Alle Jahre wieder: Die Preisschlacht der Händler zum Saisonwechsel hat begonnen. Der Winterschlussverkauf 2017 ist in den Geschäften gestartet und hält angeblich viele tolle Schnäppchen bereit. Aber sind die Dinge derzeit wirklich günstiger? Und wie erkennt man Preisfallen der Unternehmen? Hier erfahren Sie es.

Ob WSV, Super-Sale, Saisonwechsel im Sortiment oder Winterschlussverkauf – der Rabattwahnsinn in Online-Shops und im stationären Handel hat viele Namen. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Datum für den Start des Winterschlussverkaufs gibt es nicht mehr – eine Gesetzesreform aus dem Jahr 2004 erlaubt den Händlern, ihre Saisonschlussverkäufe nach Belieben durchzuführen. Inoffiziell gilt der letzte Montag im Januar jedoch immer noch als Auftakt für den WSV – online geht er mitunter aber auch schon früher los.

Derzeit räumen die Händler im laufenden WSV 2017 wieder ihre Lager und schaffen Platz für die neue Frühjahrsmode. Der Handelsverband Deutschland schätzt, dass in diesem Jahr erneut etwa 75 Prozent der Einzelhändler "den großen Werbeeffekt des WSV für sich nutzen werden".

Kaufimpulse durch immer höhere Rabatte

Während die Händler zu Beginn des Winterschlussverkaufs noch mit 30 oder 40 Prozent Preisnachlass locken, sind Mitte Februar dann schon zwischen 50 und 70 Prozent Ersparnis drin. Aber ist im Sale wirklich alles günstiger? Viele Händler locken mit neuen, bunten Rabattschildern und Preisetiketten, auf denen auch der angebliche Originalpreis oder die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers steht.

Weil vor allem im Mode- und Elektronikbereich Preise schnell veralten und Waren zügig wechseln, sinkt auch der Wert der Produkte schnell. Darum sollten Sie sich nicht von einem Originalpreis blenden lassen, der schon deutlich älteren Datums ist und damit nicht mehr relevant sein kann.

Offiziell ist das zwar verboten – der eine oder andere Händler schafft es dennoch, Mondpreise als vermeintlichen Normalpreis darzustellen. So wirkt die Ersparnis zwischen rabattiertem und ursprünglichem Preis im Vergleich nochmal extra groß und beim Verbraucher wird ein Kaufimpuls geschaffen. Hier lohnt es sich, vor dem Kauf noch mal Preise zu vergleichen.

Vorsicht vor Lockangeboten

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Ist ein besonders preisgünstiges Angebot schon nach kürzester Zeit nicht mehr erhältlich, so liegt der Verdacht eines Lockangebotes nahe. Das Produkt ist dann meist in nicht ausreichender Anzahl vorrätig und schnell vergriffen. Ziel eines solchen Lockangebotes ist es, den Kunden dennoch in den Laden zu ziehen – in der Hoffnung, dass er dann auf ein teureres Produkt ausweicht.

Die Aussage "solange der Vorrat reicht" entbindet den Händler zwar nicht von seiner Pflicht, die Ware in ausreichender Menge vorrätig zu haben, jedoch ist die Rechtslage bei diesem Thema etwas schwammig. Wo früher noch eine Warenbevorratung von drei Tagen nach Ankündigung des Angebots Pflicht war, liegt der Richtwert aktuell bei zwei Tagen – allerdings nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Wenn es hart auf hart kommt, muss das Unternehmen jedoch nachweisen, weshalb der Artikel kürzer als zwei Tage auf Vorrat war. In jedem Fall gilt: Sind Sie am ersten oder zweiten Tag des Angebots im Geschäft und der beworbene Artikel ist nicht mehr verfügbar, so sollten Sie sich an die Geschäftsführung wenden. Möglicherweise erreichen Sie dadurch, dass die angebotene Ware nachbestellt wird oder Sie bekommen auf einen anderen Artikel einen Sonderrabatt.

Nicht planlos shoppen gehen

Der wichtigste Tipp beim Einkauf im WSV 2017: Machen Sie sich vorher einen Plan, was Sie wirklich brauchen. Shoppen Sie nicht einfach wild drauf los, denn was nützt Ihnen ein edles Kleidungsstück, das zwar vielleicht nur noch die Hälfte gekostet hat, dann aber ungetragen in Ihrem Schrank liegt.

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Beachten Sie auch, dass reduzierte Ware in der Regel vom Umtausch ausgeschlossen ist. Händler spekulieren auf den Sale-Kaufrausch der Shoppingfans, die sich im WSV auch gerne mal Dinge kaufen, die ihnen vielleicht nicht zu 100 Prozent gefallen, passen oder möglicherweise auch einen Mangel haben.

Ist die Ware wegen eines Fehlers reduziert, so ist eine Reklamation nur möglich, wenn noch ein zusätzlicher Mangel am Produkt vorliegt. Und auch dann hat der Händler noch die Chance, eine Reparatur oder einen Ersatz anzubieten, bevor er das Produkt zurücknehmen oder einen zusätzlichen Preisnachlass gewähren muss.

Anders verhält es sich beim Online-Shopping. Hier hat der Kunde in der Regel immer das Recht, den bestellten Artikel innerhalb eines angegebenen Zeitraums ohne Angaben von Gründen zurückzuschicken – egal ob es sich um ein reduziertes Produkt handelt oder nicht.

Der WSV zieht weite Kreise

Nicht nur Textilhändler sind beim WSV mit von der Partie – auch Elektronikfachmärkte oder Möbelgeschäfte nutzen den Hype rund um den Sale für sich und locken die Kunden mit Angeboten. Das eine oder andere Schnäppchen ist da auf jeden Fall dabei, jedoch sollten Sie immer ganz genau hinsehen, Preise vergleichen, die Qualität überprüfen und im Kaufrausch nicht einfach wahllos zuschlagen. Dann steht einem erfolgreichen Shoppingerlebnis beim WSV 2017 nichts mehr im Weg.