Minidosen, eingeschweißte Bio-Gurken und Kaffeekapseln – Deutschland ist mit 218 Kilogramm pro Kopf und Jahr Europameister im Verpackungsverbrauch. Dabei gibt es bereits umweltfreundlichere Alternativen im Supermarkt.

Verpackungen sollen nicht nur das Produkt schützen, sondern auch die Aufmerksamkeit des Verbrauchers erregen. So sorgen bunte Tüten, Dosen und Boxen für immer mehr Müll.

Zudem gibt es seit Jahren einen Trend zu kleineren Einheiten. Coca Cola bringt jetzt sogar eine 150 ml Mini-Dose auf den Markt. Und das auf Kosten der Umwelt.

Weniger Inhalt, mehr Verpackungsmüll und höherer Preis – Getränkedosen sind klimaschädlich und ressourcenintensiv. "Kleindosen verschlechtern das Verhältnis der verpackten Getränkemenge im Vergleich zum eingesetzten Verpackungsmaterial erheblich", kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe DUH.

Einweg schadet der Umwelt

Der deutsche Getränkemarkt wird von Einweg-Plastikflaschen überschwemmt. In 2015 wurde laut Angaben des DUH die Menge von 17 Milliarden Einweggetränkeverpackungen verbraucht, im Jahr 2016 waren es 2,9 Milliarden Dosen. Allein die Herstellung der Plastikflaschen verschlingt jährlich mehr als 650.000 Tonnen Rohöl und Erdgaskondensate.

"Die Getränkedose ist eine der umweltunfreundlichsten Getränkeverpackungen", weiß DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Denn deren Produktion verbraucht viel Energie. "Sie wird in Deutschland bundesweit von nur wenigen Abfüllanlagen über lange Strecken transportiert. Weil für die Herstellung auch Neumaterial eingesetzt wird, müssen Aluminium- oder Eisenerz gewonnen werden." Durch das Abbaggern von Böden entsteht giftiger Rotschlamm als Abfallprodukt, der eine ernstzunehmende Gefahr für die Umwelt darstellt.

Coca Cola will mit neuem Produkt Kundenwünschen entsprechen

Coca Cola will mit der neuen Minidose den Kundenwünschen entsprechen. "Aus Marktanalysen wissen wir, dass insbesondere der Wunsch nach kleineren Verpackungen zunimmt", erklärt ein Sprecher von Coca Cola. "Unsere Dosen bestehen zu 70 Prozent aus recyceltem Altmetall, außerdem können sie immer wieder recycelt werden." Darüber verbessere der Getränkehersteller die Verpackungen kontinuierlich, auch die Dose.

Laut eigenen Angaben setzt Coca Cola auf einen Mix aus Mehrweg- und Einwegverpackungen. "So liegt der Mehrweganteil von Coca Cola mit seinen klassischen Glasmehrwegflaschen in verschiedenen Größen sowie der 1,0L PET-Mehrwegpfandflasche mit rund 47 Prozent etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Branche für alkoholfreie Getränke in Deutschland", zeigt der Sprecher von Coca Cola Zahlen von 2016 auf. "Dagegen liegt der Anteil aller Einwegpfanddosen im Verpackungsmix bei Coca Cola im niedrigen einstelligen Bereich."

Zu viel Verpackungsmüll

Viele unnötige Verpackungen von Lebensmitteln, Kosmetik und Hygieneartikeln verschwenden Ressourcen. Laut DUH fallen so jährlich 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll in Deutschland an.

So kommen bei den beliebten Kaffeekapseln auf sechs Gramm Kaffee etwa drei Gramm Aluminium oder Kunststoff für die Einzel-Verpackung und zwei Gramm Papier für die Umverpackung.

Ein Kaffee aus der Kapsel verursacht somit etwa 16 Mal mehr Abfall als Kaffee aus der Großpackung. 2014 wurden rund drei Milliarden Kaffeekapseln verbraucht, die rund 9.000 Tonnen Verpackungsabfall aus Kunststoff und Aluminium verursachten.

