Die Sommerferien sind vorbei. Auch in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hat das neue Schuljahr nun begonnen, Lehrer und Schüler prallen nach wochenlanger Pause wieder aufeinander. Zwar klagen die Dozenten zu Recht über einen aufreibenden Job, doch auch für Schüler wird das Klassenzimmer oft zur Nervenprobe. Vor allem, wenn sie es mit bestimmten Unterarten der Spezies Lehrer zu tun bekommen.

Der Altmodische

"Da stelle mer uns ma janz dumm …" - Lehrer Bömmel aus der "Feuerzangenbowle" ist ein Vertreter seiner Zunft, der gerade durch die simple Erläuterung der "Dampfmaschin" zum Kult geworden ist und ein geflügeltes Wort geprägt hat. Zwar ist es schon einige Zeit her, als die "Feuerzangenbowle" über die große Leinwand flimmerte, aber auch heute noch sind solche altmodischen Vertreter durchaus in Klassenzimmern noch zu finden.

Für Zugehörige dieser Gruppe, die häufig an der altmodischen Fliege und dem akkuraten Seitenscheitel zu erkennen sind, ist Pünktlichkeit oberstes Gebot. Dafür haben Sie etwa von technischen Errungenschaften der Moderne null Ahnung. Smartphone, Internet oder iPad gibt es in ihrer Welt schlichtweg nicht und so müssen sich die Schüler dieses Lehrertyps auch weiterhin durch die mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit verblassten, schreibmaschinengetippten Arbeitsblätter anno 1972 quälen.

Der Manager

In der freien Wirtschaft ist der Manager ein mächtiger Mann mit viel Entscheidungsgewalt, der für den Erfolg des Unternehmens geradesteht. Ganz ähnlich muss der Lehrer seinen Unterrichtsstoff und die Schüler im Griff haben, der Erfolg seiner Bemühungen zeigt sich in den Noten seiner Zöglinge. Allerdings hat er keinen Einfluss darauf, ob er auch fähige und motivierte Mitstreiter findet - sprich Schüler und Kollegen - sondern muss mit dem "vorhandenen Material" zurechtkommen. Insofern geht sein Entscheidungsspielraum gegen null. Er darf notorische Störenfriede höchstens mal kurz außer Gefecht setzen, aber nicht entlassen.

Allerdings managt dieser Super-Pauker mit tyrannischen Zügen alles, was in seiner Hand liegt. Mit seiner autoritären Aura schafft er das, was vielen seiner Kollegen nicht gelingt: Betritt er den Klassenraum, herrscht augenblicklich absolute Ruhe. Das mag an seinen Wutausbrüchen oder auch an seiner Unberechenbarkeit liegen, wie etwa Tests ohne Vorwarnung schreiben zu lassen.

Sicherlich hat er dadurch nicht gerade den besten Stand unter den Schülern. Die fahren mit einem Manager-Lehrer aber letztlich gar nicht so schlecht - besser als mit dem ständig verpeilten "Schülerversteher", der alles akzeptiert und durchgehen lässt, aber eigentlich nicht wirklich was auf die Reihe kriegt.

Der Kumpel

In diese Richtung geht nämlich der an den 1968ern geschulte Kumpeltyp, den man häufig an seinem Vollbart und der Oldschool-Nickelbrille erkennt.

In der Regel taucht er erst zur Mitte der Unterrichtsstunde auf, weil er wie so oft den Klassenraum nicht gleich gefunden hat. Dafür nimmt er es aber auch bei den Schülern nicht so genau mit der Pünktlichkeit. Überhaupt sieht sich dieser Typ Lehrer auf einer Stufe mit seinen Zöglingen - man duzt sich und begrüßt sich auch mal mit lässigem Handschlag.

Leider ist der so lockere Unterricht nicht wirklich spannend und die Schüler akzeptieren den Kumpel-Lehrer auch nicht als Respektsperson. Wer - wie der Kumpeltyp - an der ungerechten Chancenverteilung im Land leidet, schreckt eben davor zurück, einzelne Schüler für Verfehlungen zur Verantwortung zu ziehen.

Bekanntermaßen ist aber die antiautoritäre Erziehung nicht der Weisheit letzter Schluss. Manchmal braucht es eben auch mal Regeln und Forderungen als cooles Verständnis.

Der politisch Korrekte

Einige Lehrer und Lehrerinnen agieren - egal was passiert - mit Sanftmut und leiser Stimme. Statt Dinge angeregt und vielleicht bisweilen auch hitzig zu diskutieren, lässt der politisch Korrekte lieber erst einmal die Stühle in einem Kreis anordnen. Anschließend wird reihum jeder zu seiner Meinung befragt, bevor man letztlich gemeinschaftlich abstimmt - bis man so zu einer Entscheidung kommt, die alle zufriedenstellt, kann es manchmal länger dauern.

Leider werden die Sanftmütigen mit solchen Aktionen schnell als Weicheier abgestempelt. Manche Situationen verlangen härteres Agieren, um dem Ernst der Lage gerecht zu werden. Althergebrachte, sinnvolle Schülertugenden wie Pünktlichkeit lassen sich halt nicht piano durchsetzen.

Der Aussitzer

Der Aussitzer, auch der Faule genannt, möchte vor allem eines nicht: Tätig werden. Die Probleme erledigen sich erfahrungsgemäß eh von selbst, wenn man ihnen genug Zeit lässt. Oder? Nun, für die Schüler ist so ein Lehrer eine Strafe, sie fühlen sich nicht ernst genommen und allein gelassen. Mit schnellem Reagieren lässt sich manches Mal Schlimmeres vermeiden - ohne dass es gleich zum Über-Engagement kommen muss.

Der Engagierte

Gegenpol des Aussitzers ist der Engagierte, der auf keiner Konferenz ohne innovativen Neuerungsvorschlag auftaucht. Neben seinen Verpflichtungen als Klassen- und Vertrauenslehrer managt er die Theater-AG, Schulband oder die Basketballgruppe. Als Schüler würde man ihn hyperaktiv oder einfach nur Vorzeige-Streber nennen.

Der Leitwolf

Wer einmal als "Rudelführer" akzeptiert wurde, kann entspannt an die Arbeit gehen, ohne sich ständig neu vor der Klasse beweisen zu müssen. Damit steht dem optimalen Unterricht nichts mehr im Weg. So einen Lehrer hätte sich jeder gewünscht - fordernd und zuverlässig, mit Regeln und Raum für ehrlichen Meinungsaustausch.

Plötzlich fällt wieder auf, dass der Lehrerberuf etwas mit Berufung zu tun hat: In diesem Alpha-Pädagogen bündeln sich alle Eigenschaften in einem gesunden Maß, und automatisch entstehen Autorität und Akzeptanz. Eine Win-win-Situation, denn "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir!"

Wir wünschen allen Schülern trotz der Artenvielfalt ihrer Lehrer einen gelungenen Start ins neue Schuljahr!