Wem bringen Sie mehr Vertrauen entgegen: Managern oder Ärzten? Wahrscheinlich letzteren. Und so geht es vielen. Das zeigen immer wieder Studien und Umfragen.

So wurde zum Beispiel in der vom "dbb beamtenbund und tarifunion" in Auftrag gegebenen "Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2009" festgestellt: Das höchste Ansehen genießen Feuerwehrleute, gefolgt von Krankenpflegern, Piloten und Ärzten.

Insgesamt wurden bei der dbb-Umfrage 3.004 zufällig ausgewählte Bürger gebeten, bei 29 Berufen anzugeben, wie hoch die jeweiligen Berufe bei ihnen angesehen sind. Das niedrigste Ansehen hatten dabei Versicherungsvertreter, Telekom-Mitarbeiter, Mitarbeiter von Werbeagenturen und Politiker. Auf den Feuerwehrmann als angesehenen Beruf konnten sich 93 Prozent einigen, auf Krankenpfleger 88, Piloten 86 und Ärzte 84 Prozent. dbb-Pressesprecher Dr. Frank Zitka betont: "Menschen, die anderen beruflich helfen, haben ein hohes Ansehen. Das gilt gleichermaßen für Feuerwehrleute wie für Ärzte. Aber auch Piloten haben einen guten Ruf, da sie ja die Passagiere im Regelfall sicher von A nach B bringen."

Bei Versicherungsvertretern, Politikern oder Gewerkschaftsfunktionären liegt der Fall anders: "Solche Berufe sind negativ besetzt. Der Durchschnittsbürger erwartet von Vertretern dieser Gruppe weniger Hilfe, sondern fürchtet vielmehr, übers Ohr gehauen zu werden", erklärt Zitka. So erreichten Politiker gerade mal eine Zustimmungsrate von 18 Prozent. Versicherungsvertreter kommen sogar nur auf neun Prozent. "Auch der Steuerinspektor ist – wenn auch aus anderen Gründen - unbeliebt. Er gehört eben zu einer Berufsgruppe, die in das Vermögen der Bürger eingreift." Richter dagegen haben mit 78 Prozent Zustimmung ein deutlich besseres Image und liegen bei der dbb-Befragung gleich hinter den Ärzten auf dem fünften Rang.

Viele Berufe aus dem Bereich der öffentlichen Dienstleistung wie Feuerwehrmänner oder Richter werden also sehr hoch bewertet … obgleich sie den Beamtenstatus haben. Denn Beamte haben im Allgemeinen ein geringeres Ansehen: Ihre Zustimmungsrate liegt bei gerade mal 33 Prozent und somit im unteren Bereich des Rankings. Zitka: "Viele Befragte sehen in Feuerwehrmännern und Polizisten also nicht Beamte, sondern denken dabei eher an eine abstrakte Amtsperson in der Verwaltung."

Das Ansehen von Berufsgruppen ist übrigens keineswegs statisch, sondern schwankt. So werden Bankangestellte und Manager inzwischen deutlich negativer eingeschätzt als in den Vorjahren: Manager kommen nur noch auf 28 Prozent. Im Jahre 2007 waren es noch 37 Prozent. "Dagegen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren das Ansehen von Briefträgern, Dachdeckern, Lehrern und Beamten deutlich verbessert. Aber auch Feuerwehrmänner, Krankenpfleger, Lokführer, Müllmänner, Gewerkschaftsfunktionäre und Politiker haben etwas aufgeholt", betont Zitka. Diese Veränderungen erklärt er sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Das Vertrauen in die Kräfte des Marktes ist gesunken. Zugleich steigt das Vertrauen in die ordnende Kraft des Staates und seiner Beamten."

Bei dem Ansehen einzelner Berufe gibt es zwischen Ost- und Westdeutschland deutliche Unterschiede. So haben in Ostdeutschland "Werktätige" wie Lokführer, Müllmänner, Dachdecker, Briefträger oder Schaffner, aber auch Lehrer und Ärzte ein deutlich höheres Ansehen als in Westdeutschland. Im Osten des Landes sind dagegen Richter, Steuerberater und Mitarbeiter in Werbeagenturen niedriger angesehen als im Westen.