Der chinesische Autobauer Nio baut sein Modellangebot konsequent aus. Als jüngstes Modell hatte er am 15. Juni 2023 den ET5 in einer Touring getauften Kombi-Variante für den Weltmarkt präsentiert. Die Modellbezeichnung erinnert an BMW, was die Frage aufwirft, ob Nio den Namen überhaupt verwenden darf. BMW selbst hat auf Nachfrage von auto motor und sport erklärt, dass die Bezeichnung "Touring" für BMW in der EU nicht geschützt sei, weil sie "nicht eintragungsfähig" ist. Auch andere Marken hatten oder haben Kombis ähnlichen Namens im Programm: Toyota den "Corolla Touring Sports" oder Chrysler den "300C Touring".

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Video: Erster Check: Nio ET5 Touring

Nio informierte auf Nachfrage von auto motor und sport: "Die Komponente 'Touring' ist ein beschreibender Begriff. Marken Dritter werden durch die Verwendung von 'Touring' im Bereich der Fahrzeuge nicht beeinträchtigt", so Nio weiter. Der Elektro-Kombi heißt also auch bei uns offiziell "ET5 Touring". Mit dem Kombimodell der Mittelklasse-Baureihe haben die Nio-Entscheider ein Modell speziell für den Geschmack der europäischen Kunden geschneidert. Trotzdem soll er nicht nur hier verkauft werden, sondern auch auf dem Heimatmarkt der Marke.

Platz im Heck

Das Format des neuen Kombis entspricht dem der ET5-Limousine. Der Touring ist 4,79 Meter lang, 1,96 Meter hoch und 1,50 Meter breit. Der andere Dachverlauf und das serienmäßige Panoramadach aus Glas mit einer Fläche von 1,39 Quadratmetern, das sich auf Wunsch verdunkelt, erhöhen die Kopffreiheit im Fond. Das zeigt eine erste Sitzprobe, bei der mehr Spielraum nach oben positiv auffällt. Es bleibt aber bei der sehr tief montierten Rücksitzbank, die stark angewinkelte Beine im Fond zur Folge hat.

Mehr geht weiter hinten: Das Kofferraumvolumen des ET5 Touring liegt mit 450 Litern deutlich über dem der Limousine mit 386 Litern. Unter dem doppelten Ladeboden des Kombimodells kommen weitere 42 Liter hinzu, bei vollständig umgeklappten Rücksitzlehnen (dreigeteilt im Format 40:20:40) sind es 1.300 Liter.

Clevere Laderaum-Details

Der hintere Teil des variablen Bodens kann als Laderaumteiler hochkant fixiert werden. Damit ist die Trickkiste, in die die Entwickler gegriffen haben, aber noch nicht leer. Ausziehbare Laschen mit magnetischer Arretierung und Aufrollfunktion helfen beim Verstauen der Ladung. Sogar in der elektrischen Heckklappe gibt es ausklappbare Haken. Angaben von Nio zufolge kamen diese auf Anraten von Kunden mit Wassersport-Hobbys ins Auto. Nach dem Surfen soll man hier beispielsweise den Neoprenanzug trocknen lassen können.

Die herausnehmbare Kofferraumbeleuchtung, die auch als Taschenlampe funktioniert, kennt man schon vom Skoda Superb Combi. Nio lässt aber auch eine große Fläche leuchten, bei Bedarf mit einem roten Blinklicht. Im Falle einer Panne oder eines Unfalls kann man damit den nachfolgenden Verkehr, zusätzlich zum Warndreieck und Warnblinker, aufmerksam machen.

Viele gute Ideen also, die im Heckabteil des Nio ET5 Touring stecken. Umso mehr fällt auf, dass auf eine Fernentriegelung der Rücksitzlehnen zum Umklappen vom Kofferraum aus verzichtet wurde. Eine Anhängerkupplung wird es als Option geben. Die Anhängelast beträgt, wie bei der Limousine, 1.400 Kilogramm.

Cockpit und Antriebe von der Limousine

Das Cockpit mit großem Infotainment-Display ist bekannt. Zum Marktstart des Touring wird eine neue Software-Generation an den Start gehen, bei der auch die Bedienstruktur der Menüs auf dem Touchscreen geändert wird. Die anderen Baureihen werden nachziehen, Fahrzeuge in Kundenhand per Over-the-air-Update aktualisiert.

Der Antrieb des Nio ET5 Touring ist aus der Limousine bekannt. Zwei Motoren sind an Bord; die Systemleistung liegt bei 360 kW (489 PS) und das maximale Drehmoment bei700 Nm. An der Hinterachse liegen bis zu 210 kW (286 PS) an, vorne 150 kW (204 PS). Sofern der "Sport+"-Fahrmodus eingelegt wurde, spurtet der Chinese in vier Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h.

Zwei Akkuvarianten mit 75 oder 100 kWh Speicherkapazität stehen zur Wahl. Mit der großen Batterie sollen bis zu 560 Kilometer Reichweite möglich sein. Überschaubar ist die maximale Leistung am Schnelllader mit 130 kW. Wechselstrom, beispielsweise an einer öffentlichen Ladesäule oder der heimischen Wallbox, fließt dreiphasig mit elf kW. Wer den Akku mietet und nicht mit dem Auto kauft, kann eine der noch rar gesäten Batteriewechselstationen von Nio nutzen. Ihre Zahl soll in Deutschland und weiteren europäischen Ländern rasch wachsen. In wenigen Minuten kann hier ein leerer Akku gegen ein zu 80 Prozent gefülltes Exemplar getauscht werden. Der Einparkprozess und der Tausch an sich laufen mittlerweile vollständig automatisiert ab.

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Touring zum Limousinen-Preis

Die Entscheidung zum Akku beeinflusst den Preis des Autos. Teurer als die Limousine ist der Nio ET5 Touring nicht; er startet bei 47.500 Euro. Dafür bekommt man den Kombi ohne Akku. Diesen kann man für 169 Euro im Monat mieten (75 kWh, 100 kWh für 289 Euro im Monat) – oder kaufen. 12.000 Euro kostet die kleinere Version (Auto mit Akku, also 59.500 Euro), stolze 21.000 Euro das Modul mit 100 kWh (68.500 Euro). Deutsche Kundinnen und Kunden können den ET5 Touring inzwischen bestellen. Im vierten Quartal 2023 beginnen die Auslieferungen.  © auto motor und sport

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