Die meisten Hersteller möchten aus ihren Produkten möglichst viel Gewinn schlagen. Zutaten wie Rapsöl, Kakao und Haselnüsse werden da schon einmal schnell gegen billigere Inhaltsstoffe und Aromen ausgetauscht. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat nach der Änderung der Nutella-Rezeptur im vergangenen Jahr noch 16 weitere "verbesserte" Lebensmittel mit ihren Vorgängerprodukten verglichen. Die Ergebnisse haben sie in einer "Downgrading-Liste" zusammengefasst.

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Lebensmittel sollen den Hersteller möglichst wenig kosten, im Handel aber auch nicht so teuer werden, dass die Kunden zu anderen Produkten greifen. Die Lösung: Downgrading. Hochwertige Zutaten in Lebensmitteln werden dabei mit billigeren Inhaltsstoffen oder Aromen ausgetauscht. Auch durch den Zusatz von Zutaten wie Zucker verschlechtert sich das Produkt.

Kunden wünschen sich weniger intensiven Geschmack

"Durch Downgrading wollen Lebensmittelkonzerne meistens Rohstoffkosten einsparen, legen die Karten jedoch nicht offen auf den Tisch. Dabei sind die Produzenten oft um keine Ausrede verlegen, wenn sie Stellung zu einer Rezepturänderung nehmen sollen", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) in einer Pressemitteilung.

Die VZHH hat insgesamt 17 Lebensmittel mit ihren Vorgängerprodukten verglichen und festgestellt, dass viele Marken in den letzten Jahren ihre Inhaltsstoffe verändert haben. Die Begründung ist meistens gleich: Die Kunden wünschen sich Produkte mit weniger intensivem Geschmack.

"Dass das auch bei Markenherstellern, die oft für höhere Qualität stehen, die Methode der Wahl ist, hat uns überrascht", so Schwartau.

Produkte mit neuen Rezepturen

Anlass für den Vergleich von Produkten mit ihren Vorgängern war die Änderung der Nutella-Rezeptur im vergangenen Jahr. Ferrero verwendet bei der Herstellung des Aufstrichs jetzt weniger Kakao und dafür mehr Magermilchpulver. Auch der Zuckeranteil hat sich von 55,9 auf 56,3 Prozent erhöht.

In einer Stellungnahme des Herstellers auf Facebook ist nur die Rede von einer minimalen Feinjustierung. Die VZHH ist dennoch der Meinung, dass sich das Produkt verschlechtert hat. In Labortests haben die Verbraucherschützer festgestellt, dass sich der Kakaogehalt von 8,5 auf 7,4 Prozent reduziert hat.

Nicht nur der Bortaufstrich ist von einer Wertminderung betroffen. Die Rezepturen der folgenden Produkte haben sich ebenfalls verschlechtert:

Milka Nussini Waffelschnitte von Mondelez

Die Milka Nussini Waffelschnitten von Mondelez entahlten weniger Haselnüsse, diese wurden von 14 auf 9,5 Prozent reduziert. Außerdem beinhaltet das Produkt keine Haselnusscreme mehr, sondern nur noch eine Creme mit Haselnussgeschmack.

In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es: "Wir entwickeln unser Sortiment stetig weiter, um unseren Konsumenten Geschmackserlebnisse zu bieten, die mit dem Zeitgeist gehen."

Im Bereich Snacking habe sich einiges getan, so dass das Riegel-Sortiment modernisiert werden müsse. Die VZHH ist der Meinung, dass das nur eine Umschreibung für Downgrading sei.

Vitalis Früchtemüsli von Dr. Oetker

In dem Vitalis Früchtemüsli von Dr. Oetker sind jetzt mehr gezuckerte Früchte enthalten, der Zuckergehalt hat sich erhöht und es ist weniger Vollkorn enthalten. Im Gegenzug wurden zugesetzte Aromen aus der Rezeptur gestrichen.

"Unsere Verbraucher hatten uns in Befragungen und Sensorik-Tests signalisiert, dass sie das Müsli von der Konsistenz her weicher und mit einem intensiveren Fruchtgeschmack wünschen. Wir haben die Rezeptur daher auf eine neue spezielle Flockenmischung und eine besondere Fruchtkomposition umgestellt", erklärt das Unternehmen die Änderung.

