Der Elektro-Macan ist das erste Auto des VW-Konzerns, das auf der von Porsche und Audi gemeinsam entwickelten Premium Platform Electric (PPE) aufbaut. Ursprünglich sollte der Kompakt-SUV ab 2023 im Werk Leipzig vom Band rollen und dann das elektrische Produktportfolio aus Taycan und Taycan Cross Turismo sowie Taycan Sport Turismo ergänzt. Nun ist der Marktstart auf 2024 verschoben, wie Porsche-Chef Oliver Blume bestätigte. Grund für die Verzögerung ist die verzögerte Software-Entwicklung bei Cariad.

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Der elektrische Macan wird zusammen mit dem 2021 überarbeiteten Macan mit Verbrennungsmotoren – ohne Diesel – eine gewisse Zeit parallel im Angebot sein. Insider sprachen zunächst von drei Jahren, in denen beide Macan auf Kundensuche gehen. Neuesten Gerüchten soll mit dem Verbrenner-Macan aber schon 2024 Schluss sein.

Während der konventionell angetriebene Macan technisch mit dem Audi Q5 verwandt ist und dessen Basis nutzt, baut der Elektro-Macan auf der PPE auf, die auch später den elektrischen Q5 trägt. Dieser Audi Q6 E-Tron kommt mindestens ein halbes Jahr nach dem Macan EV auf den Markt.

Porsche Macan mit bis zu 611 PS möglich

Der elektrische Macan verfügt wie der Taycan über die 800-Volt-Technologie, die besonders schnelles Laden erlaubt. Auch permanent erregt Synchronmaschinen hat der Macan mit dem ersten Elektro-Porsche Taycan gemein. Allerdings wird Porsche die Motoren deutlich überarbeiten und mit einer neuen Doppel-V-Magnetanordnung versehen.

Die beiden permanenterregten Synchron-Elektromaschinen (PSM) – je einer pro Achse – liefern laut Porsche bis zu 595 PS und ein maximales Drehmoment von 1.000 Nm. Die Plattform PPE erlaubt indes bis zu 450 kW, also 611 PS. Ggf. ist dieser Output per Overboost-Funktion oder in einem weiteren Top-Modell möglich. Alle Modelle erhalten Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 100 kWh. Sie sind als zwölf Prisma-Zellen (Mischungsverhältnis Nickel, Kobalt und Mangan beträgt 8:1:1.) innerhalb der PPE verbaut. Für den Cayenne EV, der ebenfalls auf der PPE-Basis entsteht, soll es mit einer Modifikation sogar noch mehr Zellen geben. Wie beim Taycan setzt Porsche bei der nächsten Macan-Generation auf die 800-Volt-Technologie. Die Ladeleistung soll über 270 kW betragen und den Macan in weniger als 25 Minuten von fünf auf 80 Prozent aufladen. Die Elektroantriebskomponenten des Macan EV sollen auch in der Elektro-Yacht Frauscher 858 Fantom Air zum Einsatz kommen, die ab 2024 zunächst in einer Kleinserie von 25 Exemplaren aufgelegt werden sollen. Im Rahmen der Boots-Ankündigung veröffentlichte Porsche auch eine erste Teaser-Zeichnung zum neuen Macan EV.

Video: Porsche Macan EV

Bei Säulen mit 400-Volt-Technik nutzt der Macan EV das Bank-Laden. Vor dem eigentlichen Ladevorgang werden im Akku Hochvolt-Schalter umgelegt, die die 800-Volt-Batterie in zwei Akkus mit je 400 Volt Spannung teilen. Diese können dann an der Ladesäule parallel geladen werden.

Gewichtsverteilung 48 zu 52

Die PSM wurde im Vergleich zum Taycan für eine höhere Leistungsdichte bei der Wassermantelkühlung optimiert. Außerdem wurden die Magnete innerhalb der Rotoren neu angeordnet (Doppel-V-Blechschnitt). Im Hinblick auf die Leistungselektronik setzt Porsche im Pulswechselrichter an der Hinterachse Siliziumkarbid (SiC) statt Silizium ein. Dadurch sollen die Schaltverluste im Pulsrichter reduziert werden und eine höhere Schaltfrequenz möglich sein.

Die Hinterachse des SUV wurde so weit wie möglich nach hinten platziert, um eine bessere Traktion zu gewährleisten und den Rollwiderstand zu verbessern. Die Gewichtsverteilung beträgt 48 zu 52 Prozent. Für die Gewichtsverlagerung nach hinten und die Traktionsverbesserung werden breitere Hinterreifen verbaut – der Unterschied zwischen den Pneus vorne und hinten steigt. Zum Vergleich, der aktuelle Porsche Macan GTS verfügt über 265/40 R 21 vorne und 295/35 R21 an der Hinterachse.

