Haben Sie den Wunsch, in Ihrer Arbeitszeit mehr zu schaffen? Scheitern Sie immer wieder an dem Vorsatz, Ihren Umgang mit der Zeit zu verbessern? Anstatt es mit einzelnen Zeitmanagement-Methoden wie dem Pareto-Prinzip oder der Eisenhower-Methode zu versuchen, hat Petra Schuseil eine etwas andere Methode entwickelt: Die Buchautorin und Coach aus der Schweiz rät Berufstätigen, ihr eigenes Lebenstempo zu erkennen!

Zuerst empfiehlt Schuseil Berufstätigen die Beantwortung zweier Fragen: Wo würden Sie sich aktuell auf einer Skala von 0 (= sehr langsam) bis 10 (= sehr schnell) positionieren? Sind Sie damit zufrieden? "Wenn Sie mit 'Ja' antworten, dann ist alles wunderbar! Wenn Sie mit 'Nein' antworten, fragen Sie sich, was Sie verändern wollen oder können", betont Schuseil. Und noch ein paar andere Fragen helfen bei der Selbsteinschätzung: Gehören Sie eher zu den Planenden oder zu den Improvisierenden? Eher zu den Ungeduldigen oder zu denen mit einem langen Atem? Mit diesen Fragen kommen Sie Ihrem eigenen Tempo auf die Spur.

Im eigenen Tempo zu mehr Erfolg

"Wenn ich um mein Lebenstempo weiß, kann ich mir selber und auch anderen Menschen besser gerecht werden", erklärt Schuseil. "Es ist sehr wichtig, die eigenen Bedürfnisse und Werte zu kennen, um im guten Kontakt mit mir und meinem Tempo zu bleiben." Im Berufsalltag kann diese Einsicht ganz konkret helfen: Wer weiß, dass er schnell arbeitet, sollte das im Umgang mit seinen eher besonnenen Kollegen berücksichtigen.

Schließlich erwachsen daraus oft Konflikte. Wer das bedenkt, kann manchem Streit aus dem Wege gehen. "Wenn sich eine Führungskraft klar macht, welche Lebenstempo-Typen in seinem Team arbeiten, kann er sie sehr individuell fördern und einsetzen", erklärt Schuseil. Großes Ziel sollte also sein, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter entsprechend ihrer individuellen Geschwindigkeit einsetzen. Schließlich werden sie so auch die besten Arbeitsergebnisse abliefern.

Auch Mitarbeiter können etwas für sich tun: Sie sollten dem Vorgesetzten ihre Bedürfnisse kommunizieren, zum Beispiel ihren Bedarf an einer ruhigen Arbeitsatmosphäre. Schuseil: "Was nutzt es einem Unternehmen, jemanden in ein Großraumbüro zu setzen, wenn er viel effektiver im eigenen Büro arbeiten könnte?"

Doch immer wieder erleben Berufstätige, dass sie sich mit ihrem eigenen Lebenstempo im Weg stehen. Gerade wenn sich Umstände im Betrieb ändern und Arbeitsbedingungen verschlechtern, fühlen sich viele Mitarbeiter fremdbestimmt und gestresst. Berufstätige sollten sich in dieser Situation bewusst werden, dass es verschiedene "Zeit- und Lebenstempo-Regler" gibt, die ähnlich wie ein Lautstärkeregler beim Fernsehgerät funktionieren und mit denen sich das persönliche Tempo regulieren lässt.

Das Lebenstempo trainieren

Einer dieser Lebenstempo-Regler bestimmt die Schnelligkeit des Handelns und lässt sich zwischen den Polen "schnell-schnell" und "besonnen" einstellen. Schuseil empfiehlt den Besonnenen, einen Schuss Geschwindigkeit ins Leben zu bringen und den Schnellen, Gelassenheit zu praktizieren. Deshalb sieht ihr Trainingsprogramm für die Schnellen auch so aus: "Üben Sie, Aufgaben bewusst aufzuschieben, anstatt immer alles sofort zu erledigen." Den Langsamen rät die Autorin dagegen: "Wenn Ihnen im Laufe des Tages etwas einfällt, was Sie erledigen müssen, dann tun Sie es sofort und denken nicht weiter darüber nach."

Andere Lebenstempo-Regler haben die Pole "ungeduldig" und "langer Atem", "powern" und "verschnaufen", "verplanen" und "improvisieren" oder "reagieren" und "agieren". Wer diese Regler für sich neu einstellen will, weil er merkt, dass ihn seine eigene Geschwindigkeit im Job mehr schadet als nutzt, dem rät Schuseil: "Wenn Sie Ihr Lebenstempo verändern wollen, dann brauchen Sie einen langen Atem. Ein Trampelpfad hat sich eben über Jahre entwickelt … so auch Ihr Zeit- und Tempoverhalten!"

Literaturtipp: Petra Schuseil: Finde dein Lebenstempo. Mit dem richtigen Tempo zu mehr Leben, Gabal, Offenbach 2013, 160 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-86936-481-0