"So wie Sie arbeiten, möchte ich mal Urlaub machen." Solche gemeinen Sprüche aus dem Munde des Chefs treffen Mitarbeiter meist unvorbereitet und mit voller Wucht. Doch das muss nicht sein, denn Peter Derber hat die fiesesten Chefsprüche gesammelt und jetzt als Buch veröffentlicht. Wer sich dieser Lektüre unterzieht, ist gut gewappnet gegen Gemeinheiten von oben.

Zu den Aufgaben von Vorgesetzten gehört es eigentlich, ihre Mitarbeiter bei ihrer Arbeit zu motivieren. Leider kommen manche Chefs dabei nicht ohne rüde Sprüche aus wie beispielsweise: "Wer später bremst, fährt länger schnell." Oder: "Doppelte Arbeit, doppelter Spaß." Natürlich geht es bei den Floskeln von oben noch wesentlich schlimmer wie Derbers Sammlung zeigt.

Wer zum Beispiel den Spruch hört "Hilf dir selbst, sonst hilft dir ein Sozialarbeiter", dem wird wohl eher das Lachen im Halse stecken bleiben. Vielleicht quält sich der Mitarbeiter auch noch zu einem Lächeln. Denn wer will schon zugeben, dass er sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht, weil er die Formulierung als Androhung einer möglichen Kündigung versteht?

Fiese Chefsprüche: Druck von oben

Wenn es in der Abteilung oder im Büro nicht läuft, dann erhöhen viele Chefs den Druck auf ihre Untergebenen, anstatt nach intelligenten Lösungen zu suchen. Und oft äußert sich das in Sprüchen wie "Das Leben ist kein Ponyhof". Es geht natürlich auch noch gemeiner: "Entweder ändern sich die Zahlen oder die Gesichter."

Doch nicht nur das Motivieren fällt Führungskräften oft schwer, auch die Rückkoppelung ist für manch einen Chef ein Balanceakt, der total misslingen kann. Das zeigen Sprüche wie "Stress hat nur der Leistungsschwache" oder "Sie sind so flexibel wie ein Amboss".

Die verbalen Entgleisungen der Chefs

Der eine oder andere verbale Entgleisung eines Vorgesetzten kann dabei die Grenze zur Beleidigung überschreiten. Auch zu diesen verbalen Entgleisungen lassen sich Führungskräfte hinreißen, wenn sie sich in Frust und Zorn in Rage reden. Dazu gehören zum Beispiel Sprüche aus Derbers Sammlung wie "Alt genug und doch nicht klug." Oder: "Sie haben nichts drauf außer Zahnbelag."

So kritisch Chefs oft gegenüber ihren Mitarbeitern sind, sich selbst gegenüber kennt die Eigenliebe und Selbstgerechtigkeit viel seltener Grenzen. Und oft genug fassen sie das auch in Worte wie: "Stellen Sie sich mal vor, Sie wären ich. Das ist doch ein tolles Gefühl, nicht wahr?"

Chefsprüche: Lassen Sie sich nicht provozieren

Doch was sollen nun Mitarbeiter tun, auf die derartige Sprüche niederprasseln? Gleich aus der Haut fahren? Davon ist natürlich abzuraten. Empfehlenswert ist es dagegen, sich nicht provozieren zu lassen und den Sprücheklopfer zu ignorieren. So könnte sich der Mitarbeiter zum Beispiel vorstellen, dass ihn eine Teflonschicht umhüllt, an dem jeder Spruch einfach abperlt. Wer so denkt, dem werden die Entgleisungen seines Vorgesetzten gleich viel weniger anhaben können. Schließlich sind Provokationen, auf die keiner reagiert, in der Regel schnell erledigt, der Angriff verhallt ungehört und alle können wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen.

Wem es schwerfällt, bei fiesen Sprüche ruhig zu bleiben und wer Angst hat, dass seine Gesichtszüge entgleisen, der kann sich auch der Situation entziehen, indem er den Raum verlässt. Er könnte ja zum Beispiel vorgeben, etwas kopieren zu müssen. Wer nicht den Ort des Geschehens verlassen kann oder will, der hat immer noch die Möglichkeit, sich auf andere Weise zu distanzieren. Er kann sich bewusst nicht an dem Gespräch beteiligen oder aber ein neutrales Thema ansprechen. Damit fokussiert sich die Aufmerksamkeit neu und der fiese Spruch ist vielleicht schon Geschichte!

Literaturtipp: Peter Derber: "Stress hat nur der Leistungsschwache". Die fiesesten Chef-Sprüche, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2014, 112 Seiten, 7,90 Euro, ISBN: 978-3-423-34795-2