In geselliger Runde geben Menschen gerne die gängigen Alkoholmythen und damit Halbwissen zum besten. Unser Mythen-Check räumt mit dem Irrglauben auf.

Bei Partys und im täglichen Leben: Die Alltagsdroge Nummer eins ist Alkohol. Laut einer Statistik des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland 2014 pro Tag durchschnittlich 22 Millionen Liter Bier getrunken. Doch trotz ihrer allgemeinen Beliebtheit geht das Wissen über Bier und Wein oft nicht tief und es halten sich diese irreführenden Binsenweisheiten:

1. Alkohol wärmt den Körper

Gerade in den eisigen Wintermonaten ist ein alkoholisches Getränk gegen die klirrende Kälte überaus beliebt. Doch Spirituosen eignen sich als Wärmepflaster nur bedingt: Die Droge wirkt besonders, wenn sie heiß ist, denn sie erweitert dann die Blutgefäße. Allerdings gibt der Körper dadurch mehr Wärme ab und die Körper-Temperatur sinkt. "Wer stark alkoholisiert ist, nimmt die Kälte oft gar nicht wahr", sagt AOK-Ärztin Eike Eymers.

2. Schnaps ist der perfekte Verdauungshelfer

Das lästige Völlegefühl wollen viele mit Hochprozentigem loswerden. Der Verdauungsschnaps danach betäubt zwar leicht, doch er setzt die Magenbeweglichkeit herab, so dass das Essen umso länger im Magen liegt, erklärt Sebastian Haag von der Gastro-Liga in Wiesbaden. "Zudem lockern fettiges Essen und Alkohol den Schließmuskel oben am Magen", erläutert der Experte. Die Folge: Magensäure fließt in die Speiseröhre und das Risiko von Sodbrennen steigt.

Zum Tag des Bieres - Faktencheck zu Mythen rund um den Gerstensaft.

3. "Bier auf Wein, das lass sein - Wein auf Bier, das rat' ich dir"

Dieser Mythos ist falsch, es ist egal in welcher Reihenfolge wir alkoholische Getränke konsumieren. Der Spruch hat seinen Ursprung wahrscheinlich im Mittelalter: Früher war Wein das Getränk der Reichen und Bier für das niedere Volk. Stieg der Bürger gesellschaftlich auf, also von Bier zu Wein, war das besser als ein sozialer Abstieg von Wein zu Bier.

4. Alkoholfreies Bier ist 100 Prozent frei von Alkohol

Anders als häufig vermutet, enthalten auch die alkoholfreie Biersorten eine geringe Menge Rest-Alkohol. Daher ist der Konsum für trockene Alkoholiker laut der Ernährungsexpertin Heidrun Schubert ebenfalls riskant: "Der Geschmack ist zu ähnlich". Allein dadurch bestehe das Risiko eines Rückfalls, denn das Bier mache "Lust auf mehr".

5. Bratwurst-Genuss hemmt die Wirkung des Alkohols vollständig

Zwar gelangt durch den Verzehr fettereicher Speisen die Gesellschaftsdroge langsamer ins Blut, doch die Wirkung des Alkohols lässt sich nicht komplett verhindern: "Sie tritt nur langsamer ein", warnt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Weiterhin sind zu wenig Bewegung sowie zu viel Fett und Alkohol schlecht für die Leber: So kann sich in den Zellen Fett einlagern. Das führt zu einer Fettleber, die sich mit der Zeit entzünden kann.

6. Während des Alkoholkonsums viel Wasser trinken

Es ist bekannt, dass Alkohol dem Körper Wasser entzieht. Deswegen ist es sinnvoll, nach jedem prozentigen Getränk ein nicht-alkoholisches zu sich zu nehmen. Das ist wichtig, damit sich das flüssige Gift besser verteilt. Außerdem hilft das tatsächlich gegen den Kater am nächsten Morgen.

7. Konterbier am Morgen nach der durchzechten Nacht hilft

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Zwar hilft die Ration Bier am Morgen danach kurzzeitig, doch der Kater folgt, sobald die verlängerte Rauschphase vorüber ist. Wer dennoch zu tief ins Glas geschaut hat, sollte viel Wasser trinken, um dem ausgetrockneten Körper Flüssigkeit zurückzugeben. Auch ein herzhaftes Frühstück und Fruchtsaftschorlen sind eine gute Idee. Wer seinen Kreislauf einigermaßen in Schwung gebracht hat, sollte einen Spaziergang an der frischen Luft machen. Eine Kopfschmerztablette hilft ebenfalls gegen den Kater.

8. Durch Tanzen wird der Alkohol schneller abgebaut

Das ist bei Diskogängern eine beliebte Ausrede: "Ich kann noch einen zusätzlichen Drink vertragen, schließlich schwitze ich den Alkohol auf der Tanzfläche wieder raus". Falsch: Über Schweiß und Atemluft kann der Körper nur wenig vom Sprit abbauen. Die Arbeit der Leber lässt sich nicht beschleunigen, weder durch Tanzen noch durch sonstige Tricks.

9. Kaffee hilft gegen den Rausch

Viele sind der Meinung, dass ein Kaffee oder Koffein generell gegen einen Kater helfen. Das stimmt nur teilweise. Das Koffein gibt einem zwar das Gefühl, etwas wacher und frischer im Kopf zu sein, der Körper baut den Alkohol allerdings so nicht schneller ab.

Die häufigsten Bier-Mythen im Fakten-Check:

(dr/ff/mit Material der dpa)