Der Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit hat in China schon mehr Menschenleben gefordert als die SARS-Pandemie vor 17 Jahren. Wie ernst ist die Lage? Wie wahrscheinlich ist es, sich in Deutschland anzustecken? Und wie gefährlich ist das Coronavirus wirklich?

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Die wichtigsten Fragen, die dieser Text beantwortet, im Überblick:

  • Wie viele Menschen sind am Coronavirus erkrankt?
  • Wie kann ich mich mit dem Coronavirus infizieren?
  • Welche Symptome löst das Virus aus?
  • Wie gefährlich ist das Coronavirus und wie groß die Ansteckungsgefahr?

Wie viele Menschen sind in China am Coronavirus erkrankt?

Die Zahl neuer Infektionen versiebenfachte sich im Vergleich zu den Tagen davor: Mehr als 15.100 Fälle kamen hinzu. Landesweit steigt die Zahl der Fälle auf fast 60.000 (Stand Donnerstag, 13. Februar 2020). Generell vermuten Experten aber eine sehr hohe Dunkelziffer im Land.

Die Zahl erfasster Todesfälle in Folge des Coronavirus ist in China auf mehr als 1.300 gestiegen.

Wie viele Fälle gibt es in Deutschland und international?

Weltweit sind außerhalb des chinesischen Festlands mittlerweile mehr als 500 Infektionen bestätigt, davon 16 in Deutschland.

Vierzehn Fälle stehen in Zusammenhang mit dem bayerischen Autozulieferer Webasto. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte den Erreger bei einer Dienstreise eingeschleppt. Die beiden jüngsten Fälle in Bayern waren am Dienstagabend bekannt geworden.

Wie lautet der offizielle Name der Krankheit?

Die neuartige Lungenerkrankung wird nun Covid-19 genannt. Das erklärte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Dienstag in Genf. Zugleich erhielt auch das neue Coronavirus einen eigenen Namen: SARS-CoV-2.

Der Namensgeber des Erregers, die Coronavirus-Studiengruppe des Internationalen Komitees zur Taxonomie von Viren bezieht sich mit dem Namen SARS-CoV-2 auf die sehr enge Verwandtschaft zum SARS-Virus SARS-CoV, an dem vor 17 Jahren Hunderte Menschen starben. Die Viren sind Experten zufolge Varianten ein und derselben Virusart.

Welche Symptome löst das Virus aus?

Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, haben sehr häufig diese Symptome:

  • Fieber
  • Trockener Husten
  • Atemnot
  • Symptome einer Lungenentzündung

Es gibt aber auch Betroffene, bei denen eine 2019-nCoV-Infektion durch ein Labor bestätigt wurde, die gar keine Symptome aufweisen.

Das Coronavirus verbreitet sich durch die Luft beziehungsweise durch Berührung.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Menschen jeden Alters können infiziert werden. In den meisten Fällen verläuft die neuartige Lungenkrankheit nach Experteneinschätzung aber mild. Ältere Menschen und Menschen mit bereits bestehenden Erkrankungen (wie Asthma, Diabetes, Herzerkrankungen) scheinen laut WHO für schwere Verläufe anfälliger zu sein.

"Eine Influenza ist für uns in Deutschland aber viel gefährlicher als eine Infektion durch das Coronavirus", betont Oliver Witzke, Infektiologe und Professor an der Universitätsmedizin Essen der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auch der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, warnte vor Panikmache: "Ich habe vor der Grippe deutlich mehr Angst - aus Sicht der Gesundheitsbehörden - als vor diesem Virus. Nach allem, was wir wissen, ist der Verlauf in Europa sehr mild."

Die Grippewelle 2017/2018 habe nach Schätzungen rund 25.100 Menschen in Deutschland das Leben gekostet, berichtete vor einigen Monaten das "Ärzteblatt". Angesichts dieser Zahl findet Witzke es erstaunlich, dass sich nicht mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen.

Ist eine Impfung möglich?

Die Entwicklung eines Impfstoffes wird aus Sicht von Experten noch drei bis vier Monate oder länger dauern. Derzeit können die Symptome mit Medikamenten abgemildert werden, eine spezielle Therapie gibt es nicht.

Vorsicht: Krankheit kann ansteckend sein, bevor Symptome auftreten.

