Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz seinen neuen Musikstreaming-Dienst Apple Music vorgestellt. Der iPod als Erfolgsmodell von Steve Jobs hat damit ausgedient. Doch was kann die App im Vergleich zu Spotify, Deezer und Co.? Wir klären auf.

Die Vorstellung des Musikstreaming-Diensts Apple Music war eines der Highlights auf der hausinternen Entwicklerkonferenz WWDC. Schließlich hatte das kalifornische Unternehmen fast 15 Jahre lang ausschließlich auf Musik-Einkäufe via iTunes gesetzt, während sich Konkurrenten wie Spotify oder Deezer mit ihren Streaming-Angeboten auf dem Markt breit machten.

Sieben Profi-Tipps, die ohne teures Equipment funktionieren.

Der iPod ist noch am selben Tag von prominenter Stelle auf der Apple-Homepage verschwunden. Die Möglichkeit des klassischen Musik-Downloads über iTunes wird es zwar nach wie vor geben. Doch der Fokus des Unternehmens liegt nun offenbar ganz auf dem Streaming.

Apple musste sich den Marktgegebenheiten anpassen

"Apple CEO Tim Cook emanzipiert sich damit final vom Übervater Steve Jobs", erklärt Technikblogger Sascha Pallenberg. "Der hat sich immer gegen Musikstreaming ausgesprochen, insbesondere wenn ein Service mehr oder weniger wie ein 'me 2'-Produkt ausschaut."

"Me 2", das ist Marketingjargon und heißt: Ich auch. Pallenberg spricht damit aus, was viele denken: "Apple hat sich den Marktbegebenheiten anpassen müssen. Die Nutzer wollen ihre Musik streamen und nicht mehr herunterladen."

Große Erwartungen hat die Öffentlichkeit daher schon im Vorfeld an das neue Apple-Produkt geknüpft. Allem voran steht die Frage: Wie will man sich von den anderen Streaming-Diensten abheben?

Größte Mediathek, Web-Radio und Sprachsteuerung

Die blanken Zahlen: Apple Music greift beim Streaming natürlich auf die bewährte iTunes-Mediathek zurück, und die beinhaltet nach Angaben des Unternehmens derzeit 43 Millionen Musiktitel. Damit dürfte Apple zumindest das größte Angebot haben, denn Deezer kommt auf etwa 35 Millionen Songs und Spotify liegt mit etwa 30 Millionen noch einmal ein gutes Stück dahinter.

Zudem kündigte Apple-Chef Tim Cook an, dem Streaming-Dienst auch eine Webradio-Station zur Seite zu stellen. Das gibt es bei der Konkurrenz bislang noch nicht. "Beats One" soll 24 Stunden am Tag von hochrangigen DJs aus New York, Los Angeles und London bespielt werden. Außerdem integriert Apple seine Siri-Sprachsteuerung in die Music-App. Sagt der Nutzer "Spiel mir die Top 10", wird das auch gemacht.

"Eine langweilige Kopie von Spotify"

Wenig überraschend hingegen: Auch Apple Music wird anhand der Vorlieben seines Nutzers auf ihn zugeschnittene Playlists und neue Titel vorschlagen.

Alles in allem für Sascha Pallenberg keine bahnbrechenden Innovationen. "Eine langweilige Kopie von Spotify mit vermeintlich spannenden Features, die eher wie ein kreativer Offenbarungseid der Macher anmuten", schreibt er in seinem Blog "Mobile Geeks".

Keine Gratis-Option, dafür Familien-Flatrate

Der Preis für Apple Music liegt bei 9,99 Dollar. Der Euro-Preis ist derzeit noch nicht bekannt, man kann aber davon ausgehen, dass er ebenfalls 9,99 Euro beträgt. Denn Apple hat sich preislich an die Konkurrenz angepasst. Spotify, Deezer, Google Play Music, Rdio, Napster: Sie alle verlangen 9,99 Euro für den grenzenlosen Musikgenuss.

Als Besonderheit hebt Apple seinen Familientarif für 14,99 Dollar hervor. Bis zu sechs Leute in einem Haushalt können dabei einen Account nutzen. Ähnliches gibt es zwar auch schon bei Spotify, allerdings kostet das deutlich mehr: Zum Grundpreis von 9,99 Euro kommt für jedes weitere Familienmitglied ein Aufpreis hinzu. So muss eine fünfköpfige Familie schon 29,99 Euro berappen und damit doppelt so viel wie bei Apple Music.

Apple bietet, anders als Spotify und Deezer, keine Gratis-Variante seines Musikstreamings an. Für die beiden Konkurrenzunternehmen ist die kostenlose Variante eine Möglichkeit, Nutzer zunächst auf den Geschmack des Angebots zu bringen. Im Gegensatz zur Bezahl-Variante wird hier jedoch Werbung eingeblendet.

Potenzial zum Marktführer

Nach eigenen Angaben hat Marktführer Spotify derzeit 60 Millionen User, 15 Millionen nutzen die kostenpflichtige Variante. Deezer hat bei einer Zahl von 16 Millionen aktiven Nutzern sechs Millionen zahlende Kunden. Nach Ansicht von Technikblogger Sascha Pallenberg dürfte Apple aber trotz des späten Einstiegs seiner Konkurrenz bald den Rang ablaufen: "Apple Music wird innerhalb der nächsten zwölf Monate Marktführer werden. Da brauchen wir uns keiner Illusion hingeben. Apple hat über 800 Millionen Kreditkarten über iTunes registriert. Werden nur zehn Prozent dieser User den Service nutzen, hat man den Platzhirschen Spotify vom Thron gestoßen."

Und für dieses Ziel geht das Unternehmen auch bei der Konkurrenz auf Kundenfang: Schon bald soll die Music-App auch für Android-Geräte im Google Play Store erhältlich sein.