Nicht jede Bewerbung erfordert unbedingt ein Motivationsschreiben. Lesen Sie hier, wann Sie eines schreiben sollten und wann nicht, und welche formalen Anforderungen es gibt.

Fälschlicherweise wird das Motivationsschreiben häufig mit dem Anschreiben verwechselt oder die Begriffe werden gar synonym gebraucht. Die Verwechslung mag darauf beruhen, dass das Anschreiben teilweise demselben Zweck dient: dem Personaler kurz und prägnant zu vermitteln, warum Sie der richtige Bewerber sind.

Allerdings ist der Fokus im Anschreiben ein etwas anderer – und der dafür zur Verfügung stehende Platz ist sehr knapp bemessen. Es unterliegt strengen formalen Ansprüchen und schließt mit einem knackigen Plädoyer, das Ihre Persönlichkeit, Erfahrungen und Leistungen auf den Punkt bringt.

Als enger Verwandter des Anschreibens ist das Motivationsschreiben ein freiwilliger, vertiefender Teil der Bewerbung – sozusagen die „dritte Seite“, nach Anschreiben und Lebenslauf – ein eventuell vorhandenes Deckblatt nicht mitgezählt.

In der Abfolge der Dokumente wird es vor den Arbeitszeugnissen platziert und ist weniger strengen formalen Anforderungen unterworfen. Das Motivationsschreiben dient dazu, den Lebenslauf schlank und übersichtlich zu halten, indem es Ihnen erlaubt, Punkte aus dem Lebenslauf nochmals aufzugreifen, die Sie für wichtig halten, um z. B. Ihre Schlüsselqualifikationen detaillierter zu erläutern.

Hier können Sie nochmals ausführlich darlegen, warum gerade Sie für die ausgeschriebene Stelle die oder der Richtige sind und sich dadurch von Mitbewerbern abheben.

Das gehört ins Motivationsschreiben

Im Motivationsschreiben liefern Sie dem Personaler zusätzliche Argumente, die für Ihre Einstellung sprechen. Halten Sie sich auch hier besser an den Grundsatz: „Weniger ist mehr.“

Ausschweifende Schilderungen und blumige Sprache sind fehl am Platze und werden meist negativ beurteilt. Es zählen aussagekräftige Fakten. Wenn Sie merken, dass Ihr Anschreiben zu lang wird, sollten Sie erwägen, geeignete Teile daraus stattdessen in Ihr Motivationsschreiben zu überführen.

Ihr Motivationsschreiben ist zum Beispiel der richtige Ort, um schwierige Stellen oder Lücken im Lebenslauf zu erklären. Spätestens im Vorstellungsgespräch wird man Sie ohnehin danach fragen.

Bieten Sie im Motivationsschreiben nicht nur eine Aufzählung Ihrer Fähigkeiten, sondern belegen Sie Ihre Erfahrungen und Kompetenzen immer mit konkreten Beispielen; erläutern sie also, wie Sie selbige erworben haben. Damit sorgen Sie für Glaubwürdigkeit.

Wenn Sie konkrete Hilfe bei der Formulierung suchen, finden Sie eine Vielzahl unterschiedlicher Motivationsschreiben als Muster zur Ansicht und zum Download im Internet.



Unter welchen Umständen ist ein Motivationsschreiben sinnvoll?

Führungskräften unterstellt man gemeinhin bereits eine hohe Motivation und auch für Aushilfskräfte ist es in der Regel nicht erforderlich, im Rahmen der Bewerbung ein gesondertes Motivationsschreiben zu verfassen.

Wenn Sie sich aber um einen Studienplatz oder ein Stipendium bewerben, erfordern das üblicherweise ein Motivationsschreiben. Auch wenn Sie wissen, dass Sie mit viel Konkurrenz durch andere Bewerber zu rechnen haben, oder wenn Ihr Profil stark von den Anforderungen einer Stellenausschreibung abweicht, kann es helfen, Ihre Eignung per Motivationsschreiben vertiefend darzustellen.

Überall, wo es nicht ausdrücklich verlangt wird, ist ein Motivationsschreiben aber nur dann hilfreich, wenn es dem potenziellen Arbeitgeber einen wirklichen Mehrwert bietet. Ist die Bewerbung bereits stimmig und aussagekräftig genug, sollten Sie von einem Motivationsschreiben absehen.

Sie riskieren sonst inhaltliche Wiederholungen, die lediglich die Zeit des Personalers kosten und die die Bewerbung unnötig aufblähen. Das wird meist zu Ihren Ungunsten ausgelegt.



Formale Aspekte einer Bewerbung mit Motivationsschreiben

Auch beim Motivationsschreiben gehört es zum Aufbau dazu, dass Sie es mit einem Briefkopf versehen, der Ihren Namen, Ihre Adresse, die Telefonnummer und E-Mail-Adresse beinhaltet. Wie das Anschreiben Ihrer Bewerbung sollte auch das Motivationsschreiben die persönliche Anrede des Empfängers enthalten.

Vergessen Sie auch nicht die Überschrift. Sie können z. B. schlicht und treffend den Titel „Motivationsschreiben“ wählen, aber auch mit Formulierungen arbeiten wie: „Was Sie über mich wissen sollten“ oder „Was mich für diese Position qualifiziert“.

Stilistisch haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können Ihr Motivationsschreiben zum Beispiel als Fließtext gestalten, den Sie in übersichtliche Absätze gliedern und diese gegebenenfalls mit Zwischenüberschriften versehen.

Alternativ können Sie auch eine Aufzählung nutzen, in der sie auf lange Sätze verzichten und grundlegende Informationen in aussagekräftigen Schlüsselworten liefern. Letztgenannte Variante ist zwar übersichtlicher und liest sich zeitsparender, mag dafür aber unpersönlicher wirken als ein Fließtext mit Briefcharakter. Natürlich sind auch Mischformen aus Aufzählung und Fließtext möglich



Das Schreiben benötigt eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss. Wie so oft ist die Einleitung, insbesondere der erste Satz, sehr entscheidend. Bereits hier stellen Sie die Weichen, ob der Leser Ihnen weiter folgen möchte oder nicht.

Vermeiden Sie Floskeln und abgedroschene Phrasen, die der Personaler schon auswendig kennt. Seien Sie kreativ, seien Sie originell.

Im Hauptteil des Motivationsschreibens greifen Sie Aspekte wie Zusatzqualifikationen, ehrenamtliche Tätigkeiten, persönliche Werte oder soziales Engagement auf, die Ihre Persönlichkeit und Fähigkeiten auf sachliche Weise hervorheben.

Hier können Sie auch solche Ausführungen komplettieren, die im Anschreiben vielleicht zu kurz gekommen sind. Lassen Sie Ihr Motivationsschreiben mit einem aktiven, positiven Schlusssatz enden, der Selbstbewusstsein ausdrückt und keinesfalls unterwürfig klingt.

Dieser könnte z. B. lauten: „Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch!“  © 1&1 Mail & Media