Sinnvoll ist laut WHO und dem Essener Infektiologen Witzke eine Impfung gegen Grippe: Der Verlauf einer Grippe sei in der Regel viel schlimmer als der Verlauf der neuartigen Lungenkrankheit aus China. Nicht zuletzt würde eine höhere Zahl von Impfungen angesichts der derzeitigen Verwirrung für mehr Klarheit sorgen: "Die meisten, die sich jetzt aufgrund ihrer Symptome testen lassen, werden die Grippe haben und nicht am Coronavirus erkrankt sein."

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Tückisch an Coronaviren ist, wie ein Forscherteam jüngst herausfand: Coronaviren können sich bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben. Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit liefern ihnen ideale Bedingungen. Im Schnitt überleben sie zwischen vier und fünf Tagen.

Angenommen wird, dass das Coronavirus durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Es könnte allerdings neben Tröpfcheninfektion auch über das Verdauungssystem verbreitet werden. Chinesische Forscher haben das Virus in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen haben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Apotheken berichten von steigender Nachfrage. Bringt das überhaupt was?

Obwohl es nun mehrere Fälle in Deutschland gibt, ist das Risiko einer Ansteckung laut Experten weiterhin gering. Dennoch legten sich die Deutschen verstärkt Atemschutzmasken zu.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Experten empfehlen - auch angesichts der Grippewelle - häufiges und gründliches Händewaschen.

Zur Desinfektion, etwa für Klinikpersonal, empfehlen die Forscher Mittel auf der Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit.

Wann ist ein Test sinnvoll?

Ein Verdacht auf eine Erkrankung liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vor allem in zwei Fällen vor:

  • Wenn ein Mensch eine akute Infektion der unteren Atemwege wie eine Lungenentzündung hat und bis maximal 14 Tage vor dem Beginn der Erkrankung in einem Risikogebiet - etwa in Wuhan in China - war.
  • Wenn die Person nur Symptome wie Husten hat, aber in direktem Kontakt mit einem Erkrankten war.

Solange das Ergebnis nicht da ist, empfiehlt das RKI eine Isolierung im Krankenhaus. Der Betroffene wird dann in einem Einzelzimmer untergebracht, das Klinikpersonal muss Schutzkleidung tragen.

Fällt das Testergebnis positiv aus, bleibt die Isolierung bestehen. Zusätzlich müssen dann auch die Menschen für 14 Tage beobachtet werden, mit denen der infektiöse Patient Kontakt hatte.

Wie läuft ein Test ab?

Ein Test kann beim Arzt gemacht werden, allerdings sollte der Patient vorher unbedingt beim Arzt oder im Krankenhaus anrufen, rät Lars Schaade vom Robert Koch Institut.

So könnten die Ärzte Vorbereitungen treffen, um die Ansteckungsgefahr für andere Menschen möglichst gering zu halten. Für den Test wird eine Probe aus den unteren und den oberen Atemwegen genommen, idealerweise beim Husten.

Warum spricht man von einer "Pandemie"?

Unter Pandemie verstehen Experten eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit, was im Falle des Coronavirus eingetroffen ist.

Wie begann die Pandemie?

Es wird vermutet, dass das neuartige Coronavirus von einem Fischmarkt in Wuhan kommt, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die Quelle ein Wildtier auf dem Markt gewesen sei, sagte Gao Fu, Direktor des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle.

Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

So geht das Coronavirus vom Tier auf den Menschen über und verbreitet sich weiter.

Wie ungewöhnlich ist das Auftauchen eines neuen Erregers?

Dass ein zuvor unbekanntes Virus Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Einschätzung des Virusforschers Christian Drosten etwa alle zehn Jahre vor.

Tollwut, HIV, Mers, Ebola: Die meisten Infektionskrankheiten des Menschen stammen aus dem Tierreich. Gerade Säugetiere tragen Erreger, die auf den Menschen überspringen können. Als Quelle neuer Coronaviren gelten unter anderem Fledermäuse und Flughunde. Auch Nutztiere haben in der Vergangenheit Coronaviren auf den Menschen übertragen.

Bei spontanen Wirtswechseln eines Erregers ist die Gefahr einer gefährlichen Epidemie oft größer als bei schon lange kursierenden, weil der Mensch keine Antikörper gegen den neuen Erreger hat. (af/kad/dpa)

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • Interview mit Prof. Oliver Witzke: Direktor der Klinik für Infektiologie und des Westdeutschen Zentrums für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI)
  • Deutsches Ärzteblatt

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