Bei den manchen innovativen Erfindungen ist es so, dass vorher kaum einer das Problem gesehen hat, das gelöst wurde. Das galt wohl für die Erfindung des Smartphones, das gilt für DAB-Radios im Auto und wohl auch für Touchdisplays beim Infotainment im Fahrzeug – aber das ist eine andere Geschichte. Das Unternehmen Autopay will nun das Problem mit dem Parkschein im Parkhaus lösen.

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Dafür setzt das 2013 unter dem Namen 2Park Technologies gegründete Unternehmen auf dasselbe Prinzip, das in Städten wie Stockholm schon für die Citymaut eingesetzt wird. Dabei scannen Kameras die Kennzeichen des Fahrzeugs und rechnen anschließend die Kosten ab – entweder per Halterabfrage oder aus einer Datenbank, in der sich der Autofahrer zuvor mit seinen Zahlungsdaten und seinem Kennzeichen registriert hat.

Parken per Vorkasse oder auf pump

Autopay nutzt diese Technik für die Abrechnung von Parktickets, bei der die Autofahrer entweder wie gewohnt per Vorkasse, kurz vor dem Verlassen des Parkhauses oder später bezahlen können. So lange stehen sie dann beim Parkhausbetreiber in der Kreide und bekommen je nach Vertragsvereinbarung eine Rechnung zugeschickt. Immerhin: Das Thema Wechselgeldknappheit wäre damit gelöst.

Autopay gibt an, bereits 284 Parkplatzanlagen in Deutschland, Polen, Skandinavien und Lettland installiert zu haben sowie über 1,3 Millionen registrierte Nutzer zu zählen. Insgesamt seien bereits mehr als 68 Millionen Parkvorgänge abgerechnet worden. Zu den ersten Projekten in Deutschland zählt beispielsweise die Lösung in Berlin Tegel, nahe der Fußgängerzone Gorkistraße.

Ein ähnliches System, das Autopay anbietet, nutzt auch einer von Deutschlands größten Parkhausbetreibern, Apcoa. Mit der Apcoa Flow App können nach Angaben des Unternehmens bereits mehr als 200 Parkhäuser und 100.000 Parkplätze ohne Ticket genutzt werden. Parkscheinautomaten und Schranken hat das Unternehmen deshalb aber noch nicht abgebaut.

Ladekosten fürs E-Auto aufs Kennzeichen buchen

Mit der Abrechnung des Parkvorgangs ist bei Autopay aber noch nicht Schluss. Das skandinavische Unternehmen rechnet auch Ladevorgänge fürs Elektroauto ab. Dabei überwachen die Kameras nicht nur den Eingang des Parkhauses, sondern auch die Stellplätze mit Ladesäule. Auf diesem Weg könnten auch unterschiedliche Zonen innerhalb eines Parkhauses mit unterschiedlichen Preisschildern versehen werden. Breite Parkplätze für große SUV oder beliebte Stellplätze, die besonders nah an den Aus- und Eingängen liegen, könnten so teurer angeboten werden.

Passend zum digitalen Ansatz will Autopay auch dynamische Preise für den Parkraum ermöglichen. So wertet das System nach Angaben von Autopay "kontinuierlich Daten zur Prognose von Angebot und Nachfrage, Wetter und Trend, sowie Preiselastizitäten und Saisonalitäten aus, um die optimalen Preise zu generieren." Hier bleibt nur die Frage für wen: für den Kunden oder den Parkhausbetreiber?

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Des Deutschen Liebling: der Datenschutz

Hinzu kommt die in Deutschland so beliebte Frage nach dem Datenschutz. Denn einfach mal anonym ins Parkhaus fahren, gehört spätestens dann der Vergangenheit an. Schließlich werden Kennzeichnen und Zahlungsdaten zusammen mit Datum und Uhrzeit bei einem privatwirtschaftlichen Unternehmen gespeichert, das – wie es mit Parkhäusern meistens der Fall ist – eine Art lokales Monopol mit einer bestimmten Ware oder Dienstleistung betreibt. Wer einen Parkplatz sucht, hat zudem meistens nicht die Möglichkeit in einen anderen Stadtteil zu fahren, um dort nach einer Alternative eines Konkurrenten zu suchen und ist damit auf das Angebot angewiesen.  © auto motor und sport

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