"There is nothing either good or bad", heißt es bei Shakespeare’s "Hamlet" an einer Stelle, "but thinking makes it so." Übertragen auf die derzeitigen Debatten der digitalen Welt könnte man sagen: "Tech is neither good or bad – but using makes it so." Am Ende kommt es eben immer drauf an, was die Nutzer*innen draus machen.

Prof. Dr. Miriam Meckel
Eine Kolumne
von Prof. Dr. Miriam Meckel , Publizistin, Verlegerin

Es lässt sich kaum bestreiten: Die Stimmung in unserem Land war schon mal besser. Mit dem Ende des meteorologischen Sommers sind auch konjunkturell kältere Zeiten angebrochen, und die Tech-Welt taugt auch nicht gerade zum Stimmungsaufheller. Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste sich unlängst für seine Geschäftspraktiken vor dem US-Kongress verantworten, einst umjubelte Einhörner sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet, und in Zeiten knapper Kassen stehen viele Innovationsprojekte, nun ja: "auf dem Prüfstand". Die Digitalisierung hatte es schon mal leichter.

Doch wir bei ada sind nun mal davon überzeugt, dass wir nicht nur heute das morgen verstehen sollten – sondern dass es allen besser geht, wenn sich mehr Menschen schon heute auf das morgen freuen.

Tech for Good – der Giga-Gipfel in Österreich

Auch dafür gibt es den Giga-Gipfel, auf dem sich in der vergangenen Woche zum dritten Mal gut 50 Visionär*innen im österreichischen Sölden trafen. Organisiert wird die Zusammenkunft gemeinsam von ada, dem Handelsblatt, der WirtschaftsWoche und dem Tagesspiegel, der Telekommunikationskonzern Vodafone ist seit der Premiere im Jahr 2017 Partner der Veranstaltung.

Das Motto in diesem Jahr lautete "Tech for Good". Und schon beim Kamingespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe machte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter klar, dass dieser Slogan durchaus programmatisch zu verstehen ist: Er beobachte in der Gesellschaft derzeit eine starke Zerrissenheit durch Unsicherheit, zwischen Aufbruch und Angst: "Wenn man sich krümmt vor Angst", sagte Ametsreiter, "hat eine Nation keine Vision."

Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz

Umso wichtiger sind Persönlichkeiten, die Optimismus verströmen und zeigen, dass Tech eben viel Gutes leisten kann. So wie die 21-jährige Coderin Aya Jaff, die einst durch ein Börsenplanspiel auf ihre Leidenschaft stieß – und heute auf Podien meistens vor allem mit einer Frage konfrontiert wird: Muss ich mich vor Künstlicher Intelligenz fürchten? Muss man nicht, sagt Jaff – und in Gesprächen mit Schüler*innen stellt sie immer wieder fest: Wenn sie die Algorithmen spielerisch erklärt, ist die Begeisterung meistens groß.

Jaff bewegt derzeit vor allem die Frage, wie wir den rasant wachsenden Energieverbrauch der Datenspeicherung in den Griff bekommen können. Eine mögliche Lösung ist die menschliche DNA. Auch damit lassen sich Daten sichern, und zwar sehr viel effizienter als bislang: Auf nur einem Gramm DNA-Material könnte man 215.000 Terabyte dauerhaft speichern - das sind 215 Millionen Gigabyte.

Der Weg aus der Filterblase

Ist Technologieskepsis typisch deutsch? Nicht unbedingt. Die meisten Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere, die Neues häufig fürchten. Umso wichtiger, sagt Jaff, dass "Techies nicht nur mit Techies reden", sondern die viel zitierte Diversity täglich leben.

Wie das gehen kann? Valerie Mocker, Direktorin beim Innovationsfonds Nesta, hat da eine Idee: Die Techaffinen sollten regelmäßig Fremde ansprechen und mit ihnen über die Digitalisierung reden. "Wer aus der Filterblase raus will", so Mocker, "muss den Hintern aus der Filterblase bewegen." Und den Kopf am besten gleich mit.

So wie die gebürtige Dänin Anne Kjær Riechert. Als Reaktion auf die Flüchtlingskrise gründete sie die ReDI School of Digital Integration, eine Programmierschule für Flüchtlinge. Noch heute könnte sie regelmäßig an den Mühlen der deutschen Bürokratie verzweifeln, erzählte Riechert. Aber weil ihre Schule der beste Beweis dafür ist, dass Technologie nicht nur Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft dient, nimmt sie die Mühen in Kauf.

Neues kann nur auf Zuversicht und Mut aufbauen

Dass Technologie nicht nur "good" sein, sondern wortwörtlich Leben verändern kann, zeigten in Sölden Jean Marc Feghali und Gökhan Meriçliler von Wewalk. Das Start-up hat eine Art smarten Blindenstock entwickelt, in dessen Griff allerlei Technik untergebracht ist: Ein Ultraschallsensor scannt die Umgebung, Mikrofon und Lautsprecher verständigen sich mit den Besitzer*innen, über Bluetooth lässt er sich mit dem Smartphone verbinden und übernimmt gleich mal die eingegebene Route von GoogleMaps.

Der Giga-Gipfel verdeutlichte einmal mehr: Es liegt an uns allen, die Chancen neuer Technologien für die Menschen und die Gesellschaft regelmäßig zu erklären. Und wir sind es - auch das ein Ergebnis der Diskussion -, die dafür sorgen müssen, dass Technologie nicht erst die Probleme schafft, die sie dann lösen muss. "Neues", sagte Hannes Ametsreiter, "kann ich nur auf Zuversicht und Mut aufbauen."

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Eine Roboterhand benötigt für die Lösung eines Zauberwürfels über vier Minuten - ein Mensch schafft es in wenigen Sekunden. Es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen: Denn die Leistung ist ein Zeichen für den Fortschritt von Künstlicher Intelligenz.