Nach und nach sagte ein Aussteller nach dem anderen ab. Zu groß ist die Angst vor dem Coronavirus. Nun ziehen die Veranstalter bittere Konsequenzen.

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Die weltweit wichtigste Mobilfunk-Messe ist abgesagt: Der Mobile World Congress (MWC) muss dem Coronavirus (die neuartige Lungenkrankheit bekam den Namen Covid-19) klein beigeben. Zu groß ist die Angst von Ausstellern, deren Mitarbeitern und Gästen, man könnte sich anstecken.

Bis Mittwochabend hielt die Mobilfunk-Anbieter-Vereinigung (GSMA) am Stattfinden der Messe fest. Am Wochenende hatte der Veranstalter noch beteuert, der für Ende Februar angesetzte MWC werde mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen für die Teilnehmer stattfinden.

Coronavirus: Desaster für Barcelona

Nun hieß es, die weltweite Sorge wegen des Coronavirus-Ausbruchs, Bedenken bei Reisenden und andere Umstände machten es "unmöglich für die GSMA, an dem Ereignis festzuhalten". Zuvor hatten zahlreiche große Aussteller angekündigt, den MWC zu schwänzen - darunter LG, Sony, Amazon, NTT Docomo, Intel sowie Ericsson und Nokia. Auch Vodafone und die Deutsche Telekom sagten ihre Teilnahme ab.

Für Barcelona ist die Absage der Messe ein Debakel. Schließlich ist der MWC wichtiger Wirtschaftsfaktor: In den vier Tagen sind die Hotels der Stadt praktisch ausgebucht, auch Restaurants machen ein riesiges Geschäft.

Auf nahezu eine halbe Milliarde Euro schätzt die Messegesellschaft den lukrierten Umsatz.

Absage ist ein Risiko für die GSMA

Der MWC gilt als die weltweit wichtigste Veranstaltung der Mobilfunkbranche und ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die GSMA erwartete zwischen 24. und 27. Februar mehr als 100.000 Besucher und mehr als 2.800 Aussteller.

Die Absage könnte für die Veranstalter einen bleibenden Schaden hinterlassen: Anbieter könnten ihre Teilnahme am MWC künftig überdenken, sollte ihr Geschäft in diesem Jahr genauso gut laufen. Schließlich ist die Teilnahme an der Messe teuer.

Die Finanzkrise 2008 markierte etwa den Anfang vom Ende der Computermesse Cebit in Hannover: Viele Aussteller blieben damals fern und kamen auch später nicht wieder. Im Fall des MWC beteuern zumindest viele große Aussteller, sie freuten sich auf die Ausgabe 2021.

GSMA versuchte, den MWC 2020 zu retten

Die Organisatoren hatten nach den ersten Absagen versucht, die Teilnehmer mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu beruhigen. Das Gelände sollte intensiv gereinigt und desinfiziert werden.

Außerdem sollte allen Reisenden aus der schwer vom Coronavirus gebeutelten chinesischen Provinz Hubei der Zugang zur Messe verwehrt werden. Wer sich zuletzt in China aufhielt, sollte einen Nachweis erbringen, das Land vor mindestens 14 Tagen verlassen zu haben.

Nach Angaben von "Wired UK" versuchte die GSMA zudem, die Behörden der spanischen Provinz Katalonien zu überzeugen, einen Gesundheitsnotstand auszurufen. So wollten sich die Organisatoren absichern, um ihre Ausgaben von Versicherungen zurückzubekommen.

Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau sagte am Mittwoch jedoch vor Journalisten, die Stadt sei "perfekt auf die Organisation des MWC vorbereitet". Nach Angaben der Gesundheitsbehörden gebe es "keinen Grund, Notmaßnahmen zu ergreifen".

Die GSMA setzte zusätzlich unter Druck, dass viele ihrer eigenen Mitglieder - etwa die Telekom, Orange oder AT&T - aus Sorge um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter die Teilnahme an der Messe absagten. In dieser Situation hätten die Veranstalter keine gute Figur abgegeben, wenn sie an dem Termin für die anderen Aussteller trotzdem festgehalten hätten. (ank/dpa)

Verwendete Quellen:

  • Wired UK: MWC has been cancelled
  • Financial Times: Mobile World Congress cancelled over coronavirus

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Das Bundesamt für Strahlenschutz hat die Strahlungswerte der einzelnen Smartphones aufgelistet. Die Spitzenreiter hat das Statistikportal Statista dort herausgesucht und veröffentlicht.