Weg von der Gratiskultur heißt es seit geraumer Zeit, egal ob bei den Sparkassen, Genossenschafts- oder Privatbanken.

Schluss mit gratis: In der Zinsflaute drehen immer mehr Banken und Sparkassen an der Gebührenschraube. Jüngstes Beispiel: Einige Sparkassen und Volksbanken verlangen von einem Teil ihrer Kunden Gebühren, wenn sie am Automaten Geld abheben. Die Niedrigzinsen belasten die Geldhäuser, die Branche ist auf der Suche nach neuen Einnahmen, zugleich sollen die Kosten runter.

"Bankdienstleistungen sind nicht kostenlos - die Verbraucher verstehen und akzeptieren das auch", sagte der Präsident des Genossenschaftsverbandes, Michael Bockelmann, jüngst. Vor allem kleinere Häuser befänden sich "im Zangengriff sinkender Erträge durch die Niedrigzinsphase und steigender Kosten durch die Regulierung".

Geld abheben? Das war mal kostenlos

Bisher konnten Verbraucher an Automaten des eigenen Instituts oder der Finanzgruppe kostenlos Bargeld abheben. Zwar sorgten die teils hohen Gebühren für Fremdkunden immer wieder für Ärger. "Inzwischen hat sich das nach unserer Beobachtung auf etwa drei bis fünf Euro eingependelt", berichtet Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Es gibt aber immer wieder Ausreißer nach oben."

Erste Sparkassen erheben ab jetzt Gebühren am Geldautomaten.

Nur wer ein entsprechendes Kontomodell wähle, zahle wie bei anderen Instituten auch Gebühren für Abbuchungen, betont der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Grundsätzlich sei das Abheben an einem der rund 25.000 Geräte für Sparkassen-Kunden nach wie vor kostenlos.

Ähnlich argumentieren die Volks- und Raiffeisenbanken. Es sei möglich, dass sich Verbraucher für ein Kontomodell entschieden, "das preiswerter ist, weil es zum Beispiel ein monatliches Limit an Freiabhebungen am Geldautomaten vorsieht. Für Kunden, die nicht oft Bargeld abheben, kann sich das lohnen." Biallo zufolge haben bisher mehr als 150 Volksbanken die kostenlose Bargeldversorgung teils abgeschafft. Die Auswertung laufe aber noch.

"Dass Konten auch etwas kosten, ist in Ordnung", sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. "Aber wir fordern von der Politik, Verbraucher vor Willkür beim Anheben der Kosten zu schützen."

Verbraucherschützerin Mohn mahnt, "die Finanzinstitute sollten nicht mit der Kundenzufriedenheit spielen". Seit Herbst könnten Verbraucher leichter ihr Konto wechseln. "Es gibt Sparkassen, die günstige Konten anbieten und trotzdem fürs Abheben am Automaten innerhalb der roten Gruppe keine Gebühren verlangen." Auch Nils Beier vom Beratungsunternehmen Accenture warnt: "Spielraum für höhere Gebühren ist grundsätzlich vorhanden, allerdings nicht unbegrenzt und immer mit dem Risiko, dass Kunden abwandern, insbesondere wenn es "falsch" gemacht wird."

Kunden müssen sich über Kontomodell informieren

Diese Tricks helfen, wenn Sie sich hohe Gebühren sparen wollen.

Nach Einschätzung von Dirk Schiereck, Professor an der TU Darmstadt, geht es den Finanzinstituten auch darum, das Verhalten der Kunden zu ändern. Einzelhandel und Banken seien sich darin einig, dass Bargeld teurer sei und es für sie besser wäre, wenn mehr Kunden mit Karte oder per Handy bezahlten, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Deshalb versuchten Banken und Sparkassen, die Kunden vom Bargeld wegzulocken.

Bei den privaten Instituten der sogenannten Cash Group - Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank und Postbank - ist die Bargeldversorgung am Automaten für eigene Kunden und die der Gruppe nach wie vor kostenlos. Es gebe aktuell auch keine Pläne dies zu ändern, heißt es bei den Instituten auf Anfrage.  © dpa

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