Den sogenannten "Göttern in Weiß" vertrauen viele Menschen blind. Umso gravierender ist es, wenn Ärzte Fehler machen. Mit diesen Tipps können Patienten ihr Recht bei Ärztepfusch einfordern.

Was gilt als Behandlungsfehler?

Die Stiftung Warentest schreibt in ihrem Ratgeber "Ihr Recht bei Ärztepfusch", dass ein Behandlungsfehler dann vorliegt "wenn man dem Arzt einen Verstoß gegen die allgemein anerkannten medizinischen Standards" vorwerfen könne.

Behandlungsfehler ist jedoch nicht gleich Behandlungsfehler. Hier werden vier Typen unterschieden.

  • Diagnosefehler: Der Arzt stellt eine falsche Diagnose.
  • Organisationsfehler: Der Patient zieht sich eine Infektion zu, weil das Krankenhaus mangelhafte Hygiene aufweist.
  • Aufklärungsfehler: Der Arzt hat den Patienten nicht ausreichend über mögliche Risiken aufgeklärt.
  • Therapiefehler: Wunden werden nicht fachgerecht versorgt oder OP-Besteck wird im Körper vergessen.

Warum werden diese Fehler selten angezeigt?

Das hat verschiedene Gründe. "In Krankenhäusern erfolgen sehr viele Behandlungen, da fällt es im Einzelfall schwer, Fehler akribisch nachzuverfolgen", erklärt Angelika Friedl, Mitautorin des Ratgebers "Ihr Recht bei Ärztepfusch".

Vielen Menschen graut es auch bei der Aussicht auf lange Prozesse. Auch der finanzielle Faktor schreckt viele ab, da Gutachten und Prozesskosten schnell viel Geld verschlingen können.

Wie können sich Patienten wehren?

Bereits vor einem Krankenhausaufenthalt oder einer Operation können Patienten sich vorbereiten.

Angelika Friedl rät: "Fragen Sie immer konkret nach - warum muss es diese Operation sein? Gibt es andere Möglichkeiten? Was verbessert oder verschlechtert sich danach an meinem Gesundheitszustand? Überlegen Sie sich Ihre Fragen vorher und schreiben Sie diese am besten auf."

Hat ein Patient den Verdacht, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, sollte er auf jeden Fall das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Angelika Friedl rät weiter, dass bei dieser Unterhaltung eine zweite Person anwesend sein sollte.

Zudem sollten Betroffene ein Protokoll oder ein Tagebuch anlegen und sich alle Ereignisse und Schritte ganz genau notieren. Das ist wichtig, da sich die Aufarbeitung eines Behandlungsfehlers über Monate oder Jahre hinziehen kann. "Das Tagebuch ist hier eine gute Unterstützung, da sich Patienten häufig nicht mehr genau an alle Ereignisse erinnern können", so Friedl.

Auch auftretende Beschwerden und spätere Kosten, die im Zusammenhang mit einem möglichen Behandlungsfehler entstehen, sollten Betroffene aufschreiben.

Wer hilft konkret weiter?

Angelika Friedl empfiehlt, sich an Patientenhilfsorganisationen zu wenden. Diese geben Orientierung und besprechen die einzelnen nötigen Schritte mit den Betroffenen. Es gibt verschiedene Verbände in Deutschland, beispielsweise den Allgemeinen Patienten-Verband e.V. Letzten Endes bleibt Patienten jedoch nichts anders übrig, als einen Fachanwalt aufzusuchen.

Bekomme ich Schmerzensgeld oder Schadensersatz zugesprochen?

Wenn ein Behandlungsfehler anerkannt wird, hat der Patient Anspruch auf Schmerzensgeld für erlittenes seelisches und körperliches Leid.

Es kann sogar Schadensersatz für materielle Schäden zugesprochen werden. Diese seien meist ziemlich hoch, erklärt Angelika Friedl. Der Schadensersatz decke den Erwerbsschaden ab, wenn man nicht mehr arbeiten könne. Auch ein sogenannter Haushaltsführungsschaden wird so abgedeckt. Dieser entsteht, wenn man sich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt um den Haushalt kümmern kann.

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