Außerdem wird immer mehr frisches Obst und Gemüse vorverpackt in den Supermarktregalen angeboten, inzwischen sind es 63 Prozent. 2014 wurden hierfür über 31.000 Tonnen Kunststoff für Frischgemüse und 22.500 für Frischobst verbraucht. Allerdings findet hier im Handel bereits ein Umdenken statt - Supermärkte wollen nach dem Aus für die Plastiktüte auch den Plastikmüll bei Verpackungen deutlich reduzieren.

Ein weiteres Problem ist die abnehmende Recyclingfähigkeit der modernen Verpackungen. Ob beim Milchkarton oder beim Joghurtbecher mit aufgeklebter Banderole – Verbundstoffe erschweren Sortierung und Recycling. Der Aufwand für die Trennung der Materialien ist hoch, oftmals muss ein Großteil der mühsam von Verbrauchern gesammelten Verpackungen sogar verbrannt werden.

Regionale Produkte kaufen

Die besten Abfälle sind die, die gar nicht entstehen. Verbraucher können zum Beispiel auf Getränke in Mehrwegflaschen, unverpacktes Obst und Gemüse oder Verpackungen aus Recyclingmaterial zurückgreifen. "Frischware bräuchte eigentlich kaum Verpackung, wenn man saisonales und regionales Obst und Gemüse kauft", erklärt Dr. Rolf Buschmann, Referent für technischen Umweltschutz beim BUND. "Produkte aus der Ferne hingegen müssen verpackt, gekühlt, transportiert und gelagert werden."

Bio-Tomaten aus Marokko, Avocados aus Südamerika oder Weintrauben aus Südafrika – die Ökobilanz der weitgereisten Produkte ist deutlich schlechter als die von Äpfeln oder Birnen vom Bauernhof um die Ecke. "Wer regional kauft, unterstützt zudem die heimische Wirtschaft", zeigt der Experte die Vorteile auf. "Auch die Milch großer Marken wird durch das ganze Land transportiert und muss daher in Getränkekartons abgefüllt werden. Umweltfreundlicher ist Milch aus der Region in der wiederbefüllbaren Mehrweg-Glasflasche." Gleiches gilt für Wasser oder Säfte.

Die Deutsche Umwelthilfe DUH empfiehlt Verbrauchern den Griff zur Mehrwegflasche. Durch ihre bis zu 60-malige Wiederbefüllung werden Ressourcen eingespart. Weil Mehrwegflaschen zudem überwiegend regional vertrieben werden, entlasten sie das Klima ganz besonders.

Tipp: Sogar für die umstrittenen Kaffeekapseln gibt es eine Alternative. Verbraucher können normalen Kaffee in Mehrweg-Kapseln aus Edelstahl abfüllen.

Einkauf planen und Müll vermeiden

Im Handel fehlen noch intelligente Lösungen. "Es muss ein größeres Angebot an Mehrweglösungen geben", betont Dr. Rolf Buschmann. Er denkt an Boxen im Mehrwegsystem, in die sich der Verbraucher beispielsweise Käse oder Wurst an der Theke geben lassen kann.

Abwiegen, Etikett drauf, bezahlen und zu Hause kommt die Mehrwegbox in den Kühlschrank. "Das würde jedoch nur bei allgemeingültigen Konzepten funktionieren, die Boxen müssten Nutzer in allen Lebensmittelgeschäften zurückgeben können."

Bisher gibt es nur wenige Supermärkte, die sich dem "unverpackt einkaufen" verschrieben haben. Hier gibt es neben Obst, Gemüse, Reis und Nudeln auch Olivenöl, Flüssigseife oder Waschmittel ohne Verpackung. Der Kunde bringt dafür sein eigenes Behältnis mit oder erwirbt ein Mehrwegbehältnis im Shop.

Mit einem ganz einfachen Trick kann der Verbraucher viel Müll vermeiden. "Wer mit einem Plan einkaufen geht, betreibt Abfallvermeidung pur", rät Rolf Buschmann. "Zu Hause einfach schauen, was noch da ist und was für die nächsten Tage genau benötigt wird." Und dann auch nur genau diese Produkte einkaufen, um das Wegwerfen von Lebensmitteln zu vermeiden.

Plastikverpackungen geht es weiter an den Kragen: Nach dem Ende der Plastiktüte sollen nun auch Folien und Verpackungen bei Obst und Gemüse verschwinden.