Hinterradlenkung im Macan EV

Für eine verbesserte Wendigkeit hat Porsche den Lenkwinkel im Vergleich zum aktuellen Macan um 15 Prozent erhöht, eine Hinterradlenkung mit bis zu 5,0 Grad Lenkwinkel gesellt sich dazu und arbeitet bis zu einer Geschwindigkeit von 80 km/h mit. Ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse sorgt beim Top-Modell für ein verbessertes Torque Vectoring.

Die elektronische Dämpferregelung PASM (Porsche Active Suspension Management) ist beim vollelektrischen Macan mit der Luftfederung kombiniert, lässt sich aber auch bei der Stahlfederung ergänzen. Das System reagiert auf den Zustand der Fahrbahn, aber auch auf Fahrgeschwindigkeit, Längs- und Querbeschleunigung, Gaspedalmodulation, Lenkverhalten und die Niveaulage des Fahrzeugs.

Volldigitales Cockpit

Optisch orientiert sich der E-Macan am Taycan-Stil. Die Bilder des Modells zeigen trotz der Tarnung die tiefliegenden schmalen Scheinwerfer sowie eine konturierte Motorhaube und eine recht aggressive Frontschürze mit ebenfalls tief eingebetteten Nebelscheinwerfern. Die Transformation des kompakten SUV zum E-Mobil macht sich in Sachen Design besonders am Heck bemerkbar. Der Elektro-Macan kommt als SUV-Coupé auf den Markt, präsentiert sich mit einer deutlich abfallenden Dachlinie und einer flach stehenden Heckscheibe. Die schmalen, für Porsche typischen Heckleuchten reichen weit in die Heckklappe hinein. Vermutlich sind sie von einem LED-Band verbunden. Den Abschluss bildet eine ausgeprägte Schürze, die natürlich ohne die Fake-Auspuffblenden daher kommt.

Der Innenraum gibt sich mit einem digitalen Instrumententräger. Augenfällig ist die tiefe Aussparung hinter dem Lenkrad, die ein oben abgerundetes Cockpitdisplay zeigt. Hier dürfte noch eine entsprechende Verkleidung/Dach hinzukommen. In der Mitte des Armaturenträgers ist ein weiterer breiter Bildschirm für die Darstellung des Infotainmentsystems zu sehen. In der ausgeprägten Mittelkonsole ist zudem ein kleiner Screen zu erkennen – neben diversen Schalt- und Dreh-Knöpfen.

Übrigens: Bereits Ende 2020 hatte Porsche auf Präsentationsfotos zur "Unseen"-Reihe im Hintergrund den elektrischen Macan gezeigt. Das Clay-Modell fiel auf, weil es so gar nicht in die Phalanx von Porsche 911 Safari, 918 Street und Porsche-Van passen wollte. Augenfällig, die nur kleine Öffnung in der Frontschürze.

Digitale Prototypen und Straßentests

Nach der Erprobung im abgeschlossenen Entwicklungszentrum in Weissach geht der Porsche Macan nunmehr auch in die Straßenerprobung. Dabei wird das Modell letztendlich drei Millionen Testkilometer abspulen – inklusive Hitze-, Kälte- und Bremsentests. Doch neben der physischen Erprobung auf der Straße wird der E-Macan auch virtuell erprobt. 20 digitale Prototypen sind für Aerodynamik, Energiemanagement-, Bedienungs- und Akustik-Tests am Start.

"Wir führen den Datenstand der einzelnen Fachbereiche regelmäßig zusammen und bauen damit ein möglichst detailliertes virtuelles Gesamtfahrzeug auf", erklärt Andreas Huber, Teamleiter für digitale Prototypen bei Porsche. Bis dato unentdeckte konstruktive Konflikte können so schnell erkannt und gelöst werden. Dazu hat die Entwicklung des Modells schon vor vier Jahren mit einem Umströmungsmodell für die Aerodynamik begonnen. Später kam dann für die Erprobung der Ergonomie eine sogenannte Sitzkiste zum Einsatz, in der man Anzeigen und Bedienvorgänge aus der Fahrersicht prüfen kann.

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Bis 2025 jedes 2. Fahrzeug mit E-Antrieb

"Elektromobilität und Porsche passen perfekt zusammen. Nicht nur wegen der Effizienz, sondern vor allem auch wegen der sportlichen Eigenschaften", sagt Porsche-Chef Oliver Blume. "Bis 2022 investieren wir mehr als sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität und bis 2025 könnte bereits jedes zweite Neufahrzeug von Porsche einen Elektroantrieb haben. Gleichwohl setzen wir in den nächsten zehn Jahren auf einen Antriebsmix aus weiter optimierten Benzinmotoren, Plug-in-Hybrid-Modellen und rein elektrisch betriebenen Sportwagen. Unser Ziel ist eine technologische Vorreiterrolle, deshalb richten wir das Unternehmen konsequent auf die Mobilität der Zukunft aus."  © auto motor und sport

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