Bei TikTok veröffentlichen vor allem Kinder und Jugendliche kurze Smartphone-Videos. Mehr als eine Milliarde Mal wurde die App weltweit heruntergeladen. Doch die chinesische Plattform steht bei Jugend- und Datenschützern in der Kritik.

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Tanzeinlagen im Supermarkt, Saltos auf dem Zebrastreifen, lustige Streiche und süße Tiervideos: Auf der TikTok-Plattform finden sich unzählige kurze Clips. Sie haben alle eins gemeinsam: Sie sind nur 15 Sekunden lang und laufen danach in Dauerschleife weiter.

Die Videos sind meist mit Effekten, Grafiken oder Textschnipseln versehen, mit Filtern verfremdet sowie mit Musik unterlegt. Die Ergebnisse wirken oft eher amateuerhaft als professionell - aber genau das macht ihren Charme aus.

Besonders unter Kindern und Jugendlichen hat die Gratis-App einen riesigen Hype ausgelöst. Bis März wurde sie in Apples App Store und im Google Play Store weltweit eine Milliarde Mal heruntergeladen, nicht eingerechnet Android-Downloads in China.

46 Minuten verbringen die Mitglieder laut "Lead Digital" täglich im Durchschnitt auf dem Portal. Mindestens 500 Millionen Nutzer hat die App weltweit, schreibt die "New York Times", Tendenz steigend. In Deutschland sollen es nach Informationen von "T3N" bereits vier Millionen sein.

Langeweile gibt es auf der Plattform nicht

Die Macher der Videos sind ebenfalls Jugendliche. Sie erzählen Witze in die Kamera, führen etwas vor, bewegen die Lippen zur eingespielten Musik oder filmen andere. Die Clips werden mit der Smartphone-Kamera schnell aufgenommen und in wenigen Schritten geteilt.

"Make every second count" ist der Slogan der App: Tatsächlich bleibt bei 15 Sekunden keine Zeit für Überflüssiges oder Langweiliges. Es gibt unzählige Wettbewerbe und Challenges, die Nutzer immer wieder neu herausfordern, ein Video zu erstellen - zum Beispiel, wie man auf Treppen am besten tanzen kann.

Andere Nutzer können die kurzen Videos bewerten, kommentieren und teilen - so wie bei Instagram, Facebook und anderen Social-Media-Plattformen auch.

Und wenn ein Video doch mal nicht gefällt, ist das nächste nur einen Wisch entfernt: Streicht man einmal auf dem Bildschirm nach oben, erscheint der nächste Clip. Eine künstliche Intelligenz versucht, den Geschmack eines Anwenders zu analysieren, sodass immer der passende Clip läuft.

Inzwischen sind auch größere Unternehmen auf den Zug aufgesprungen - zum Beispiel Fußballvereine. Sowohl der FC Bayern als auch Borussia Dortmund sind bei TikTok vertreten. Sie zeigen dort vor allem witzige Spielszenen und die Spieler hinter den Kulissen.

Es gibt unendlich viele Spiele für Kinder jeden Alters. Und das ist auch gut so, denn Spielzeit ist auch gleichzeitig immer Lernzeit.

TikTok-Stars haben mehr als 30 Millionen Follower

Die meisten TikTok-Follower hat heute die US-Amerikanerin Loren Gray: Sie posiert in ihren Clips zu Hintergrundmusik, zeigt schräge Tanzmoves und macht witzige Grimassen. 31,5 Millionen Fans gefällt das.

Sie hat damit ein ähnliches Konzept wie die meistgehypten TikTok-Stars, die Stuttgarter Zwillinge Lisa und Lena: Sie hatten mit fast 33 Millionen Followern die größte Anzahl von Fans weltweit.

Besonders in den USA waren die Videos der Blondinen beliebt, bei denen sie die Lippen zur Background-Musik bewegen. Als die inzwischen 17-Jährigen Ende März bei Instagram verkündeten, dass sie sich von TikTok verabschieden würden, war der Aufschrei der Fans groß. Die beiden wollen sich nun anderen Projekten widmen.

