• Gruppensport ist wegen der Corona-Pandemie derzeit untersagt.
  • Wie hoch die Ansteckungsgefahr bei einer Sportart ist, kann man allerdings nur schätzen.
  • Es fehlen die konkreten Zahlen.

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Sport treiben in Corona-Zeiten? Das gestaltet sich insbesondere bei Indoor-Sportarten schwierig. "Bei Sportarten wie Tennis, einem Vereinssport wie Fußball oder auch Skifahren, muss man zunächst schauen, was die Infektionsrisiken sind und man muss dann versuchen diese Risiken zu reduzieren", sagt Henning Wackerhage, Sportbiologe an der Technischen Universität München.

Für fast alle Sportarten gibt es hierzu Konzepte. Ob diese in der Praxis das Infektionsrisiko auch tatsächlich eliminieren, weiß jedoch niemand mit Sicherheit.

"Das Problem ist auch: Beim Skifahren an sich ist das Infektionsrisiko wahrscheinlich gering", sagt Wackerhage. "Doch Kabinenlifte und insbesondere der Après-Ski- können – wie Ischgl Anfang 2020 gezeigt hat – Ansteckungsorte sein."

Freizeit- und Amateursportbetrieb derzeit eingestellt

Deswegen und wegen steigender Corona-Zahlen haben die Bundesländer vorsorglich fast alle Sportarten untersagt. Der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen sowie in Schwimm- und Spaßbädern wurde mit dem 2. November 2020 eingestellt.

Auch Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen müssen seit Dezember geschlossen bleiben. Erlaubt bleiben Individualsport sowie Sport zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands. Profisportveranstaltungen dürfen nur ohne Zuschauer stattfinden.

"Das SARS-CoV-2-Coronavirus wird über Tröpfchen und über feinste Teilchen in der Luft, den Aerosolen, sowie über die Oberflächen übertragen", sagt Wackerhage. "Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die Gefahr in Innenräumen viel größer ist als draußen, bei hoher Belastungsintensität größer als bei niedriger Intensität, und im Winter größer als im Sommer." Weitere bekannte Risikofaktoren sind bestimmte, rezirkulierende Klimaanlagen und eine zu geringe Lüftung.

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Hygieneplan für künftige Öffnungen wichtig

Er selbst hat einen 5-Punkte-Plan für Fitness-Studios sowie den Vereinssport mitentwickelt. "Der erste Punkt sind Schulungen für die Mitarbeiter“, sagt Wackerhage.

Denn wenn Mitarbeiter verstehen, wie sich das Coronavirus ausbreitet und was Risikogruppen sind, dann ist es einfacher, den Betrieb im Studio entsprechend anzupassen.

Nötig ist eine Vielzahl von Maßnahmen, beispielsweise Social Distancing, regelmäßige Desinfektion, gute Lüftung oder Luftfilterung. Zudem müssen Risikogruppen geschützt werden und man sollte sich auf etwaige Infektionsfälle im Studio vorbereiten, indem man Namenslisten für eine schnelle Nachverfolgung erstellt.

Zudem sollten bei einem erhöhten Infektionsrisiko hochintensive Belastungen vermieden werden. "Beim Sport erhöht sich das Atemvolumen von etwa fünf bis zehn Litern pro Minute in der Ruhe auf über 100 Liter pro Minute bei untrainierten Menschen. Sehr gut trainierte Sportler erreichen über 200 Liter pro Minute", sagt der Sportbiologe.

"Wir wissen nicht genau, wie viele SARS-CoV-2-Viren Infizierte dabei freisetzen, aber man kann sich vorstellen, dass, wenn jemand 150 Liter pro Minute in einem kleinen, schlecht belüfteten Raum ein- und ausatmet, der quasi zur sprichwörtlichen Virenschleuder wird."

Um Fußballstadien wieder für Zuschauer zu öffnen brauche man niedrige Infektionszahlen wie im Sommer und gut durchdachte Maßnahmen. "Dazu gehören beispielsweise die sichere Einhaltung von Abständen beim Kommen und Verlassen des Stadiums, möglicherweise Gesichtsmasken gegen Tröpfchen, Schutzmaßnahmen beim Catering und Social Distancing bei der Anreise." Geisterspiele ohne Zuschauer sind laut Wackerhage Lösungen, die sicher zu sein scheinen.

Social-Distancing allein kann nicht die Lösung sein

Perikles Simon, der als Präventionsspezialist an der Universität Mainz arbeitet, weist allerdings darauf hin, dass man sich erst im neunten Corona-Monat befinde. "Die Ansteckungsgefahr ist nur ein kleiner Teilaspekt der Risiken, die mit einer Pandemie verbunden sind."

Er verweist darauf, dass Länder wie Spanien und Italien mit weitreichenden Social-Distancing-Maßnahmen und Sport-Verboten auch im Freien nach den Infektionsstatistiken nicht besser dastünden als Brasilien, die USA oder auch Deutschland.

"Dagegen kommen Länder wie Südkorea oder Japan, die auf ein intelligentes, zeitgemäßes und wegen seiner angeblich zu weit reichenden Einschränkungen des Datenschutzes kritisiertes Social-Distancing setzen, besser durch die Pandemie", sagt Simon.

Verbote und durch nicht umsetzbare Hygienemaßnahmen indirekte Verbote des Sporttreibens kann man zwar laut Simon weiter aussprechen. "Man sollte dabei aber bedenken, dass eine solide Analyse zu den vom Sport ausgehenden Infektionszahlen nach wie vor nicht vorliegt."

Verwendete Quellen:

  • Bundesregierung.de: Die Bundesregierung informiert
  • Interview mit Prof. Henning Wackerhage, Sportbiologe an der Technischen Universität München (TUM), hat mit Kollegen die Wechselwirkungen zwischen Sport und der Corona-Pandemie bewertet.
  • Interview mit Prof. Perikles Simon ist Sportmediziner und Präventionsspezialist. Er forscht an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.
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