Der Berufseinstieg klappt nicht, die Kündigung oder die x-te Bewerbungsabsage flattert ins Haus. Kein Wunder, dass mit jedem Rückschlag auch das eigene Selbstbewusstsein geringer wird.

Vor allem Frauen neigen dazu, sich von beruflichen Rückschlägen runterziehen zu lassen.

Aber genau das ist jetzt Gift - nicht nur für die eigene Seele, sondern auch für die Fähigkeit, Probleme zu lösen und die berufliche Zukunft zu gestalten. Experten wissen, wie hilfreich bei der Bewältigung von Krisen eine gesunde Selbstakzeptanz ist.

"Selbstbewusstsein bekommen wir, weil uns Mitmenschen Anerkennung zollen oder wir uns Anderen überlegen fühlen. Es gibt aber auch eine Selbstakzeptanz, die nicht von außen kommt, sondern die sich der eigenen Werte und Leistungen bewusst ist. Auch wenn die Umstände schwierig sind", betont Dr. Doris Märtin, Kommunikationstrainerin und Autorin des Buches "Mich wirft so schnell nichts um".

Doch woraus soll ein krisengeschüttelter Mensch Selbstbewusstsein ziehen, wenn zum Beispiel Vorgesetzte und Kollegen seine Leistungen kritisieren? Der bekannte Managementberater Dr. Reinhard K. Sprenger erklärt, dass Selbstbewusstsein durch Selbstbefragung entsteht. "Welche Werte habe ich? Was will ich? Was kann ich?" Wer sich diese Fragen stelle, so der Autor des Buches "Die Entscheidung liegt bei dir", werde erkennen, dass er jenseits aktueller Probleme vieles hat, was sein Selbstbewusstsein stärken kann.

Aber gerade Frauen, so Sprenger, ziehen ihr Selbstbewusstsein häufig aus ihrer Umgebung und nicht aus sich selbst heraus: "Viele Frauen wollen es anderen recht machen. Sie sind erst dann zufrieden, wenn andere sie akzeptieren." Aber genau das sei problematisch, weil sie dadurch immer abhängig vom Urteil anderer seien. Sein Tipp: "Gehen Sie doch mal mit einer anderen Sicht an die Dinge heran und sagen Sie sich: Ich bin nicht dazu da, die Erwartungen anderer zu erfüllen." Natürlich müsse sich jeder anpassen, aber nicht um jeden Preis. "Wer das macht, was er wirklich gut kann und damit sein Geld verdient, sichert sich gerade im Job einen langfristigen Erfolg. Und das steigert natürlich auch das Selbstbewusstsein."

Übrigens hilft auch ein Blick in die Vergangenheit, um das eigene Selbstwertgefühl aufzubauen: "Machen Sie sich klar, wann Sie aus eigener Kraft eine Krise bewältigt haben", so Sprenger. Wer erkannt hat, dass er in der Vergangenheit schwierige Situationen gemeistert hat, kann auch aktuellen Problemen gelassener begegnen.

Kommunikationstrainerin Märtin rät Betroffenen dazu, auch das wahrzunehmen, was sie in der aktuellen Krise leisten. "Ein Kunde von mir, der früher als Manager gearbeitet hat und nun ohne Sekretärin auskommen muss, erlebte es zum Beispiel als Erfolg, selbst seine Flüge zu buchen." Gerade die Tatsache, wie ein Betroffener eine schwierige Situation meistert, sollte ihm helfen, selbstbewusst zu werden. "Wer nicht nur jammert, sondern auch für die Probleme in seiner Umgebung ein offenes Ohr hat, der kann mit Recht stolz auf sich sein."

Eine Möglichkeit zur Stärkung des Selbstbewusstseins sieht Märtin auch darin, nicht alles auf das "berufliche Pferd" zu setzen: "Schaffen Sie sich verschiedene Lebensbereiche wie Freunde, Familie, Hobbys oder Spiritualität." Wenn es dann mal in dem einen oder anderen Bereich hakt, haben Sie so die Möglichkeit, auch anderswo Erfüllung und Freude zu finden. "Nehmen Sie sich in einer Krise doch vor, ein neues Projekt anzufangen und etwas zu tun, was Sie schon lange vorgehabt haben, zum Beispiel Klavierstunden zu nehmen."

Und noch ein Tipp von Märtin: "Helfen Sie anderen. Manchmal kann es der eigenen Seele gut tun, etwa einen Kinderwagen in den Bus zu heben. Suchen Sie solche Gelegenheiten!"

Lesetipps:

Reinhard K. Sprenger: Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit, Campus Verlag 2010, 14. Auflage, 224 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-593-38957-8.

Doris Märtin: Mich wirft so schnell nichts um. Wie Sie Krisen meistern und warum Scheitern kein Fehler ist, Campus Verlag 2010, 240 Seiten, 17,90 Euro, ISBN: 978-3-593-38551-8.