Während es früher selbstverständlich war, das gesamte Berufsleben in einer Firma zu verbringen, ist der regelmäßige Arbeitsplatzwechsel in der heutigen Arbeitswelt eher die Regel als die Ausnahme. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass das Arbeitszeugnis im Vergleich zu früher einen sehr viel höheren Stellenwert einnimmt. Denn es stellt in gewisser Hinsicht einen Eignungsnachweis bei der Bewerbung um einen neuen Arbeitsplatz dar und zählt daher neben dem Lebenslauf zu den wertvollsten Dokumenten der "aussagekräftigen" Bewerbungsunterlagen.

Vorbereitung ist die halbe Miete: Tipps und häufige Übungen.

Je nach Qualität kann das Arbeitszeugnis somit die berufliche Entwicklung erleichtern oder auch erschweren. Wir sagen Ihnen, wann Sie Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben und worauf Sie bei der Form und den Formulierungen im Arbeitszeugnis ganz besonders achten müssen.

Welche Kriterien sollte ein Arbeitszeugnis erfüllen?

Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, dem Arbeitnehmer auf Verlangen ein individuelles und klar und verständlich formuliertes Arbeitszeugnis auszustellen. Meist wird das Dokument von einem Mitarbeiter der Personalabteilung erstellt, um anschließend vom Personalverantwortlichen auf sauberem Firmenpapier unterschrieben zu werden.

Bestenfalls geschieht dies vor oder direkt nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, damit die Arbeitsleistungen des Arbeitnehmers vollständig aufgeführt und wahrheitsgetreu beurteilt werden können.

Wenn nämlich zu viel Zeit vergeht, kann es vorkommen, dass bestimmte Leistungen des Arbeitnehmers vom vorherigen Arbeitgeber nicht mehr richtig erfasst werden. Aber auch sonst sollte man nicht allzu lange mit der Ausstellung warten, denn nach drei Jahren verjährt der Anspruch des ehemaligen Beschäftigten auf ein Arbeitszeugnis.

Wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat bereits eine große Hürde auf dem Weg zur neuen Anstellung genommen. Nun lautet die Devise: Nicht locker lassen in den Bemühungen um den neuen Job.

Sollte das Arbeitszeugnis die aufgezählten Kriterien nicht erfüllen, kann man als Arbeitnehmer umgehend eine Nachbesserung oder einen Austausch verlangen. Auch in dieser Hinsicht gibt es beim Arbeitszeugnis eine Frist: Der Anspruch auf Korrekturen verfällt nach 5 bis 15 Monaten.

Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis

Als Arbeitnehmer kann man zwischen dem einfachen und dem qualifizierten Arbeitszeugnis wählen. Die Zeugnis-Varianten unterscheiden sich in Inhalt und Aufbau. Im einfachen Arbeitszeugnis werden lediglich die Personalien und Angaben zu Art und Dauer der Beschäftigung aufgeführt.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis gibt Auskunft über Art und Dauer der Tätigkeiten und enthält zudem eine Beurteilung und Bewertung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers. Für aussagekräftige Bewerbungsunterlagen sollte das qualifizierte Zeugnis der einfachen Version vorgezogen werden.

Auf diese Bestandteile müssen Sie besonders achten.

Entwicklung von Codes im Arbeitszeugnis

Nach der Rechtsprechung ist der Arbeitgeber zu einem "wohlwollend" formulierten Arbeitszeugnis verpflichtet, um das "berufliche Fortkommen" des Arbeitnehmers "nicht zu erschweren". Deshalb sind im Arbeitszeugnis Formulierungen verboten, die Probleme, Fehler, Mängel, Schwierigkeiten und Schuld thematisieren.

Vor diesem Hintergrund hat sich im Laufe der Zeit unter Arbeitgebern eine Art Geheimsprache entwickelt, mit der Kritik an Beschäftigten im Arbeitszeugnis in vermeintlich harmlose Formulierungen verpackt wird.

Anhand der codierten Zeugnissprache kann der Personalentscheider, dem die Bewerbungsunterlagen des Arbeitnehmers vorliegen, die eigentliche Einschätzung des vorherigen Arbeitgebers entnehmen. Für Arbeitnehmer ist es daher umso wichtiger, das Arbeitszeugnis auf solche versteckten Hinweise zu prüfen, um eine nachteilige Formulierung im Arbeitszeugnis frühzeitig beanstanden zu können.

Gesetzliche Regelungen zum Arbeitszeugnis in der Übersicht

Die Nutzung von Geheimcodes, deren eigentliche Bedeutung nicht klar und verständlich ist, wurde in der Gewerbeordnung im § 109 Absatz 2 für unzulässig erklärt. Demnach müssen folgende Punkte bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis erfüllt sein:

  • Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, die Arbeitsleistungen des Arbeitnehmers wahrheitsgetreu anzugeben. Dabei steht der Wahrheitsgehalt über dem Wohlwollen.
  • Die vom Arbeitnehmer ausgeübten Tätigkeiten müssen vollständig aufgelistet sein.
  • Geheimcodes sind tabu.
  • Dem Arbeitnehmer dürfen durch das Arbeitszeugnis keine unnötigen Nachteile entstehen.
  • Krankheitsbedingte Fehltage dürfen nicht angegeben werden.
  • Der Kündigungsgrund darf im Arbeitszeugnis nur genannt werden, wenn der Arbeitnehmer ausdrücklich zugestimmt hat.
  • Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeiten gehören nicht in ein Arbeitszeugnis.

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