Schlechte Zeiten für die Altersvorsorge: Die Zinsen sind am Boden. Festgeldkonten oder Lebensversicherungen sind auch keine soliden Anlagen fürs Alter mehr. Viele Deutsche haben daher Angst vor Altersarmut. Anlage-Experte Frank Breiting gibt Tipps, was Sie jetzt tun können.

Deutsche Presse geht mit Idee von Wolfgang Schäuble hart ins Gericht.

Herr Breiting, welche Vorsorgemodelle ergeben für wen Sinn?

Frank Breiting: Das ist so pauschal kaum zu beantworten. Wichtig ist in einer Phase permanent niedriger Zinsen, dass man darauf achtet, dass Vorsorgeprodukte nicht ausschließlich oder im Schwerpunkt in niedrig oder negativ verzinste Anleihen investieren.

Dazu zählen aktuell nahezu alle Produkte, die eine harte Garantie vorsehen, ganz gleich, ob es eine Zinsgarantie oder der Beitragserhalt ist. Garantien unterhalb der Beitragsgarantie können sinnvoll sein.

Lohnen sich garantierte Anlagen überhaupt noch?

Unterm Strich kann man sagen: Je höher die Garantie, desto höher die Quote risikoloser Papiere - und damit geringere Chancen auf Rendite. Dem muss man natürlich eventuelle staatliche Zulagen und Steuervorteile gegenrechnen. Diese sollten aber so relevant sein, dass man auf eine Kapitalmarktrendite weitgehend verzichten kann.

Welche Vorsorgemodelle sind am vielversprechendsten?

Die, die es dem Sparer erlauben, in Substanzwerte zu investieren, also beispielsweise Aktien oder auch Immobilien. Das wären Fondspolicen ohne Garantie oder Fondssparpläne.

Da man aus den am Markt verfügbaren Fonds auswählen kann, ist eine Risikosteuerung über die Fondsauswahl möglich, und auch für vorsichtige Sparer finden sich Fonds, die das Risiko reduzieren, aber trotzdem zumindest teilweise in Aktien investieren.

Wo ist das Risiko im Gegensatz dazu besonders groß?

Am risikoreichsten ist es unseres Erachtens, über einen langen Zeitraum einfach nichts zu tun. Sprich, das Geld auf dem Girokonto oder dem Sparbuch liegen zu lassen.

Mehrheit der Bevölkerung sieht sich nicht genügend abgesichert.

Da liegt es zwar stabil und wird optisch nicht weniger, aber auch eine niedrige Inflation macht einen jeden Tag ein bisschen ärmer, und über Jahrzehnte verliert der hier "gesparte" Euro große Teile seiner Kaufkraft.

Durch diese Form des Sparens wird man garantiert ärmer, das Risiko der Altersarmut ist daher sehr hoch.

Was sollten besorgte Sparer beachten, bevor sie investieren?

Wenn man das selbst nicht einschätzen kann, sollte man gemeinsam mit einem Berater die eigene Risikoneigung herausfinden und sich überlegen, welche Sparziele wann erreicht sein sollen: das Haus abbezahlen, die Ausbildung der Kinder finanzieren, eine Zusatzrente.

Für jedes dieser Ziele und für jeden Zeitraum, über den man spart, sollte man einen geeigneten Fonds auswählen, am besten gemeinsam mit einem Berater, gegebenenfalls auch mit Hilfe einer Software.

Gibt es ein Limit, über dem sich Geld auf dem Konto nicht mehr lohnt?

Beachten sollte man in jedem Fall den Kontostand auf konservativen Sparkonten. Wenn der den eigenen Sicherheitspuffer überschreitet, sollte man sich gut überlegen, ob man nicht einen Teil dieses Geldes inflationssicher machen sollte und für die Zukunft vermehren möchte.

Lohnt sich eine betriebliche Vorsorge noch?

Wenn man ein kostengünstiges und aktienlastiges Produkt angeboten bekommt, kann sich die betriebliche Vorsorge durchaus lohnen.

Eine Anhebung des Einstiegsalters hätte gravierende Folgen.

Wenn der Arbeitgeber dann sogar noch Geld beisteuert, dann auf jeden Fall. Das ist aber sehr unterschiedlich. Wenn es eine teure klassische Direktversicherung ist, die nur aus dem eigenen Gehalt gefüttert wird, würde ich diese aktuell nicht abschließen.

Für welche Lebensabschnitte ergibt welcher Vorsorge-Mix am meisten Sinn? Muss ein 30-Jähriger anders vorsorgen als ein 55-Jähriger?

Natürlich. Der 30-Jährige hat zwar einen viel längeren Planungshorizont, aber auch mehr Unsicherheiten im vor ihm liegenden Lebensabschnitt. Er wird tendenziell weniger sparen, weil möglicherweise Kinder und Haus hohe Kosten verursachen und vielleicht das Gehalt noch nicht so hoch ist.

Umso wichtiger ist es daher, dass er das, was übrig bleibt, möglichst ertragreich anlegt. Vor allem in Aktien, denn diese generieren in vielen Jahrzehnten Ertrag. Historisch gesehen haben Aktien bei einer Haltedauer von 13 Jahren eine Verlustwahrscheinlichkeit von null Prozent. Und die durchschnittliche jährliche Rendite in deutschen Aktienfonds lag über die vergangenen 20 Jahre bei knapp unter acht Prozent.

Der 55-Jährige hat mehr Geld, Karriere und Familie sind planbarer oder schon Realität geworden. Dafür ist der Anlagehorizont nicht mehr so lang. Da man das Geld aber nicht komplett am 62. Geburtstag ausgibt, hat man noch immer einige Jahre und sollte auch weiter auf eine hohe Aktienquote setzen.

Frank Breiting ist Leiter Vertrieb private Altersvorsorge bei der Deutschen Asset Management in Frankfurt am Main.