Ob ich ein Kaffeejunkie bin, möchte ich mal dahingestellt lassen. Ich meine: Drei bis fünf Tassen am Tag darf man wahrscheinlich noch als normal betrachten. Doch der Gedanke, darauf verzichten zu müssen, behagt mir trotzdem nicht. Schließlich begleitet mich der schwarze Muntermacher schon seit acht Jahren durch den Tag. Meinen Kaffeedurst entwickelte ich nämlich, als ich 2003 (das erste Mal) mit dem Rauchen aufhörte. Brauchte ich damals eine Ersatzdroge? Ist Koffein eine solche Droge? Oder geht es beim Kaffeetrinken eher um Gewohnheit oder Genuss? Das will ich herausfinden – indem ich mir Koffein für zwei Wochen versage.

Silke Stadler
Eine Kolumne
von Silke Stadler, Redakteurin (nicht mehr im Unternehmen)
In ihrer Kolumne "Ausprobiert" testet unsere Gesundheitsredakteurin Silke Stadler am eigenen Leib, worüber sie schreibt.

Dass Koffein durchaus eine Art Droge ist, nach der man süchtig werden kann, zeigen Studienergebnisse des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIFE): Häufig treten Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen auf, wenn man den Kaffeekonsum plötzlich einstellt.

Der Grund: Koffein ist ein Psychostimulans und wirkt daher anregend auf den Organismus. Gewöhnt sich der Körper an den Kick, braucht er ihn auch irgendwann. DIFE-Studien belegen, dass Kaffee 20 bis 30 Minuten nach dem Genuss eine anregende Wirkung entfaltet, die bis zu sechs Stunden anhält. Davon merke ich aber schon seit Jahren nichts mehr. Ich glaube tatsächlich, dass ich vom Kaffee weder wacher, noch konzentrierter werde. Warum trinke ich ihn also? Aus Genuss? Gewohnheit? Oder gar Sucht? Das will ich jetzt herausfinden: Die nächsten zwei Wochen möchte ich ohne Kaffee aushalten.

Die ersten beiden Tage verlaufen völlig problemlos. Ich merke rein gar nichts von den angeblichen Entzugserscheinungen. Mir fehlt aber der gewohnte Gang zu unserer Kaffeemaschine - gerne auch mal verbunden mit einem kleinen Schwätzchen. Wahrscheinlich, so fällt mir auf, spielen Ritual und Gewohnheit doch eine größere Rolle als bloße Kaffeesucht. Ich verbinde die Tasse Kaffee im Büro mit einer kleinen Verschnaufpause. Man steht auf, vertritt sich die Beine und gönnt den Augen eine Pause vom reinen Auf-den-Bildschirm-Starren.

Außerdem bin ich ein Schleckermaul: Am liebsten würde ich permanent essen oder trinken. Kaffee war da immer ein kalorienarmer Kompromiss. Ich merke schnell: War Kaffee mein Ersatz fürs Nikotin, brauche ich nun einen Ersatz für Kaffee. Der ist schnell gefunden: Koffeinfreier Getreidekaffee. Mit einem Schuss Milch schmeckt der auch wirklich gut und befriedigt meinen Drang nach ständiger Nahrungsaufnahme.

Wissenschaftlich betrachtet gibt es übrigens keinen Grund, auf Kaffee zu verzichten: Laut dem Linus Pauling Institute, einer ernährungswissenschaftlichen Forschungsanstalt in Oregon gibt es kaum Hinweise darauf, dass Kaffeekonsum ein Gesundheitsrisiko darstellt. Vielmehr deuten einige Studienergebnisse darauf hin, dass Koffeingenuss dem Körper gut tut.

Zum Beispiel enthält Kaffee Ballaststoffe, die helfen, Darmkrebs zu verhindern. Zudem, so haben Forscher des Linus Pauling Institute herausgefunden, soll er das Risiko für Typ-2-Diabetes und Parkinson senken. Wer übrigens denkt, dass Kaffee ein "Wasserräuber" sei, irrt: Laut dem DIFE ist es ein Gerücht, dass das Heißgetränk zu Flüssigkeitsverlust führt.

Am dritten Tag stehe ich vor der ersten richtigen Herausforderung: Ich habe Frühdienst. Das bedeutet, meine Schicht beginnt zwei Stunden früher als gewöhnlich. Zwei Stunden, in denen ich normalerweise die Ration Kaffee konsumiere, die ich sonst den ganzen Tag über trinke. Aber ich bin standhaft, meine Augen bleiben trotzdem offen und ich bringe den Arbeitstag auch mit Getreidekaffee irgendwie rum.

Nach einer Woche fühle ich mich nicht anders als sonst. Weder müder, noch fitter. Mir fehlt sogar der Lieblingskaffee am Morgen oder nach dem Mittagessen kaum. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem schwarzen Gebräu birgt jedoch eine tückische Falle, in die ich während eines Wochenendtrips nach Frankfurt am Main tappe. Beim Frühstück im Hotel schenke ich mir ohne Nachzudenken eine Tasse Kaffee ein. Ich nehme einen kräftigen Schluck, bevor mir einfällt, dass ich das im Moment ja gar nicht darf. Ich gebe zu: Ein bisschen wehmütig schiebe ich die Tasse von mir.

Dabei schmeckte dieser eine Schluck überhaupt nicht so gut. Vor meinem Koffeinentzug war es mir häufig egal, ob ich Filterkaffee, teuren Espresso oder schaumige Latte Macchiato in mich hineinschlürfte. Hauptsache die dampfende Brühe war koffeinhaltig. Durch meinen Fauxpas merke ich, dass das Filter-Gebräu nicht gerade ein Highlight für meine Geschmacksnerven darstellt. Das bestärkt mich in meinem Feldversuch und ich halte eine weitere koffeinfreie Woche problemlos durch. Gänzlich auf Kaffee verzichten möchte ich in Zukunft jedoch nicht. Doch wenn ich dann eine Tasse trinke, soll sie auch richtig gut schmecken.

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