Nach der E-Type 60 Collection von 2021 legt Jaguar zwei Jahre später erneut ein Duo restaurierter E-Type auf. Die ZP Collection kann nur paarweise erworben werden und erinnert an die ersten Rennsiege des legendären Sportwagens. Beide zusammen kosten 950.000 britische Pfund (1,1 Millionen Euro) plus Steuern. In Deutschland sind das inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer 1,3 Millionen Euro. Passend zur E-Type ZP Collection wird Jaguar in der zweiten Jahreshälfte 2023 eine limitierte Sonderserie des F-Type enthüllen.

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Historisch nicht ganz korrekt

Jedes ZP-Collection-Duo besteht aus einem Roadster und einem Coupé. Was historisch nicht ganz korrekt ist, weil die Rennwagen von 1961 offen waren. Aber so hätten die Kunden die Möglichkeit, beide Karosserieversionen zu bekommen, erklärt Jaguar. Als Basis nimmt die Klassiksparte frühe "non-flat-floor" 3,8-Liter. Ein "Flat-Floor" aus dem ersten Baujahr wäre historisch korrekt, aber unkomfortabler. Ebenfalls ein Tribut an die Funktion: Abweichend vom Original installiert Jaguar Classic einen größeren Kühler mit elektrischem Zusatzlüfter und ein Fünfgang-Schaltgetriebe.

Je sieben Roadster und Coupés sind es nicht zufällig: Jaguar ließ kurz nach der Weltpremiere auf dem Genfer Autosalon im März 1961 sieben E-Type für Rennen aufbauen. Die Spezifikationen standen am Tag nach der Premiere fest: leichteres Schwungrad, Rennkupplung, enger abgestuftes Getriebe, stärkerer Motor mit erhöhter Verdichtung. Im April 1961 war das erste Auto fertig und am 15. April gewann Graham Hill am Steuer von "ECD 400" die Oulton Park Trophy. Auf dem dritten Platz lag Roy Salvadori mit dem subtilen Kennzeichen "Buy-1".

E-Type ZP Collection

Zu Ehren des ersten E-Type-Rennsieges von Graham Hill ist der ZP-Collection-Roadster in Oulton Blue lackiert. Das originale Rennauto hatte indigoblauen Lack. Das Coupé trägt in Anlehnung an das perlgraue Original Lack in Crystal Grey. Das Interieur ist mit rotem Leder von Bridge of Weir ausgeschlagen.

Zu beiden Autos gehören spezielle ZP-Details wie ein Lenkradkranz aus Buchenholz, ein seitliches Logo mit Union Jack und Gravuren auf der aus eloxiertem Aluminium gefertigten Mittelkonsole. Dort hat Jonny "King Nerd" Dowell beim blauen Roadster die Streckenskizze von Oulton Park eingraviert, sowie ein Zitat von Graham Hill: "In einem Rennen wird mein Auto ein Teil von mir, und ich werde ein Teil von ihm". Im Coupé zeigt die Gravur die Streckenskizze von Crystal Palace und in Schreibschrift Roy Salvadoris Spitznamen: "King of the Airfields" – König der Flugplatz(kurse). Das Coupé hat Leder in "Dark Navy" im Innenraum.

E-Type 60 Collection

Zum 60. des E-Type hat Jaguar das Premieren-Duo von damals gewissermaßen noch einmal entstehen lassen. Weltweit suchte die Klassikabteilung der Marke je sechs Roadster und Coupés, um sie zu restaurieren und als Geburtstags-Edition im Doppelpack anzubieten.

In elf Stunden nach Genf gehetzt

Rückblende: Im März 1961 sollte der E-Type im Rahmen des Genfer Autosalons debütieren. Jaguar hatte sich eine exklusive Veranstaltung vor geladenen Gästen ausgedacht; Testfahrten inklusive. Jaguars PR-Manager Bob Berry fuhr mit dem dafür vorgesehenen Sportwagen jedoch erst in der Nacht vor der Enthüllung los – und musste sich entsprechend sputen. Berry schaffte es mit dem Coupé mit dem Kennzeichen "9600 HP" in der Farbe "Opalescent Gunmetal Grey" gerade so rechtzeitig zum Event – und die Demofahrten konnten wie geplant starten.

Das Interesse an dem Sportwagen war so gewaltig, dass Jaguar-Boss Sir William Lyons schnellstmöglich ein weiteres E-Type-Exemplar in Genf sehen wollte. Also schickte er Testfahrer und Entwicklungs-Ingenieur Norman Dewis los. Dewis schnappte sich einen Roadster in British Racing Green, der das Kennzeichen "77 RW" trug. Auch er kam termingerecht an der schweizerisch-französischen Grenze an, indem er die knapp 1.200 Kilometer in nur rund elf Stunden absolvierte.

"9600 HP" und "77 RW" nur im Duo erhältlich

Diese beiden Autos, die später auch als Presse-Testwagen dienten, und die in ihnen absolvierten Fahrten sind bis heute ein Stück Firmengeschichte. Aus Jaguar-Sicht ist es dieses Duo absolut wert, zum Jubiläum neu aufgelegt zu werden. Aber nicht irgendwie: "9600 HP" und "77 RW" wird es jeweils nur sechsmal geben – und das auch nur im Doppelpack. Beide Autos können nur als Pärchen bestellt werden. Zum Preis sagt Jaguar nur soviel, dass ein vom Werk restaurierter E-Type etwa 350.000 britische Pfund kostet und die Ausstattung der Geburtstagsmodelle besser ist als bei Standard-Restaurierungen. Etwa 750.000 Pfund, also 875.000 Euro, dürfte das Duo also kosten.

Jaguar Classic nennt das edle Dutzend "E-Type 60 Collection". Alle Autos werden auf originalen Series 1-E-Types mit 3,8-Liter-Sechszylinder-Motor neu aufgebaut. Das Coupé trägt die Farbe "Farbe Flat Out Grey", der Roadster ist in "Drop Everything Green" lackiert. Alle Vertreter der Jubiläums-Edition erhalten zudem innen und außen eine Reihe von Details, die an die damaligen Begebenheiten erinnern. Dazu gehören 60-Jahre-Logos in den Querstreben der Kühlergrills und auf der Verdeckpersenning. Ausgestattet sind die Modelle unter anderem mit einem Radio-Navigationssystem aus dem Jaguar Klassik-Programm.

Verbesserte Technik für lange Strecken

Auf technischer Seite wurde darauf geachtet, dass die Editionsmodelle auch auf langen Strecken bequem gefahren werden können. Sie erhalten darum eng gestufte Fünfganggetriebe und vergrößerte Kühler mit elektrischem Lüfter. Die Langstreckentauglichkeit ist übrigens ein Grund, weshalb Jaguar die Editionsmodelle auf 1963er E-Types aufgebaut hat und nicht etwa auf Modellen von 1961 – was historisch korrekter gewesen wäre; im Januar 1962 senkte Jaguar den Wagenboden ab und reagierte damit auf Kritik an der Sitzposition.

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Ausprobieren können Käufer die Langstreckentauglichkeit ihrer Duos im Sommer 2022: Denn dann möchte Jaguar die sechs Kunden samt Begleitung zu einem Roadtrip einladen, der von Coventry nach Genf führt. Er dürfte jedoch nicht nur deshalb komfortabler werden, weil die Sitzposition und das Getriebe verbessert wurde, oder ein Navigationssystem an Bord ist, sondern weil auch Stops in edlen Restaurants und Hotels eingeplant sind. Die Fahrt dürfte also länger dauern als eine Nacht.  © auto motor und sport

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