Männer, die imponieren wollen: Für viele Frauen gehört dies zu den nervigsten maskulinen Verhaltensweisen am Arbeitsplatz. Sie verstehen nicht, warum einem großen Teil ihrer Kollegen dieses steinzeitlich anmutende Gehabe so wichtig ist. Doch auch von dem Verhalten der eigenen Geschlechtsgenossinnen sind Frauen nicht immer begeistert.

Kollegenrüpel und Phrasendrescher? Was Frauen an Männern im Job stört.

Marion Knaths veranstaltet Führungsseminare für Frauen und weiß: "Viele Frauen sind genervt, wenn Männer in Meetings nur heiße Luft produzieren und sich in den Vordergrund spielen. Ihnen ist klar, dass es dabei weniger um den Inhalt als um ihre Position in der Hackordnung geht." Frauen ist dieses Denken eher fremd.

Deshalb verstehen sie ein solches Verhalten nicht. Beispiel: Im Meeting wiederholen Männer gern das, was bereits andere gesagt haben und was beim Chef gut angekommen ist. Damit können sie selbst beim Chef punkten, da sich das Statement schon bewährt hat und das Wohlwollen des Chefs ihnen somit sicher ist. "Aber gerade dieses Verhalten stört Frauen."

Männer belassen es allerdings nicht nur bei verbalen Muskelspielen. Oft unterstreichen sie ihren Hang zum Imponieren durch ihre Körperhaltung. "Viele Frauen nervt eine despektierliche Körperhaltung, bei der sich zum Beispiel Männer breit hinsetzen, die Füße auf den Tisch legen oder sich im Schritt kratzen", berichtet Knaths. Überhaupt ist flegelhaftes Verhalten eine wirksame Methode, um sich bei Frauen Sympathie zu verscherzen.

Auch die Benehmensberaterin Marlies Smits fühlt sich vom rüpelhaften Verhalten mancher Männer gestört: "Mich ärgert es, wenn mir ein Mann die Tür vor der Nase zuknallt, sich mit beiden Händen in den Hosentaschen mit mir unterhält oder mich ständig beim Reden unterbricht."

Der Trainerin in Sachen gutes Benehmen fallen aber noch mehr Verhaltensweisen ein, die Frauen Männern am liebsten abtrainieren würden: Zum Beispiel unverschämte Blicke in den Ausschnitt oder anzügliche Bemerkungen.

"Nicht wenige Herren benutzen in ihrer Kommunikation Killerphrasen wie 'völliger Blödsinn'. Auch das ist Frauen meist unangenehm." Denn sie benutzen diese Phrasen viel seltener und neigen im Gegensatz dazu, die Dinge indirekt zu thematisieren.

Auch Knaths sieht in der unterschiedlichen Art, wie Männer und Frauen kommunizieren, eine wichtige Quelle von Unverständnis und Verdruss: "Frauen sind häufig irritiert, wenn sie Inhalte präsentieren und von ihrem männlichen Gesprächspartner kein Feedback bekommen. Stattdessen haben sie das Gefühl, ihr Gegenüber habe sich maskiert."

Dieses männliche Verhalten sollte aber nicht als persönliche oder inhaltliche Ablehnung der Frau verstanden werden, denn Männer "maskieren" sich auch untereinander. Knaths rät in diesen Situationen: "Akzeptieren Sie, dass Männer häufig anders kommunizieren als Sie selbst."

Gabriele Zienterra weiß, dass die Art, wie Männer mit Frauen kommunizieren, bei Frauen manchmal alles andere als Begeisterungsstürme auslöst. Die Geschäftsführerin des Instituts für Rhetorik und Kommunikation in Bonn erklärt: "Herren haben häufig eine sehr dominante und zackige Art zu reden, die wenig Rücksicht auf die Zuhörer nimmt. Und gerade das setzt viele Frauen unter Druck. Schließlich wissen viele von ihnen, dass sie nicht so schnell auf den Punkt kommen."

Die Geschäftsführerin und Management-Trainerin kennt auch aus ihrem Alltag männliches Imponiergehabe. Kollegen versuchen mit Bemerkungen wie 'Ich weiß, wie Frauen sind' oder 'Ich durchschaue Frauen' zu verunsichern. "In so einer Situation ist es wichtig, auf Augenhöhe zu kommunizieren, um weiterhin ernst genommen zu werden.

Denn Männer spielen gerne mit der Weiblichkeit, indem sie ihr Gegenüber testen und provozieren." Auch dieses Verhalten ist alles andere als beliebt, denn Frauen sind nicht gewohnt, selbst ebenso zu agieren. "Natürlich gibt es auch immer Frauen und Männer, die sich ganz anders verhalten. In der Regel hängt das wohl mit der Erziehung und dem Umfeld zusammen", ergänzt Zienterra.

Doch auch die Art, wie sich ihre Geschlechtsgenossinnen verhalten, ist für Frauen manchmal ein Grund, sich die Haare zu raufen. "Als ich mit 24 Jahren in eine Führungsposition kam, empfand ich die Neigung vieler Frauen, über ihre Gefühle zu reden, als anstrengend. Oft drehte sich dabei alles im Kreis.

Zu der Frage, wie eine Situation gelöst werden könne, kam es kaum", berichtet Zienterra. Von ihrer Arbeit als Coach und Trainerin weiß sie, dass gerade das "Hab mich lieb-Gehabe" unter Frauen schlecht ankommt. "Besonders eine hohe Stimme und das Spielen mit den weiblichen Reizen kann andere Frauen unangenehm berühren."

Auch die Benimm-Expertin Marlies Smits empfindet das Überbetonen weiblicher Reize als unangebracht. Dazu gehören Äußerlichkeiten wie überlange Fingernägel oder ein allzu starkes Make-up. "Ein weiblicher Hundeblick stört mich genauso wie unmotiviertes Gekichere." Ihr Tipp an die eigenen Geschlechtsgenossinnen: "Versuchen Sie im Job nicht everybodys Darling zu sein, sondern fachlich zu punkten."