Es ist nicht nur so, dass es außerhalb von Deutschland kaum Straßen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, auch die Strafen für ein Überschreiten der Tempolimits sind im Ausland teilweise drastisch. Gerade in der Urlaubszeit sollten Sie sich vor Ihrer Reise informieren, in welchen Ländern Sie besser den Tempomaten anschmeißen und besonders vorsichtig agieren – sonst ist im schlimmsten Fall sogar das Auto weg. Wir liefern Ihnen einen Überblick über das Reglement im europäischen Ausland und den beliebtesten Reisezielen.

Mehr zum Thema Mobilität

Video: Hier drohen die saftigsten Strafen

Italien

Funfact: In Italien sind die Bußgelder angehoben worden, weil die Post inflationsbedingt höhere Kosten für die Zustellung von Strafzetteln hat. Weniger lustig: Fahren unter Alkoholeinfluss. Wer "La dolce Vita" mit ordentlich Lambrusco genießt und hinterher mit 1,5 Promille und mehr am Steuer erwischt wird, zahlt bis zu 6.000 Euro und wandert unter Umständen sogar hinter Gitter. Selbst ab 0,5 Promille wird es mit bis zu 545 Euro direkt empfindlich teuer. Der gleiche Mindestsatz gilt für ein Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um mehr als 50 km/h. In drastischen Fällen wird das Auto konfisziert und zwangsversteigert. Bei sich kooperativ zeigt und sein Bußgeld innerhalb von fünf Tagen bezahlt (ab Zustellung des Bescheides oder Ahndung vor Ort), erhält einen 30 Prozent Nachlass auf die Mindestbuße. Gebühren von mindestens 70 Euro sind auch in Deutschland vollstreckbar (gilt für jedes EU-Land), etwaige Fahrverbote gelten dagegen nur in Italien.

Frankreich

Im Nachbarland Frankreich werden Tempo-Verstöße von mehr als 50 km/h härter geahndet. Mit 1.500 Euro werden die Sünder zur Kasse gebeten. Dafür fallen die Strafen für leichte Alkoholdelikte moderater aus. Die Promillegrenze liegt bei 0,5 – ein Verstoß schlägt mit mindestens 135 Euro zu Buche. Überschreiten Sie jedoch die Grenze von 0,8 Promille wird es ungemütlich. Hier drohen 4.500 Euro Bußgeld und bis zu zwei Jahre Haft. Vergleichsweise günstig kommen Falschparker davon. Hier beträgt die Strafe lediglich 15 Euro. Wer dagegen auf den Sicherheitsgurt verzichtet, bezahlt wiederum 135 Euro. Der gleiche Betrag wird bei einem Rotlichtverstoß und bei einer Tempolimit-Überschreitung von bis zu 20 km/h fällig. Rabatte räumen die Franzosen für zügiges Bezahlen der Strafe ein. Wie hoch der Nachlass ausfällt, ist individuell und hängt vom Vergehen ab.

Österreich

Österreich zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen. Dass für das Befahren der dortigen Autobahnen eine Vignette nötig ist, wissen die meisten Touristen längst. Wer ohne erwischt wird, zahlt eine sogenannte Ersatzmaut von 120 Euro. Blöd für die Urlaubskasse, aber verschmerzbar. Das gilt nicht für die Strafen, die bei einer Tempoüberschreitung von 50 km/h und mehr außerorts, sowie 40 km/h und mehr innerorts anfallen. Das kostet Sie bis zu 5.000 Euro und zieht ein zweiwöchiges Fahrverbot nach sich. Genauso teuer wird es, wenn Sie bei winterlicher Witterung ohne Winterreifen einen Unfall verursachen. Auch bei einer Alkoholfahrt verstehen die Nachbarn keinen Spaß. Wer einen Wert von 0,8 Promille übersteigt, kann mit bis zu 3.700 Euro belangt werden und darf in Österreich einen Monat lang nicht mehr ans Steuer.

