Elektroauto-Start-ups schießen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Ein neuer Autobauer aus Schottland ist aber schon eine Seltenheit. Okay, auch Munro Vehicles mit Sitz in Glasgow möchte ein Elektroauto bauen – aber ein ganz spezielles. Im rauen Schottland ist ein Geländewagen mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Für die Farmer ist er ein Arbeitstier. Eine Rolle, die bislang vielfach der alte Land Rover Defender erfüllt hatte. Aber der ist Geschichte. Zeit also, die Geschichte umzuschreiben, dachten sich Russ Peterson und Ross Anderson, die hinter Munro stecken. Der Mark 1 soll ein echter Back-to-Basic-Offroader mit rein elektrischem Antrieb werden.

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Facelift vor dem Serienanlauf

Nach der Vorstellung im Jahr 2022 hat Munro jetzt zum Herbst 2023 nachgelegt. Die für dieses Jahr angekündigte Serienfertigung wurde, das kennt man von E-Auto-Start-ups, erst einmal verschoben, dafür bereits ein umfangreiches Facelift vorgestellt. Nach eigenen Angaben hat Munro bislang Verträge für acht Vorserienfahrzeuge noch in diesem Jahr und 221 Serienmodelle ab dem Jahr 2024 vorliegen. Bis 2027 soll die Produktion auf 2.500 Fahrzeuge pro Jahr steigen. Einen neuen Namen hat das Fahrzeug inzwischen auch, statt "Mark 1" heißt die Baureihe nun "Series M".

Robustes Chassis, einfacher Antrieb

Um nicht bei Adam und Eva anzufangen, baut der Munro auf der in Szenekreisen als extrem robust bekannten Ibex-F8-Leiterrahmen-Plattform des britischen Herstellers Foers auf. Die bringt unter anderem Starrachsen, Schraubenfederung und ein Verteilergetriebe mit. Viele Bauteile stammen dabei aus den Regalen von Großserien-Herstellern – das erlaubt einfache und günstige Reparaturen. Der verbaute Elektromotor bringt es wahlweise auf 170 kW und 600 Nm oder 280 kW und 700 Nm, die über ein Zweiganggetriebe und ein sperrbares Differenzial permanent an alle vier Räder verteilt werden. Weitere Differenzialsperren an beiden Achsen stehen gegen Aufpreis bereit.

Statt der ursprünglich angekündigten zwei Batteriepakete für verschiedene Reichweiten setzt Munro nun auf einen Einheits-Akku, der mit einer Kapazität von 85 kWh angegeben wird. Es handelt sich um einen Lithium-Eisenphosphat-Akku, der laut Munro mit maximal 130 kW geladen werden kann. Die Reichweite geben die Schotten mit 200 Meilen, also rund 320 Kilometer an. Gegenüber den Vorserienfahrzeugen sei außerdem die thermische Effektivität verbessert worden. So werde nun Abwärme aus dem Antrieb für die Beheizung der Kabine verwendet.

Für das Update wurde außerdem an der Form gefeilt, die vor allem an der Front überarbeitet wurde. Diese ähnelt nun mit der neuen Einfassung für die Leuchten, den abgesetzten Kotflügeln und den oben aufgesetzten Blinkern ein wenig der alten Mercedes G-Klasse. Außerdem wurde eine verstellbare Lenksäule und eine erweiterte Sitzverstellung integriert. An der Sicherheit wurde ebenfalls gearbeitet, der Munro Serie M verfügt nun über Airbags, ABS, Traktions- und Stabilitätskontrolle.

Nutzwert vor Komfort

Der Aufbau des Munro Series M setzt auf eine funktionale Kastenform und quasi keine Überhänge. Böschungs- und Rampenwinkel werden mit 88 und 70 Grad angegeben, die Bodenfreiheit unter der Karosserie mit 48 Zentimetern. Unter den Achsen bleiben 29 Zentimeter Luft. Wassertiefen von bis zu 80 Zentimeter schrecken den Munro nicht. Die ausgestellten Radläufe geben den Geländereifen viel Bewegungsfreiheit, die viertürige Kabine bietet fünf Passagieren und bis zu 1.600 Litern Gepäck Platz. Alternativ kann der Munro auch eine Tonne zuladen; in den Kofferraum passt eine Euro-Palette. An den Anhängehaken dürfen bis zu 2,5 Tonnen.

Alternativ zur geschlossenen Kabine soll der Series M auch als viertürige Pick-up-Variante mit kleiner Ladefläche zu haben sein. Die Kabine schließt dann steil hinter den Fond-Passagieren ab. Das Ladebett soll Platz für eine Euro-Palette bieten. Ansonsten gibt es keine Unterschiede zwischen beiden Karosserieformen. Das Interieur ist schlicht, robust und abwaschbar, beheizte Sitze sind allerdings Serie. Ein Touchscreen-Infotainment-System mit Apple Carplay und Android Auto gehört neben sechs Lautsprechern zur Grundausstattung.

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Seit Ende 2022 konnte der Munro Mark 1 in der geschlossenen Variante bestellt werden, die Pick-up-Version sollte im Sommer 2023 hinzu kommen, daraus wurde jedoch bislang nichts. Dafür wurde an der Preisschraube gedreht. Statt ursprünglich rund 58.000 Euro für die Basisvariante werden nun 89.425,95 Euro für den M170 und 105.899,95 Euro für den stärkeren M280 im Konfigurator von Munro genannt. Die Preise lassen sich mit Zusatzausstattung zum Beispiel für den Geländebetrieb oder auch eine Luftfederung noch um etliche tausend Euro steigern. Neben dem Heimatmarkt haben die Schotten vor allem Nordamerika im Visier. Dort gibt es über den Leasing-Anbieter Wyre erste Vorverträge mit Kunden aus den Bereichen Forstwirtschaft, Bergbau, Landwirtschaft und dem Ölbohr-Business.  © auto motor und sport

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