Die Renten in West- und Ostdeutschland werden bis 2025 einander angeglichen. Das ist das Ergebnis eines Rentengipfels im Kanzleramt. Was bedeutet die Angleichung? Wer hat davon einen Nutzen – und wer ist auf der Verliererseite? Und wer trägt eigentlich die Kosten?

Es ist gar nicht so einfach mit der Rente: Solange man arbeitet, zahlt man ein, aber die wenigsten Arbeitnehmer wissen, was sie am Ende herausbekommen werden. Die Formeln sind relativ kompliziert. Und sie unterscheiden sich bislang auch noch für Ost- und Westdeutschland: Da die Löhne im Osten im Schnitt niedriger sind als im Westen, zahlen Versicherte in Ostdeutschland durchschnittlich auch weniger in die Rentenkasse ein. Damit wären ihre Ansprüche auf die Rente aber niedriger als im Westen. Deshalb wird der Lohn der Arbeitnehmer aus dem Osten in der Berechnung fiktiv angehoben.

Zumindest bislang. Das ändert sich aber ab dem kommenden Jahr. Das ist das Ergebnis einen Rentengipfels im Kanzleramt: Die Rente im Osten wird ab 2018 bis 2025 in acht Schritten an das Westniveau anglichen. Dafür fällt aber auch stückweise die Höherwertung des Ostlohnes weg.

Rentner im Osten profitieren, junge Beschäftige dort sind die Verlierer

Höhere Renten klingen erst einmal gut. Es gibt allerdings recht klare Gewinner und Verlierer der Rentenangleichung. So geht das Internetportal "ihre-vorsorge.de", betrieben von Regionalträgern der deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, davon aus, dass alle Rentner in Ostdeutschland klar profitieren: Sie hatten in der Vergangenheit bereits einen Vorteil durch die Hochwertungen ihrer Rentenbeiträge. Als Rentner wiederum profitieren sie davon, dass nun der Rentenwert angeglichen wird. Gewinner sind also Rentner im Osten und auch die Arbeitnehmer, die jetzt kurz vor der Rente stehen.

Nicht so gut sieht es dagegen für jüngere Versicherte in Ostdeutschland aus. Im Schnitt ist das Arbeitseinkommen im Osten immer noch niedriger als im Westen. Wenn nun die Höherwertung ihrer Gehälter wegfällt, sind sie im Alter schlechter gestellt als Beschäftige im Westen. "Die Auswirkungen sind aber je nach Branche ganz unterschiedlich", sagt Dr. Valerie Moser. Sie ist rentenpolitische Referentin des Bundesverbandes Volkssolidarität aus Berlin, der sich mit Rentenfragen befasst. "Viele Branchen haben bereits Tariflöhne." In dem Fall gebe es keine Nachteile für die Beschäftigten.

Aber in Ostdeutschland gibt es auch deutlich mehr Beschäftige im Niedriglohnsektor als im Westen. "Das ist ein Problem, wenn die Höherwertung nun wegfällt", sagt Valerie Moser. Die Beschäftigten aus Niedriglohnsektoren müssten damit rechnen, dass ihre Rente später noch deutlich niedriger ausfällt, als es bereits unter der aktuellen Berechnung der Fall wäre: "Da droht Altersarmut."

Keine direkten Auswirkungen im Westen – aber eine Frage der Kosten

Für Arbeitnehmer und Beschäftige im Westen gibt es keine unmittelbaren Auswirkungen der Angleichung – ihre Renten bleiben stabil, denn die Renten im Osten gleichen sich lediglich an das West-Niveau an. Dafür rechnet Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) allerdings mit Kosten von 3,7 bis 3,9 Milliarden Euro pro Jahr.

Diese sollen nach aktuellem Stand aus Steuergeldern finanziert werden. Es ist nicht klar, ob dafür Steuererhöhungen nötig werden und wenn ja, in welchen Bereichen diese fällig werden.