Schweiz

Sollten Sie in der Schweiz als Radfahrer unterwegs sein, behalten Sie die Hände am Lenker. Wer das nicht tut, zahlt 20 Franken. Über dieses Vergehen können Sie eventuell noch schmunzeln, doch dass die Eidgenossen bei überhöhter Geschwindigkeit reichlich hartleibig werden, ist gemeinhin bekannt. Bereits ab 15 km/h über dem Limit drohen neben einer Geldstrafe eine Anzeige, ein Fahrverbot und ein Entzug der Fahrerlaubnis. Ab 25 km/h zu viel geht die Sache vor Gericht. Erfüllen Sie den Tatbestand der Raserei (80 km/h zu viel auf der Autobahn, 40 km/h zu viel innerorts, 60 km/h zu viel außerorts), drohen bis zu vier Jahre Haft und etliche Tausend Euro Strafe. Ähnlich rigoros werden Fahrten unter Alkoholeinfluss geahndet. Mit 0,8 Promille und mehr könnten Sie für bis zu drei Jahre hinter Gitter gehen. Eine Vollstreckung von Bußgeldern außerhalb der Landesgrenzen, egal in welcher Höhe, ist indes nicht möglich, da die Schweiz nicht zur EU gehört.

Spanien

Im sonnigen Spanien werden Verkehrssünder kräftig zur Kasse gebeten. Wer am Steuer telefoniert, eine rote Ampel überfährt oder keinen Gurt anlegt, zahlt 200 Euro. Ein Betrag, der im Härtefall sogar von Falschparkern verlangt wird. Anders als in anderen EU-Ländern werden massive Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 50 km/h nicht mit vierstelligen Beträgen, sondern "nur" mit 600 Euro geahndet, ein dreimonatiges Fahrverbot gibt es trotzdem obendrauf. Wer ohne gültigen Führerschein unterwegs ist, kann mit einer Haftstrafe von bis zu 12 Monaten bedacht werden. Wer mehr als 1,2 Promille intus hat und dennoch fährt, kommt bis zu sechs Monate in Haft oder leistet ersatzweise bis zu 90 Tage gemeinnützige Arbeit. Die Fahrerlaubnis kann bis zu vier Jahre lang entzogen werden.

Niederlande

Finger weg vom Smartphone während der Fahrt – das gilt besonders in den Niederlanden. Mit einer Geldbuße von 380 Euro fällt die Strafe saftig aus. Noch heftiger werden Sie belangt, sollten Sie ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs sein. Das Strafmaß dafür umfasst eine Geldbuße von 8.200 Euro, bis zu drei Monate im Gefängnis und eine Verlängerung des Fahrerlaubnisentzugs um bis zu fünf Jahre. Insgesamt liegen die Höhen der Geldstrafen deutlich über dem, was wir aus Deutschland kennen. Schon Falschparken wird mit mindestens 110 Euro geahndet. Massive Geschwindigkeitsüberschreitungen von 50 km/h und mehr sind eine Straftat und ziehen ein Gerichtsverfahren nach sich. Hier legt ein Richter eine einkommensabhängige Geldbuße fest und verhängt zudem nach Ermessen Freiheitsstrafen und Fahrverbote. Übrigens: Die liberale Drogen-Politik der Niederländer gilt nicht für den Straßenverkehr. Fahren unter Drogeneinfluss kostet mindestens 850 Euro und den Führerschein sind Sie ein halbes Jahr los.

Viele Vorteile mit ams+
Erhalten Sie werbefreien Zugang zu allen Inhalten von auto-motor-und-sport.de inkl. der digitalen Zeitschrift als E-Paper (pdf).

In unserer Fotoshow oben im Artikel können Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, welche Auto-Marken besonders häufig in der Verkehrssünder-Kartei auftauchen. Sollten Sie sich dort wiederfinden, fahren Sie besser extra vorsichtig.  © auto motor und sport

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.