Der erste Blick auf den smarten Apple-Lautsprecher!

Nach iPhone, Apple Watch & Co. gibt es mit dem jetzt das nächste Gadget von Apple. Diesmal handelt es sich um einen smarten Lautsprecher - aber kann der auch wirklich überzeugen?

Mehrere Fliegen möchte Apple mit dieser Lautsprecher-Klappe schlagen: Einmal geht es darum, die etablierte Konkurrenz von Amazon und Google in ihre Schranken zu weisen. Smart-Lautsprecher boomen ein wenig, sodass es nicht schaden kann, wenn Apple dort ebenfalls vertreten ist. Der zweite Einsatzzweck besteht darin, einen guten Lautsprecher für Apple Music, den hauseigenen Streaming-Dienst, zu veröffentlichen. Weitere Funktionalitäten stehen zwar in den Startlöchern - wie etwa das Koppeln mehrerer Geräte, um Multiroom-Applikationen zu verwirklichen -, bislang ist davon aber noch nichts zu sehen.

Eine kleine Sache, die im Zuge der Veröffentlichung gleich aufgefallen ist, betrifft die Qualitätssicherung. Denn: Käufer, die den HomePod auf Holz abstellen, könnten weiße Ringe beobachten, die als Rückstand im Holz zurückbleiben. Das liegt am verwendeten Silikonring, der unter dem Lautsprecher für Stabilität sorgt und Vibrationen entschärft. Angeblich würden alle Lautsprecher dieser Art auch diesen Effekt hervorrufen - sagt Apple.

In der Realität stimmt das jedoch nicht. Vielmehr liegt der Grund in der Verwendung von minderwertigem Silikon. Immerhin: Apple kann das relativ schnell anpassen und innerhalb weniger Wochen für Abhilfe sorgen. Auch Kunden, die bereits einen HomePod haben, können dann eventuell auf Ersatz hoffen. Der Makel tritt aber wohl nicht auf jedem Holz auf und kann im Nachhinein auch wieder beseitigt werden. Dennoch ist es eben nicht "typisch Apple", einen Mangel dieser Art durchgehen zu lassen.

360°-Lautsprecher dieser Art können niemals mit vollwertigen Stereoanlagen oder anderen hochwertigen Soundlösungen mithalten. Ergo dürfen Käufer von vornherein nicht erwarten, sich hier ein Klangwunder zu kaufen. Die ersten Meinungen gehen außerdem weit auseinander: Audiophile Blogs behaupten selbstverständlich, dass der HomePod kein Ersatz für "echte" Lösungen ist. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch des HomePods von Apple. Ein Nutzer bei Reddit hat unterdessen geschrieben, dass er den Sound subjektiv besser empfindet als bei anderen Smart-Lautsprechern der Konkurrenz (die ebenfalls teuer sind). Dennoch bleibt: Musikliebhaber sollten sich den HomePod wahrscheinlich nicht aufgrund seiner klanglichen Eigenschaften kaufen, sondern nur dann, wenn das Gesamtpaket genutzt wird - denn das kann viel mehr als nur Musik.

Webseiten wie haben den HomePod getestet und sind teilweise zu überraschenden Ergebnissen gekommen - insbesondere in Bezug auf Software und Services. Siri beispielsweise, eines der Aushängeschilder von Apple, handelt im Mantel des HomePods nicht so agil und treffsicher wie auf iPhone & Co. Fragen werden teilweise falsch verstanden oder sogar falsch beantwortet, was noch kurioser ist. Immerhin: Da es sich nur um Softwareprobleme handelt, stehen die Chancen gut, dass Apple hier in den kommenden Wochen und Monaten nachbessern wird.

Bedenklicher ist die Nutzung von HomeKit, was Apples hauseigene Schnittstelle für Smart-Home-Geräte ist. Denn: Nicht besonders viele Geräte sind mit dem Apple-Standard kompatibel. Google und Amazon versorgen wesentlich mehr Geräte mit ihren Schnittstellen, von offenen Varianten ganz zu schweigen. Theoretisch wäre also die Steuerung von Lampe, Thermostat und anderen Dingen im Haushalt zwar denkbar, praktisch sind jedoch die meisten erhältlichen Smart-Home-Devices nicht kompatibel. Auch hier könnte sich in Zukunft etwas ändern - aber eben noch nicht jetzt.

Weitere negative Merkmale fallen wie folgt aus:

• Laut der New York Times kann Siri auf dem HomePod kein Uber-Taxi bestellen. Außerdem ist sie nicht in der Lage, Rezepte vorzulesen oder Einträge in den Kalender zu übertragen.

• Siri lernt die Musikwünsche der Nutzer auch nach einer Woche regelmäßigen Musikhörens nicht. In automatischen Playlisten kommen immer wieder Songs vor, die nichts mit der bisherigen gehören Musikrichtung zu tun haben.

