Der Unterricht findet teilweise wieder in den Schulen statt. Zugleich ist Homeschooling an der Tagesordnung. Das Klein-Klein des hybriden Schulalltags zwischen digitaler Lehre und Präsenz ist zermürbend. Nicht Pädagogik, sondern Infektions- und Datenschutzrecht geben den Takt an.

Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
von Rolf Schwartmann

Mit abwesenden Lehrern kommuniziert man hauptsächlich digital. Von Lehrplattformen mit Sammelsurien von Hausaufgaben und Lösungen, die Schüler schon in der Unterstufe zur Selbstbeschulung sortieren müssen, über Messenger-Gruppen, 24/7-Hausaufgabenversand per Mail bis hin zu Videokonferenzen wird viel angeboten.

Für das neue Schuljahr braucht es neue Konzepte

Klar ist, dass Lehrer Flexibilität brauchen, weil nicht alles planbar ist, wenn man in gedrittelten Klassen täglich andere Jahrgänge mit oft kaum bekannten Schülern unterrichten muss. Klar ist aber auch, dass wir einen Plan brauchen, wie Schule bis zu den Sommerferien und danach organisiert werden kann.

Wenn die Zeit zum angeleiteten Lernen stark reduziert wird, dann muss man den Lehrstoff entsprechend reduzieren. Konzentriert man sich jetzt nicht auf Wesentliches, insbesondere Hauptfächer, sondern unterrichtet alle Fächer ohne erkennbares Konzept per Salamitaktik, dann lernen Kinder nichts.

Bis zu den Sommerferien mag man das Schuljahr nach dem Motto "Weg mit Schaden“ abhaken müssen. Aber für das neue Schuljahr braucht man ein Konzept. Noch herrscht Uneinigkeit. Die Chefin der Kultusministerkonferenz hält die Rückkehr zum Normalbetrieb für möglich.

Der Wunsch ist verständlich, es ist aber unwahrscheinlich, dass er sich erfüllt. Die Lehrervereinigung jedenfalls warnt vor großen zu Hoffnungen. Zumindest der Bundeselternrat geht mit guten Gründen davon aus, dass es nach den Sommerferien "hybride Beschulung", also einen Mix aus Präsenz- und Fernunterricht geben wird und fordert, zusätzliche Räume anzumieten.

Das wäre ein Schritt, aber auch in weiteren Räumen wird die Gruppe der Lehrer und Schüler, die Risikogruppen angehören, nicht körperlich anwesend sein können; von einer zweiten Welle der Pandemie im Herbst, ohne jede Präsenz an Schulen, ganz zu schweigen.

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Geräteausstattung ist ein Problem

Es ist ein "Havarie-Szenario" erforderlich, bei dem man zur Not ganz auf Digitalisierung setzen kann. Die Ausstattung der Lehrer und vor allem der Schüler mit geeigneten Geräten ist ein großes Problem.

Auch finanzschwache Familien haben einen Anspruch auf chancengleiche Teilhabe am digitalen Unterricht. Aber vor allem müssen Schulen und Lehrer umdenken. Sie müssen jetzt die didaktischen Möglichkeiten des Netzes ausschöpfen und die Schulpolitik in den Ländern muss dazu anweisen und finanziell helfen.

Aber auch Schulen haben Möglichkeiten. Jede Lehrerin und jeder Lehrer kann Lehrvideos von sich aufnehmen. Das ist technisch leicht und zeitgemäß.

Sie können auf Lehrplattformen der Schulen angeboten werden. Wer sich als Lehrer noch scheut, findet Tutorials im Netz. Es ist sinnvoller, sie zu verlinken, anstatt Schulbuchseiten versenden. Auch Schulbuchverlage sind nun gefragt, digitales Unterrichtsmaterial anzubieten.

Die Bildung unserer Kinder ist eines unserer kostbarsten Güter und die Pandemie nach den Sommerferien nicht vorbei sein. Wir brauchen spätestens im neuen Schuljahr ein taugliches Konzept.

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