der Kalorienverbrauch während einer EMS-Trainingseinheit vergleichsweise hoch: Etwa 600 kcal werden in 20 Minuten verbrannt.

Durch die Zunahme der Muskelmasse steigt der Grundumsatz, was wiederum die Fettverbrennung ankurbelt. Es ist also durchaus möglich, dank EMS abzunehmen und Cellulite zu verringern - insbesondere dann, wenn man EMS durch weiteres Krafttraining, Cardio-Workouts und Ausdauersport ergänzt.

Wer mit EMS gezielt abnehmen möchte, sollte außerdem seine Ernährung entsprechend umstellen.

Verwendete Quellen:

  • Bodystreet: "EMS: Eine neue Trainingsform im Fitnessstudio setzt Maßstäbe."
  • EatSmarter: "10 Fakten über das neue EMS-Training"
  • MDR Aktuell: "EMS-Training: Wie funktioniert es und was bringt es?"
  • ntv Wissen: "Bringt EMS-Training wirklich was?"
  • Fit for Fun: "EMS-Training: Wie effektiv und gesund ist Sport unter Strom wirklich?2
  • Men's Health: "Das bringt elektrische Muskelstimulation für den Muskelaufbau"
  • Fit for Beach: "EMS Gerät: Test & Empfehlungen (04/20)"
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