• Bislang ist Siri nicht dazu in der Lage, unterschiedliche Stimmen zu unterscheiden. Fremde Personen könnten also einfach Anweisungen geben. Immerhin: Google und Amazon schaffen dies ebenfalls noch nicht.

Positiv merken aber einige Webseiten an, dass die Spracherkennung - zumindest im englischsprachigen Raum - sehr gut funktioniere. Die Klangqualität ist gut, wie bereits erwähnt, aber sie kann nicht mit echten Soundanlagen mithalten.

Viele Eigenschaften des HomePods sind innovativ und objektiv wünschenswert. Beispielsweise ist die Einrichtung so simpel, dass auch völlig technikferne Personen den Lautsprecher bedienen können. Weiterhin analysiert das Gerät die Beschaffenheit des Raums und strahlt etwa den Gesang immer in die Raummitte und nicht nach hinten gegen die Wand ab. Diese Analyse findet jedes Mal statt, wenn der HomePod bewegt wird. Wände hingegen nutzt der Lautsprecher bewusst, um Tiefe durch Hall und Schallreflexionen zu erzeugen.

Im Zusammenspiel mit Apple Music erreicht Siri ihr Ziel außerdem und weiß nach einiger Zeit beispielsweise, was ein Nutzer mit "Musik für mein Workout" meint. Auf die Frage nach der Integration weiterer HomeKit-Geräte bleibt Phil Schiller, Marketingchef bei Apple, allerdings wenig konkret. Apple arbeite "mit vielen Herstellern und Marken zusammen" - was natürlich toll ist. Gleichzeitig handelt es sich jedoch um eine recht austauschbare Aussage, die auf jeden Produktbereich zutrifft.

Produkttests werden heute auch von facherfahrenen Bloggern vorgenommen. Einige von ihnen hat Apple im Voraus mit Geräten versorgt. Ein wirklicher Konsens ist jedoch nicht zustande gekommen, was unterstreicht, dass Musik eine sehr subjektives Angelegenheit ist:

Der Testerin in diesem Blog gefiel zunächst das Äußere, da der HomePod wesentlich kompakter sei als beispielsweise der Google Home Max. Die Klangqualität wurde als wesentlich besser eingestuft als bei der Konkurrenz in Form von Amazon Echo, Sonos One und Google Home Max. Klare Mitten und Höhen sind hier der Pluspunkt. Außerdem gefällt der Testerin die sehr simple Bedienung über das Smartphone und auch Siri, sodass es kein Problem ist, sowohl den Audioplayer als auch dessen Eigenschaften wie die Lautstärke zu kontrollieren.

Vor allem dank iOS 11 hat Siri außerdem einen großen Sprung nach vorne gemacht, schreibt die Testerin. Bei der Ansage von Bands oder Songs klingt Siris Stimme jetzt menschlicher und weniger roboterartig als zuvor. Auf weniger Gegenliebe stößt die Abhängigkeit von Apple Music: Viele Features funktionieren nur dann, wenn ein Abo bei dem Musikdienst besteht. Der Fokus auf nur einen einzigen Benutzer - bedient durch die Unfähigkeit, Stimmen voneinander zu unterscheiden - ist ebenfalls wenig wünschenswert.

Bei der recht bekannten Webseite Mashable sind die Tester zunächst von der Klangqualität in diesem Produktformat begeistert. Von "akustischen Triumphen" ist die Rede, wobei aber nicht sicher ist, ob die Tester von Mashable für Aussagen dieser Art überhaupt qualifiziert sind. Echo und Google Home sieht die Webseite jedenfalls klar geschlagen, was die Klangqualität betrifft (gleichzeitig weist man aber auf die simple Möglichkeit der Verbindung mit externen Lautsprechern hin, was Google betrifft).

Eine Stärke des Geräts ist die sehr simple Konfiguration, eine Schwäche ist auch hier die Bindung an eine einzige Person. Die von Apple im Voraus ausgesuchten Songs ("Hotel California", "Side to Side" sowie "Let it go") klingen auf dem Lautsprecher jedenfalls exzellent - wobei man fragen muss, inwiefern vom Hersteller ausgesuchte Songs wirklich die letztendliche Qualität über alle Genres hinweg wiedergeben. Die automatischen Scans des Raums durch den HomePod gefallen Mashable gut.

Das Urteil fällt auf dieser Webseite positiv aus, die Ansprüche der Tester an einen Smart-Home-Lautsprecher werden erfüllt. Gleichzeitig fragt sich Mashable, ob andere Smart-Home-Lautsprecher ohne explizite Bindung an einen Musikdienst wie Apple Music nicht besser und erfolgreicher sein würden - denn ein echtes Alleinstellungsmerkmal fehlt, sodass sich der HomePod zunächst für Personen eignet, die schon im Apple-Universum verankert sind.

