Immer wieder verunglücken Radfahrer, weil sie von einem abbiegenden Lastwagen übersehen werden. Nicht selten endet die Kollision für den Radler tödlich – dabei könnten derartige Unfälle mit Hilfe eines Warnsystems verhindert werden.

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Es sind Zahlen, die wachrütteln: In Deutschland verunglückten 2018 laut Statistischem Bundesamt rund 88.800 Fahrradfahrer. 445 wurden dabei tödlich verletzt, etwa ein Drittel kam allein bei Abbiegeunfällen ums Leben – darunter sechs Kinder. Die Zahlen sind deutlich höher als noch im Vorjahr.

Oft kommt es innerhalb von Ortschaften zu Abbiegeunfälle, an Kreuzungen und Einmündungen – trotz vorhandener Ampeln. Etwa je zur Hälfte werden diese Unfälle von Lkw einerseits und von Bussen und Fahrzeugen der Bau- und Entsorgungswirtschaft andererseits verursacht.

Wie kann man Abbiegeunfälle verhindern?

Dabei könnten viele dieser Unfälle laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) schon jetzt durch elektronische Abbiegeassistenzsysteme vermieden oder zumindest deutlich abgeschwächt werden. Sie verhindern, dass Radfahrer, Rollerfahrer, E-Scooter oder Fußgänger beim Rechtsabbiegen im sogenannten toten Winkel übersehen werden.

Die Systeme erkennen Personen in direkter Nähe zum Fahrzeug und warnen den Fahrer durch ein akustisches oder optisches Signal. Einige Systeme leiten mit dem Notfallsignal sogar selbstständig eine Bremsung ein. Den Abbiegevorgang selbst erkennt das System, da es an den Lenkeinschlag oder an den Blinker gekoppelt ist.

Unterschiedliche Typen von Abbiegeassistenten

Es gibt verschiedene Abbiege-Hilfen. Ultraschall-Assistenten mit Kamera-Monitoring-System (KMS) nutzen zum Beispiel eine Weitwinkelkamera, die den rechten toten Winkel beobachtet und ein akustisches oder visuelles Signal sendet, sobald ein sich bewegendes Hindernis erkannt wird.

Radarsysteme überwachen den Bereich rechts neben dem Fahrzeug und erkennen sich bewegende Objekte. Der Fahrer erhält ein optisches Signal; bei drohender Kollision springt das Signal auf rot und erzeugt einen Warnton.

Software-basierte Assistenzsysteme analysieren mit Hilfe einer Kamera Farbveränderungen in der Bildfrequenz und erkennen über einen Algorithmus sich bewegende Objekte im toten Winkel. Es erfolgt eine optische Warnung und bei akuter Gefahr ein akustischer Alarm.

Der tote Winkel bei Fahrzeugen ist vor allem beim Rechtsabbiegen gefährlich. Schnell übersieht der Fahrer ein Fahrrad oder einen Fußgänger. Eine 14-jährige Schülerin hat nun eine Technik entwickelt, die den Blick hinter die A-Säule ermöglicht.

Abbiegeassistenten - Pflicht erst ab 2022

Bereits 2011 stellte Daimler den Prototyp eines Rechtsabbiegeassistenten vor, seit 2012 wird über eine Einbaupflicht diskutiert. Die Technologie ist serienreif und die Nachrüstung zu einem erschwinglichen Preis möglich - dennoch wird kaum gehandelt. Denn eine gesetzliche Pflicht zum Einbau von Abbiegeassistenten gibt es bislang nicht.

Laut Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sind in Deutschland bislang noch nicht einmal zehn Prozent der Lkw damit ausgerüstet. Die UDV fordert daher, dass Abbiegeassistenten schnellstmöglich für alle Lkw, Busse, Bau- und Entsorgungsfahrzeuge vorgeschrieben werden. Mindestanforderung sind Systeme mit warnender Funktion, besser noch wären Systeme mit einer Notbremsfunktion.

Erst ab 2022 werden Abbiegeassistenten für Lkw EU-weit Pflicht: Alle neuen Lkw- und Bus-Fahrzeugtypen müssen dann Sicherheitssysteme haben, erst ab 2024 dann generell alle neuen Fahrzeuge. Ein zu langer Zeitraum, der noch viele Opfer fordern wird, die vielleicht keine hätten sein müssen.

Förderprogramm "Aktion Abbiegeassistent"

Für die Nachrüstung gibt es eine staatliche Förderung, um die Unternehmen zu ermutigen, ihre Fahrzeuge früher als vorgeschrieben nachzurüsten. Dazu hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastrukur (BMVI) die "Aktion Abbiegeassistent" ins Leben gerufen.

Bundesweit steht ein Budget von fünf Millionen Euro jährlich zur Verfügung; 2019 wurde die Fördersumme um weitere fünf Millionen Euro erhöht. Bis zu 80 Prozent der Anschaffungskosten können gefördert werden mit einer maximalen Bezuschussung von 1.500 Euro pro Fahrzeug.

Das können Gemeinden, Lkw-Fahrer und Radfahrer tun, um Abbiegeunfälle zu verhindern

Als Übergangslösung für bestehende Fahrzeuge können Kamera-Monitor-Systeme den Lkw-Fahrer unterstützen. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Regulierung über Ampelschaltungen. "Komplett getrennte Ampelphasen sind für die Sicherheit am besten", so der ADFC, auch wenn das den Verkehr insgesamt langsamer machen würde.

Weiter fordert der ADFC eine Umgestaltung der Städte mit sicheren Radwegen und geschützten Kreuzungen nach dem Vorbild der Niederlande und Nordamerikas. Da all diese Maßnahmen nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können, sollte jeder Radfahrer vorausschauend fahren und trotz Vorfahrt lieber anhalten, wenn er sieht, dass ein Lkw oder Bus zum Rechtsabbiegen ansetzt.

Verwendete Quellen:

  • Unfallforscher der Versicherer UDV: Unfälle mit schweren Lkw enden oft tödlich
  • Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.: ADFC-Fachveranstaltung Sichere Kreuzungen
  • Bußgeldkatalog 2019: Abbiegeassistent für Lkw: Pflicht oder Kür?
  • Statistisches Bundesamt, Verkehrsunfälle - Publikationen

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