Im Fußball geht es nie nur um den Sport. Wirtschaftliche Interessen haben inzwischen einen fast genau so hohen Stellenwert wie die Erfolge auf dem Rasen. Bestes Beispiel derzeit: In Frankreich wird diskutiert, ob Fußballklubs aus der Reichensteuer ausgenommen werden sollten oder nicht.

Zlatan Ibrahimovic verdient bei Paris St. Germain rund 15 Millionen Euro netto. Ein Umstand, der angesichts der Finanzkrise nicht nur von Frankreichs Sportministerin Valérie Fourneyron als "astronomisch und unvernünftig" angesehen wird. Und nun auch ein Umstand, der "Ibras" Verein mehrere Millionen Euro an Steuerabgaben kosten könnte. Wäre da nicht die unermüdliche Arbeit der Lobbyisten der "Fédération Française de Football" (FFF), dank der die französische Regierung nun scheinbar ernsthaft überlegt, Fußballklubs die Reichensteuer zu ersparen.

Die Reichensteuer, das Prestigeprojekt von Frankreichs sozialistischem Präsidenten François Hollande, sieht eine Abgabe von insgesamt 75 Prozent für jedes Gehalt vor, das die Eine-Million-Euro-Grenze überschreitet. Die Beträge müssen von den jeweiligen Unternehmen der Arbeitnehmer an den Staat bezahlt werden. Bisher war keine Ausnahme für Fußballklubs vorgesehen. Der Hauptstadtklub Paris St. Germain müsste damit geschätzte 32 Millionen Euro mehr an Abgaben zahlen. Frankreichs Fußball zittert vor solchen Aussichten. "Frankreich wird seine besten Spieler verlieren", warnt Profiliga-Präsident Frédéric Thiriez. "Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Klubs in Europa wird in den Keller gehen und der Staat wird seine besten Steuerzahler verlieren."

Hat die Regierung ein Einsehen?

Aus rein sportlicher Sicht und nach einem Blick auf den europäischen Fußballmarkt, muss man Thiriez recht geben. Erfolge in der Champions League rücken mit einer derartigen finanziellen Zusatzbelastung in fast unerreichbare Ferne. Und das gilt nicht nur für PSG sondern auch für Vereine wie Olympique Lyon oder Marseille, die jeweils bis zu 15 Millionen Euro abdrücken müssten. Umso mehr freuen sich jetzt die Ligaverantwortlichen, dass die französische Regierung nun anscheinend ein Einsehen hat. Frankreichs Wirtschaft- und Finanzmininster Pierre Moscovi ließ immerhin durchblicken, dass es noch Diskussionsbedarf gibt: "Wir warten ab, aber es ist richtig, dass wir Fußballklubs haben, deren Gleichgewicht fragil ist."

Es ist eine vorsichtige Aussage, jedoch eine, die den Fußballklubs wieder Hoffnung macht - auch wenn eine solche Ausnahme eigentlich nicht zu dem sozialistischen Grundgedanken der "Tax Hollande" passen würde. Schon Moscovis Aussage hat für Gegenwind gesorgt. Immerhin ist Frankreichs Staatsmotto "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Eine Spezialbehandlung von Fußballvereinen passt da nicht richtig ins Bild.

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, doch eigentlich kann es in dieser Sache nur Verlierer geben. Werden die Fußballklubs tatsächlich ausgenommen, droht Präsident Hollande der Verlust seiner Glaubwürdigkeit. Gibt es die Ausnahme nicht, wird die französische Liga nicht mehr mit ihren europäischen Schwestern mithalten können.