Botox wirkt nicht nur gegen Falten, sondern wird auch vermehrt in der Medizin eingesetzt. Dort hilft es gegen eine Vielzahl verschiedener Beschwerden. Das liegt an dem besonderen Wirkmechanismus des Nervengifts.

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Botox ist vor allem als Mittel gegen Falten bekannt. Der Wirkstoff hat aber noch ganz andere Vorteile: Er wird zum Beispiel gegen Inkontinenz oder Migräne eingesetzt, hilft gegen starkes Schwitzen oder gegen verkrampfte Muskeln nach einem Schlaganfall.

Botox ist der Handelsname für "Botulinumtoxin". Das ist ein starkes Nervengift. Doch wie ist es möglich, dass ein einziges Mittel gegen so viele verschiedene Beschwerden hilft?

"Das liegt an dem besonderen Wirkmechanismus", sagt Dr. Michael Straub von der Urologischen Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München.

Botox entspannt verkrampfte Muskeln

Botox entspannt die Muskeln und beruhigt übererregte Nerven. "Es hemmt die Freisetzung des Botenstoffes Acetylcholin", sagt Dr. Straub. Dieser Botenstoff sorgt dafür, dass ein Muskel sich anspannt.

Ist die Freisetzung des Stoffes unterdrückt, kann sich der Muskel nicht mehr anspannen. Durch eine Behandlung mit Botox entsteht so das Gefühl einer Lähmung.

Auf diese Weise hilft der Wirkstoff Menschen mit den verschiedensten gesundheitlichen Problemen, an denen stark angespannte Muskeln beteiligt sind - zum Beispiel auch bei Stimm- oder Schluckstörungen sowie Krämpfen bei einer Spastik.

Wirkstoff hilft beispielsweise bei Inkontinenz

Dr. Straub ist Urologe und setzt Botox unter anderem bei Blasenproblemen ein, insbesondere bei Inkontinenz. Es gibt eine Form der Blasenschwäche, die durch einen ständigen Harndrang gekennzeichnet ist.

Betroffene haben dabei das Gefühl, aus dem Nichts sehr dringend auf die Toilette zu müssen und ihren Harn kaum halten zu können, obwohl die Blase nicht stark gefüllt ist.

"Es gibt dafür verschiedene Ursachen", sagt der Experte. "Eine solche Blasenüberaktivität kann neurologische Ursachen haben, zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall oder einen Tumor."

Manchmal lässt sich aber auch keine Ursache finden. "In beiden Fällen kann Botox den Betroffenen helfen", sagt Dr. Straub.

Auch Probleme mit der Prostata lassen sich lindern

Der Arzt spritzt das Medikament direkt in die Blasenmuskeln. "Das unterbricht die verstärkten Nervenimpulse an dieser Stelle", sagt er. Auf diese Weise werden die Patienten von ihrem ständigen Harndrang befreit.

Auch vielen Männern, die Probleme mit der Prostata haben, könne eine Behandlung mit Botox helfen, sagt Dr. Straub: "Wenn jemand Probleme mit einer vergrößerten Prostata hat und ständig Wasser lassen muss, dann wirkt Botox gegen den häufigen Harndrang."

Die Behandlung wirke aber nur für eine gewisse Zeit. Sie sei zum Beispiel dazu geeignet, eine Operation noch etwas hinauszuzögern.

Oft weitere Behandlungen notwendig

Grundsätzlich wirkt Botox immer nur vorübergehend, sagt der Experte. Der Körper baue es nach einer gewissen Zeit ab. Deshalb sind oft weitere Behandlungen notwendig. Nebenwirkungen gebe es bei solchen Eingriffen nur selten, sagt Dr. Straub.

Bei einem Eingriff in die Blase könne es allerdings vorkommen, dass ein Patient in den ersten beiden Tagen keinen Harn ablassen könne. "Dann muss man einen Katheter setzen", sagt der Urologe.

Aus diesem Grund bleiben die Patienten nach dem Eingriff für eine Nacht im Krankenhaus.

Botox ist sehr sicher und gut erforscht

Doch wie entsteht Botulinumtoxin eigentlich? "Es ist ein Toxin, das von bestimmten Bakterien gebildet wird", sagt Dr. Straub. Diese Bakterien heißen Clostridien. Während man das Botulinumtoxin heute wegen seiner starken Wirkung in der Medizin schätzt, war es früher als todbringend gefürchtet.

Das Bakterium vermehrt sich vor allem in extrem sauerstoffarmen Umgebungen. Früher gab es häufiger Vergiftungen durch verdorbene Wurst oder verdorbene Fleischkonserven.

Darauf geht auch der Name Botulinumtoxin zurück, der sich vom lateinischen Wort "botulus" für Wurst ableitet. "Beim Einsatz im klinischen Bereich ist Botox aber sehr sicher und gut erforscht", sagt Dr. Straub.

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