Auf der Blogging-Plattform Medium lobt Lance Ulanoff zunächst die Materialwahl, denn der HomePod sieht toll aus, fühlt sich gut an und erweckt einen hochwertigen Eindruck. Die Auflösung des Klangs führt der Tester als positives Merkmal ins Feld: Instrumente und Stimmen zu unterscheiden, ist kein größeres Problem. Songs klingen nicht wie ein schwammiger Soundteppich, sondern wohldefiniert. Auch beim Bass kommt der Medium-Beitrag zu einem überraschend wohlwollenden Fazit, wenngleich nicht klar ist, ob die Expertise des Testers für eine sachliche Analyse ausreicht.

Als sehr positiv wird die einfache Einrichtung empfunden. Auch das Far-Field-Mikrofon funktioniert hervorragend: Selbst bei sehr hoher Lautstärke ab 90 % und mehr erkennt der Lautsprecher noch immer, dass der Nutzer einen Befehl wie "Hey Siri, Stopp" spricht. Die Abfrage von Einkaufslisten oder Nachrichten ist also auch möglich, wenn nebenbei Musik läuft. Als Kritikpunkt wird auch hier einmal mehr angeführt, dass HomeKit noch wenig ausgereift ist. Auch der Preis spielt eine Rolle: Der HomePod kostet etwa vier Mal so viel wie Amazons Echo-Lautsprecher - aber ist er den Aufpreis wert?

Insgesamt ist das Ergebnis also zwiegespalten, aber leicht auf der positiven Seite anzusiedeln. Letztendlich dürfte es wirklich der Preis sein, der den Ausschlag zum Kauf (oder Nichtkauf) gibt.

Günstig war Apple-Hardware nie, der HomePod macht hier keine Ausnahme: 349 US-Dollar verlangt Apple in den USA, in Deutschland wird der Preis also irgendwo zwischen 300 und 400 Euro liegen. Zum Vergleich: Amazon Echo kostet 100 Euro, Googles Home-Lautsprecher bringt es auf 150 Euro. Ein Aufpreis von 200 bis 300 % ist also denkbar - aber ist der HomePod auch 200 bis 300 % "besser", wenn sich dies überhaupt in quantifizierbaren Zahlen ausdrücken lässt? Am Ende wird der HomePod in jedem Fall ein Gerät, das nicht in jedem Haushalt zu finden sein wird. Apple zielt klar auf seine eigene, zahlungskräftige Kundschaft ab und möchte den Lautsprecher nicht benutzen, um noch mehr Kunden ins Boot zu holen.

Bei Apple war der smarte Lautsprecher kein Produkt, das die Designer mal eben aus dem Ärmel geschüttelt haben. Vielmehr handelte es sich um viele Jahre Arbeit - und in Deutschland ist der HomePod bislang noch immer nicht erhältlich. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Einerseits war Apple überrascht: 2014 schon kam Amazon mit dem Alexa-kompatiblen Echo auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Apple zwar bereits einen Prototyp, aber Klangqualität und Funktionen waren nicht annähernd konkurrenzfähig. Die Lücke konnte Apple also nicht ansatzweise über Nacht schließen. Es ging also zurück in die Entwurfsphase, mit dem Ziel, eine vor allem klanglich verbesserte Lösung auf den Markt zu bringen. Darauf folgten dann abermals Entwicklungsstopps und neue Anläufe, denn ganz von Schwierigkeiten befreit war die Entwicklung nie.

Eine Herausforderung war dabei auch die firmeneigene Philosophie: Der HomePod musste nicht einfach ein guter Lautsprecher sein, sondern ein Produkt, das sich auch in Apples bestehendes Ökosystem aus diversen iProdukten integrierte. Neben iPhone, iPad & Co. möchte Apple den HomePod letztendlich auch nutzen, um loyale Kunden weiter loyal zu halten. Dies schränkt die Funktionsweise ein - was man beispielsweis durch den Fokus auf HomeKit-Produkte sieht -, gleichzeitig sorgt der Schritt aber auch für eine Simplifizierung des Produkts, was auch Apples Anspruch ist (und immer war).

Das letztendliche Resultat nach ungefähr sechs Jahren Entwicklung ist der HomePod, wie es ihn 2018 auch in Deutschland zu kaufen geben wird. Apple hat als Veröffentlichungstermin etwas vage das Frühjahr in den Raum geworfen. In den USA kostet das Gerät aktuell 349 US-Dollar. Es könnte also gut sein, dass Apple mit einem Preis von etwa 350 Euro auch in Deutschland an den Start geht - viel Geld für einen Smart-Home-Lautsprecher, der bislang noch keine Revolution gegenüber anderen Smart-Home-Geräten darstellt.© IDG