Sie haben seit mehreren Monaten den Rundfunkbeitrag nicht gezahlt und im Briefkasten stapeln sich die Mahnungen - was passiert nun? Kann die Rundfunkanstalt tatsächlich Ihr Konto pfänden? Wir haben die Rechte und Pflichten der Beitragszahler zusammengestellt.

Während viele Beitragspflichtige die Kontrolleure der Gebühreneinzugszentrale früher gekonnt ignorierten, muss nun jeder den Rundfunkbeitrag zahlen. Wer das nicht tut, dem droht unter anderem eine Pfändung - so ergeht es gerade der AfD-Vizevorsitzenden Beatrix von Storch. Doch eine Pfändung ist nicht das einzige Mittel des Beitragsservice. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten:

Muss ich auf die Schreiben des Beitragsservice reagieren?

Die ersten Schreiben dürfen laut dem Deutschen Anwaltsregister ignoriert werden. Denn darin werden zunächst nur die Daten abgeglichen. Es soll festgestellt werden, ob die angeschriebene Person schon Beitrag bezahlt.

Reagiert man auf die Schreiben nicht, schickt der Beitragsservice dann einen sogenannten Beitragsbescheid. Dieser Zahlungsaufforderung muss Folge geleistet werden.

Allein 2014 nahmen die Anstalten gut acht Milliarden Euro ein.

Kann ich gegen den Rundfunkbeitrag Widerspruch einlegen?

Ja. Wenn der Beitragsbescheid im Briefkasten gelandet ist, muss der Widerspruch jedoch fristgerecht innerhalb eines Monats erfolgen. Achtung: Eine Zahlung unter Vorbehalt ist kein Widerspruch.

War das Widerspruchsverfahren erfolglos, kann der Gang zum Verwaltungsgerichten angetreten werden.

Wird die Klage auch vom Verwaltungsgericht abgelehnt, kann man bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Die Aussichten auf Erfolg sind jedoch gering.

Geht innerhalb der gesetzten Frist kein Widerspruch ein, gilt der Beitragsbescheid als bestandskräftig. Ab diesem Zeitpunkt ist die Rundfunkanstalt gesetzlich verpflichtet, ausstehende Beträge einzufordern.

Jeder Beitragspflichtige kann Widerspruch einlegen. Empfänger von Sozialleistungen, Ausbildungsförderungen wie BAföG oder Menschen mit Behinderungen können sich aber auch befreien lassen.

Wie kann der Beitragsservice Forderungen eintreiben?

Wird der Rundfunkbeitrag nicht gezahlt, kann die Rundfunkanstalt die Forderungen mithilfe eines Gerichtsvollziehers eintreiben. Auch Lohnpfändungen sind rechtens. Wird der Beitrag länger als sechs Monate nicht gezahlt, begeht man sogar eine Ordnungswidrigkeit. Diese wird mit einem Bußgeld geahndet.

Kann man ins Gefängnis kommen, wenn man keinen Beitrag bezahlt?

Auch das ist möglich. Allerdings gibt es bisher erst einen Fall, in dem das tatsächlich durchgesetzt wurde. Die Thüringerin Sieglinde Baumert saß seit dem 4. Februar in Erzwingungshaft, weil sie sich weigert, den Rundfunkbeitrag zu zahlen.

Mittlerweile ist sie allerdings wieder aus dem Gefängnis entlassen worden.

Muss ich den Beitrag rückwirkend bezahlen?

Hat der Beitragsservice Sie bisher übersehen, kann er den Beitrag auch rückwirkend verlangen, maximal aber bis zum 1.1.2013.

Wer kann die Rundfunkgebühr eintreiben?

Zuerst sind dafür die Rundfunkanstalten zuständig. Nach mehrmaligen Aufforderungen kann eine Amtshilfe der jeweiligen Vollstreckungsbehörde angefordert werden. Je nach Bundesland sind das dann das Finanzamt, die Stadtkasse oder der Gerichtsvollzieher.

Ein beliebtes Mittel der Stadtkasse sind die sogenannten "Ventilwächter". Diese werden am Auto des säumigen Zahlers angebracht und sorgen dafür, dass nach etwa 600 Metern die Luft aus dem Reifen entweicht. Zusätzlich werden Pfandsiegel und Warnhinweise an das Auto geklebt.