Hinter TikTok steckt ein chinesisches Startup

TikTok gehört zum chinesischen StartUp ByteDance. Die App kam 2016 zunächst in China auf den Markt, dort heißt sie bis heute DouYin. Ende 2017 kaufte ByteDance die Karaoke-App Musical.ly, deren Nutzer gehören seitdem ebenfalls zu TikTok.

Die Inhalte bei TikTok und DouYin sind getrennt: Die chinesischen Videos können Nutzer anderswo nicht sehen, und umgekehrt.

Dass die App einem chinesischen Betreiber gehört, ist einer der Kritikpunkte an TikTok: Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber erklärte gegenüber Tagesschau.de, der Umgang mit Daten in Ländern wie China würde nicht den europäischen Standards entsprechen. TikTok versichert dagegen, dass die Server für Inhalte außerhalb Chinas in Singapur stehen würden.

Jugendschützer warnen vor Missbrauch auf der Plattform

TikTok steht aber auch bei Jugendschützern in der Kritik, nicht nur in Deutschland. Zwar dürfen sich Nutzer sich bei der App offiziell erst mit 13 Jahren anmelden. Diese Hürde kann aber leicht umgangen werden, indem man ein falsches Geburtsdatum angibt.

Video-App hat Inhalte von Menschen mit Behinderungen ausgebremst.

Das Portal "Mobilsicher" warnt, dass sich bei TikTok zahlreiche "Videos von sehr jungen Mädchen in aufreizenden Posen" finden würden - und "ein Netzwerk von Nutzern, die sie ansprechen und mehr Haut sehen wollen".

Teilweise handele es sich um achtjährige Mädchen, die in ihren Kinderzimmern tanzten. TikTok würde darauf zu wenig reagieren, kritisiert die vom Bundesjustizministerium geförderte Seite.

In Indien wurde TikTok sogar kurzzeitig von einem Gericht verboten und aus den App Stores entfernt. Die Begründung: Über die App würden anstößige Inhalte verbreitet und sie fördere Pornografie, so "Business Insider". Auch in Indonesien gab es eine kurzzeitige Sperre.

In den USA muss TikTok 5,7 Millionen Dollar Strafe zahlen - wegen mangelnden Datenschutzes von Minderjährigen beim Vorgänger Musica.ly, heißt es bei Heise.

Alle Inhalte bei TikTok sind öffentlich

Ein weiteres Problem von TikTok: Alle Profile auf dem Portal sind von Haus aus öffentlich. Zwar können Nutzer sie auf "privat" umstellen, dann zeigen sie ihre Inhalte nur bestimmten Nutzern.

Diese Einstellung müssen Mitglieder aber selbst vornehmen. Außerdem kann jeder, der die App herunterlädt, Clips anschauen - und muss sich dafür nicht einmal anmelden.

Die öffentlich zur Verfügung stehenden Inhalte erhöhen die Gefahr von Cybermobbing: Nutzer werden womöglich wegen ihrer Videos bloßgestellt und bekommen Hasskommentare.

Das Portal "klicksafe" zur Förderung der Medienkompetenz rät deshalb jugendlichen Nutzern, ihr Profil stets auf "privat" zu stellen und unangenehme Kontakte zu blockieren. Eltern sollten ihre Kinder über die Risiken der Plattform aufklären, auf das Mindestalter achten und die App gemeinsam mit ihnen erkunden.

Verwendete Quellen:

  • www.tiktok.com: "TikTok"
  • www.sensortower.com: "TikTok Downloads one Billion"
  • www.lead-digital.de: "TikTok: Lisa und Lena weg, FC Bayern da"
  • www.instagram.com: "Instagram-Account Lisa and Lena"
  • www.tiktok.com: "TikTok-Account von Loren Grey"
  • www.t3n.de: "Mehr als 4 Millionen deutsche TikTok-Nutzer: Hype-App testet Werbung"
  • www.tagesschau.de: "TikTok im Klassenzimmer"
  • www.businessinsider.de: "Schock für TikTok: Indisches Gericht verbietet Videopertal, auch aus Deutschland kommt eine schlechte Naxchricht"
  • www.heise.de: "Kein Datenschutz für Kinder: Millionenstrafe für Musicaly",
  • www.mobilsicher.de: "Yver-Grooming bei TikTok: Neue App, alte Probleme",
  • www.klicksafe.de: "TikTok: Tipps für Jugendliche und Eltern"
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