Der Gesamtfruchtgehalt von 40 Prozent habe sich aber nicht verändert. Eine Verbesserung ist das für die VZHH allerdings nicht, da die Früchte zusätzlich gezuckert werden und das Müsli dadurch ungesünder ist.

Rama Dreiviertelfettmargarine 60 Prozent von Unilever

Die Rama Dreiviertelfettmargarine 60 Prozent von Unilever enthält jetzt nur noch 36 Prozent Rapsöl, früher waren es noch 46 Prozent. Dafür wurde der Rezeptur mehr Trinkwasser zugesetzt.

"Unsere Konsumenten bevorzugen eine leichte und cremige Textur. Wir haben daher die Zusammensetzung der klassischen Rama überarbeitet: Der Fettgehalt ist geringer, Buttermilch und eine leichter schmelzende Fettmischung machen das Produkt insgesamt cremiger", so das Unternehmen.

Aus Sicht der VZHH ist das eine Ausrede dafür, mehr Wasser und weniger Rapsöl zu verwenden.

Krüger Cappuccino Fein & Cremig der Krüger GmbH

Auch die Änderungen bei dem Produkt Cappucino Fein & Cremig der Krüger GmbH erklärt das Unternehmen Krüger mit dem Geschmack des Verbrauchers: "Im Rahmen von kontinuierlich stattfindenden Sensorik-Tests sind wir bemüht, den "Geschmack des Verbrauchers" zu treffen."

Das Resultat: In dem Produkt befindet sich weniger löslicher Bohnenkaffee und der Zuckeranteil ist von 60,4 Prozent auf 65,2 Prozent gestiegen.

Meßmer Brennnessel Mischung der Meßmer Tee-Gesellschaft GmbH

Die Meßmer Tee-Gesellschaft GmbH hat den Brennnesselanteil in der Meßmer Brennnessel Mischung von 62 auf 51 Prozent reduziert.

Das Unternehmen erklärt die Änderung mit der Verfügbarkeit des Rohstoffs: "Aufgrund der Verfügbarkeit des Rohstoffs Brennnessel in der geforderten UTZ-Qualität, musste bei dem Artikel die Zutat Brennnessel auf 51 Prozent reduziert und die Rezeptur entsprechend optimiert werden, die Geschmacksrichtung ist dabei gleich geblieben."

Die VZHH ist der Meinung, dass das Verbrauchertäuschung ist. Schließlich suggeriere die Beschreibung auf der Schauseite einen hohen Brennnesselanteil.

Knorr Hütten Schmaus Schinken Hörnli von Unilever

Das Produkt Knorr Hütten Schmaus Schinken Hörnli von Unilever enthält neuerdings keinen Milchzucker mehr, stattdessen ist Glukosesirup auf der Zutatenliste zu finden. "Dass der Milchzucker nicht mehr in der Zutatenliste erscheint, steht im Zusammenhang mit dem Austausch von Zutaten, die für die Cremigkeit des Produktes sorgen", erklärt das Unternehmen die Änderung.

Ob der Glukosesirup wirklich zur Cremigkeit beitragen soll, stellt die VZHH infrage. Genauso gut könne er auch nur eine preiswerte Alternative zum Milchzucker sein.

Auf die Verpackung achten

Die vollständige "Downgrading-Liste" der VZHH mit allen 17 untersuchten Produkten finden Sie hier.

Wenn Sie nicht in die Falle solcher Downgrading-Produkte tappen möchten, sollten Sie immer genau auf die Verpackung des Produkts achten.

Kunden sollten hellhörig werden, wenn sie auf einem Produkt den Hinweis "Verbesserte Rezeptur" oder "Neue Rezeptur" lesen. Das könnte nämlich eigentlich bedeuten, dass sich die Rezeptur verschlechtert hat. Darauf weist die VZHH hin.

Wenn der Schokoriegel-Hersteller mit einer "Neuen Rezeptur!" wirbt oder der Waschmittel-Produzent mit "Neuen Premiumdüften!" ist beim Kunden Misstrauen angebracht. Denn oft verstecken sich hinter solchen Ankündigungen auch Preiserhöhungen. Viele Verteuerungen finden aber auch ganz ohne großes Getöse statt.