Die Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) hat ergeben, dass die Stickstoffoxid-Belastung 2017 im Vergleich zum Vorjahr in vielen deutschen Städten deutlich zurückgegangen ist. Der ADAC zieht aus diesen Ergebnissen den Rückschluss, dass Diesel-Fahrverbote nicht unbedingt notwendig sind.

Laut der vorläufigen Auswertung der UBA-Analyse haben 20 von etwa 90 Städten, die im Jahr 2016 die Stickstoffoxid-Grenzwerte überschritten haben, diese 2017 wieder eingehalten. Und auch in den anderen Städten sind die gemessenen Werte gesunken. Für den ADAC ist das ein klares Zeichen dafür, dass sich die Umweltbelastung durch Stickstoffoxid auch ohne ein Diesel-Fahrverbot eingrenzen lässt. "Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn das Nationale Forum Diesel zusätzliche Maßnahmen auf den Weg bringt und auch die Projekte des Dieselgipfels von Regierung und Kommunen greifen, werden noch mehr Städte als bisher die Grenzwerte einhalten. Restriktive Maßnahmen wie Fahrverbote lassen sich vermeiden", so der ADAC-Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker.

Der Trend soll nach der UBA-Analyse fortgesetzt werden

Dem ADAC geht es weiterhin darum, die positive Entwicklung fortzusetzen. Wichtig sei es, mehr Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6d Temp auf den Markt zu bringen. Halter von Diesel-Pkw sollten außerdem auf diverse Möglichkeiten der Umstellung leichter zurückgreifen können, darunter Software-Updates und auch Hardware-Nachrüstungen. Außerdem sei es Aufgabe der Städte, der Belastung entgegenzuwirken und die Mittel, die aus den Fonds "Nachhaltige Mobilität in Städten" zur Verfügung stehen, effektiv zu nutzen. Fahrzeughalter sollten nicht mit einem Diesel-Fahrverbot bestraft werden. Stattdessen sollte die Verantwortung an die Hersteller zurückgegeben werden: "Es muss verhindert werden, dass die Verbraucher für Versäumnisse Dritter, insbesondere von Herstellern, in Haftung genommen werden", so Becker.

Das Umweltbundesamt hält dagegen

Das UBA selbst bewertet die Ergebnisse der Schadstoffanalyse ebenfalls positiv. Nichtsdestotrotz sei dies kein Grund, bei der Debatte um das Diesel-Fahrverbot kürzerzutreten. "Die Entwicklung geht in die richtige Richtung", sagte die Präsidentin des UBAs Maria Krautzberger. "Wir sind aber noch längst nicht am Ziel." Damit sämtliche Städte den Stickstoffoxid-Grenzwert einhalten, müsse den Dieselautos besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie sieht vor allem bei Dieseln mit hohen Realemissionen, die erst kürzlich zugelassen wurden, ein großes Problem. Software-Updates und Umtauschprämien würden ihrer Meinung nach nicht reichen. "Wir brauchen dringend die Hardware-Nachrüstung der Autos und leichten Nutzfahrzeuge. Nur so können wir die Gesundheitsbelastungen durch Stickstoffoxide schnell und vor allem dauerhaft senken", betonte Krautzberger.  © 1&1 Mail & Media / CF