Die Coronakrise verändert den Lebensalltag, das Verhalten und die Lebensperspektive vieler Menschen. Das kann nicht nur auf das Gemüt schlagen, sondern die gesamte Psyche stark belasten. Doch mit den richtigen Tipps kann die seelische Gesundheit gezielt unterstützt werden.

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COVID-19 betrifft in erster Linie den Körper – doch die andauernde Krisensituation führt bei vielen Menschen auch zu psychischen Beschwerden wie etwa ständigem Grübeln, Angstzuständen oder Schlafproblemen.

Kein Wunder: Die aktuelle Lage bricht mit jeglicher Form von Routine und alltäglichen Gewohnheiten. Wer laufend die Nachrichten verfolgt und dazu angehalten ist, soziale Kontakte zu minimieren oder gar in häusliche Quarantäne zu gehen, dem kann das aufs Gemüt schlagen. Hinzu kommen möglicherweise dauerhafte Ängste wie etwa vor einer Erkrankung, dem Jobverlust oder einer Rezession. Psychische Beschwerden können die Folge sein.

Diese haben in der Krise messbar zugenommen. Das ist das Ergebnis einer Befragung, die der Versicherungskonzern Axa durchgeführt hat. Mit der Studie will das Unternehmen darauf aufmerksam machen, dass es in der öffentlichen Diskussion über die Coronakrise meist um die körperlichen Auswirkungen der Krankheit gehe und zu wenig auf die psychischen Folgen von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus geschaut werde.

Laut der Studie beobachtet fast ein Drittel der Befragten eine Verschlechterung der eigenen psychischen Verfassung im Verlauf der Coronakrise. Ein Viertel der Befragten gab sogar an, in der Krise das Gefühl zu haben, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.

Allerdings gibt es konkrete Möglichkeiten, etwas zu tun, damit die mentale Gesundheit in diesen Zeiten nicht noch mehr leidet.

1. Keine exzessive Mediennutzung

Setzen Sie sich selbst ein persönliches Limit bei Nachrichten rund um COVID-19. Denn: Ständiges Warten auf Neuigkeiten und das ständige Erneuern des Social-Media-Feeds können Sorgen verstärken. Überlegen Sie für sich, ob Ihnen eine gelegentliche bewusste "Nachrichten-Pause" guttun würde.

Sich beim Lesen, Hören und Ansehen von Nachrichten eine zeitliche Beschränkung zu setzen, kann helfen, sich stattdessen mehr auf die persönliche Situation zu konzentrieren und auch andere Themen im Alltag zuzulassen. Außerdem lassen sich dadurch lange Gedankenspiele wie "was wäre, wenn..." vermeiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zudem, sich an faktische Informationen zu halten, bei denen es um praktische Schritte zur Vorbereitung und zum Schutz geht.

2. Auf sich selbst achten

Auf die persönlichen Bedürfnisse zu achten, ist immer wichtig. Gerade in Zeiten der Coronakrise bedeutet Selbstfürsorge, sich auf das zu konzentrieren, was man selbst in der Hand hat und kontrollieren kann (wie etwa angemessene Hygiene durch Händewaschen) statt auf das, was man nicht beeinflussen kann (wie beispielsweise das Virus und seinen Einfluss zu stoppen).

Soweit es geht, sollten Sie Ihren Alltag strukturieren und wie gewohnt weiterführen: Essen Sie gesund, schlafen Sie genug, machen Sie Dinge, die Sie genießen – wie etwa ein neues Buch lesen oder Ihre Lieblingsmusik hören. Aktivitäten wie ein Spaziergang, Meditation oder Fitness zu Hause können helfen, sich zu entspannen und werden sich positiv auf Gedanken und Gefühle auswirken.

Versuchen Sie, eine neue tägliche Routine zu entwickeln, die Ihre seelische Gesundheit und eine positive Einstellung in den Mittelpunkt stellt und diese Aktivitäten gezielt mit einfließen lässt. Die Mental Health Foundation empfiehlt beispielsweise, auch Chancen in der Situation zu sehen – zum Beispiel, dass man früher ins Bett geht und dadurch endlich mal wieder genug schläft, oder mehr Zeit für sportliche Aktivität hat.

