Aphthen gehören zu den häufigsten Entzündungen der Mundschleimhaut. Woher sie kommen, ist unklar. Sie können sehr schmerzhaft sein, gehen aber meist von alleine wieder weg. In manchen Fällen empfiehlt sich jedoch der Weg zum Arzt.

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Für medizinische Laien sehen sie auf den ersten Blick wie Herpes-Bläschen aus, die sogenannten Aphthen. Es sind weißlich oder rötlich-weiß verfärbte, flache Stellen im Mund, die entzündet sind und schmerzen.

Manche Menschen haben sie nur einmal im Leben, bei anderen treten sie immer wieder auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

So sehen sie aus: Aphthen sind weiß-rötliche Stellen im Mund. Wieso man sie hat, ist unklar.

Wer schon einmal Aphthen hatte weiß, wie lästig sie sind: Vor allem beim Essen von sehr sauren oder salzigen Lebensmitteln können sie höllisch weh tun. Sie können kribbeln, brennen oder sich rau anfühlen. Zum Arzt gehen muss man deswegen nicht sofort, denn in der Regel gehen sie nach einer bis zwei Wochen von selbst wieder weg.

Ursache von Aphthen ist unbekannt

Woher Aphthen kommen, ist unklar. Denn anders als bei Herpes oder anderen Infektionen konnten bislang weder Viren noch Bakterien ausfindig gemacht werden, die für die Entzündung verantwortlich sind.

Als eine mögliche Ursache gilt unter Medizinern Stress. Diskutiert werden außerdem: ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen, ein Mangel an Vitaminen oder Eisen und Nahrungsmittelallergien.

"Vermutlich sind immer mehrere Faktoren beteiligt", so der Leiter der Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Poliklinische Ambulanz an der Universität Witten/Herdecke, Jochen Jackowski, zu unserer Redaktion.

Da man nicht weiß, wie Aphthen genau entstehen, ist es auch nicht möglich, sie zu verhindern. "Vorbeugend kann man eigentlich nur gute Mundpflege betreiben; wer das nicht macht, hat ein höheres Risiko", sagte der Chefarzt der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Donau-Isar-Klinikum Deggendorf, Cornelius Klein, im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch schlecht sitzende Prothesen könnten ein Risikofaktor sein.

Gegen die Symptome helfen Mundspülungen

Sind die Aphthen erst einmal da, werden vor allem die Symptome bekämpft, also in erster Linie die Schmerzen. Das kann zum Beispiel mit betäubenden Gels erfolgen. Mit antibakteriellen Mundspülungen, zum Beispiel mit Chlorhexidin, kann zudem verhindert werden, dass sich Bakterien bilden, die die Entzündung noch verstärken.

"Wenn Menschen wegen der Schmerzen auf die Mundhygiene verzichten, bilden sich Beläge auf den Zähnen, und Bakterien können sich dann gut vermehren", warnt Cornelius Klein.

Auch Hausmittel können oft helfen, etwa Kamillen- oder Myrrhespülungen. Bei starken Beschwerden kann ein Arzt auch Cortison oder Antibiotika verschreiben. Das geht allerdings nicht immer. "Gerade bei Kindern und Jugendlichen sowie Schwangeren und Frauen, die stillen, muss sorgfältig abgewogen werden, wann welche Mittel möglich ist", so Jochen Jackowski.

In etwa zehn Prozent der Fälle können Aphthen bis zu ein bis drei Zentimeter groß sein. Fachleute nennen sie "Major-Aphthen" - im Gegensatz zu den sehr viel häufigeren (und kleineren) "Minor-Aphthen". Major-Aphthen bleiben manchmal bis zu vier Wochen.

Nach zwei Wochen sollte man zum Arzt gehen

Nach spätestens zwei Wochen sollten die Aphthen wieder abgeheilt sein. Ist das nicht der Fall, sollte der oder die Betroffene lieber zum Hausarzt gehen. Dieser kann weitere Untersuchungen durchführen, etwa einen Bluttest, um zu schauen, ob zum Beispiel eine Immunschwäche oder eine andere Infektion vorliegt.

Zudem könnte, in begründeten Fällen, eine Gewebeprobe veranlasst werden, um abzuklären, ob es sich nicht um eine bösartige Gewebeveränderung handelt. Das würde dann von einem Oralchirurg oder eine Oralchirurgin durchgeführt werden.

Denn die sogenannte Differenzialdiagnose - also die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen - ist bei Aphthen nicht immer einfach. Manchmal steckt eine Darmentzündung dahinter. "In sehr seltenen Fällen beginnen Leukämien mit solchen Veränderungen der Mundschleimhaut", sagt Cornelius Klein.

Auch andere Krebsarten sind ein Thema. "Allerdings sind beim Mundhöhlenkarzinom die Stellen geschwürartig und gehen mehr in die Tiefe, wohingegen Aphthen ganz flach sind", erklärt der Gesichtschirurg. Ausschließen können das aber nur Fachleute.

Ältere Menschen haben sie eher selten

Die Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Aphthen bekommen, gehen weit auseinander. "Je nach untersuchter Bevölkerungsschicht sind das zwischen 18 und 78 Prozent", sagt Jochen Jackowski. Erstmalig treten sie meist in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter auf. Ältere Menschen haben sie eher selten.

Es gibt keine Hinweise, ob die Entstehung von Aphthen vererbt wird. Allerdings ist es bei 30 bis 40 Prozent der Patienten so, dass mehrere Familienmitglieder Aphthen haben. Anders als zum Beispiel Herpes sind Aphthen jedoch nicht ansteckend.

Verwendete Quellen:

  • gesundheitsinformation.de (Website des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, IQWiG): Aphthen
  • Interview mit Professor Cornelius Klein, Chefarzt der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Donau-Isar-Klinikum Deggendorf
  • Schriftliche Antworten auf Fragen von Professor Jochen Jackowski, Leiter der Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Poliklinische Ambulanz an der Universität Witten/Herdecke