3. Soziale Kontakte pflegen

Trotz "Social Distancing" gibt es heutzutage viele digitale Möglichkeiten, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Dazu rät auch das Robert-Koch-Institut in seinem Infoflyer für häusliche Quarantäne. Durch regelmäßige Kontakte kann Stress reduziert werden: Mit nahestehenden Menschen über Sorgen und Gefühle zu sprechen hilft womöglich, mit den Herausforderungen der Krise besser umzugehen und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.

Wichtig ist allerdings, mit Familie und Freunden auch bewusst über andere Themen zu sprechen und sich so regelmäßig gedankliche Auszeiten von den aktuellen Geschehnissen zu verschaffen.

Viele Menschen fragen sich außerdem, was sie im Quarantänefall tun würden. Auch wenn die Vorstellung von Selbst-Quarantäne und der damit verbundenen Isolation erschrecken mag: Denken Sie daran, dass es nur eine temporäre Maßnahme ist! Auch diese Situation geht vorbei.

4. Positive Denkweise fördern

Auch wenn sich die schlechten Nachrichten in Bezug auf das Virus langsam erneut täglich häufen: Bleiben Sie hoffnungsvoll. Die WHO empfiehlt, gezielt nach Informationsquellen zu suchen, die positive Nachrichten von Menschen aus der Region verbreiten, die an COVID-19 erkrankt waren und wieder genesen sind. Oder Geschichten von Menschen, die eine geliebte Person im Genesungsprozess begleitet haben und bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen. Versuchen Sie, sich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren.

5. Alle Gefühle zulassen

Es ist ganz normal, in der derzeitigen Situation emotionale Reaktionen zu zeigen - ob Sie sich überwältigt, gestresst, ängstlich oder traurig fühlen. Die Organisation Mental Health Europe rät: Erlauben Sie sich diese Gefühle und versuchen Sie nicht, sie zu ignorieren oder zu unterdrücken. Manchen Menschen kann es helfen, ihre Gefühle in einem Tagebuch festzuhalten, mit anderen darüber zu sprechen, sie durch kreative Tätigkeiten zu verarbeiten oder regelmäßig zu meditieren.

6. Richtig um Kinder kümmern

Auch Kinder brauchen Hilfe im Umgang mit Stress und Schutz vor der Corona-Hysterie. Nehmen Sie sich Zeit, mit Ihren Kindern über die Situation zu sprechen. Beantworten Sie ihre Fragen und erklären Sie Fakten über das Virus, die für Kinder verständlich sind. Reagieren Sie unterstützend, haben Sie ein offenes Ohr für die Sorgen der Kinder und geben Sie Ihnen eine Extraportion Zuneigung, Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Zeigen Sie den Kindern, dass sie in Sicherheit sind, aber auch, dass es okay ist, traurig zu sein. Zeigen Sie ihnen, wie Sie selbst positiv mit Stress umgehen, damit sie von Ihnen lernen können.

7. Professionelle Hilfe suchen

Wenn die Überforderung zu groß wird und die mentale Krise aus eigener Kraft nicht zu überwinden ist, kann Unterstützung durch eine professionelle Beratungsstelle notwendig werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die Ängste vor dem Virus und dessen Folgen in den Griff zu bekommen, die eigene seelische Gesundheit und die von Freunden und Familie zu schützen und zu pflegen.

Grundsätzlich gilt in diesen Fällen der Hausarzt als erste Anlaufstelle. Alternativ ist etwa auch die Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Manche Psychotherapeuten bieten ihren Patienten jetzt außerdem öfter eine Videosprechstunde an. Weitere Infos, wo Betroffene Hilfe bekommen können, finden Sie hier.

Und denken Sie daran: Diese Pandemie wird auch wieder vorbeigehen. Eine positive Einstellung kann helfen, Ihre seelische Gesundheit in Zeiten großer Unsicherheit zu schützen.

Verwendete Quellen:

  • AXA Studie: Die unsichtbare dritte Welle – Corona nimmt Einfluss auf die Psyche
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung: Corona-Quarantäne kann Angstzustände auslösen
  • Mental Health Foundation: Coronavirus: 8 ways to look after your mental health
  • WHO: Coping with stress during the 2019-nCoV outbreak
  • Robert-Koch-Institut: Coronavirus-Infektion und häusliche Quarantäne. Merkblatt für Betroffene
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