• Aufgrund der Corona-Pandemie soll die erste Frist für den Pflichtumtausch von Führerscheinen verlängert werden.
  • Das hat am Freitag der Bundesrat beschlossen.
  • Wer muss seinen Schein jetzt umtauschen und wer hat noch Zeit? Alle wichtigen Fragen und Antworten im Überblick.

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Angesichts von Belastungen in der Corona-Pandemie soll die erste Frist für den Pflichtumtausch von Führerscheinen verlängert werden. Das hat am Freitag der Bundesrat beschlossen.

Konkret wird für Autofahrer der Geburtsjahre von 1953 bis 1958 mit alten Papierführerscheinen, die bis zum 31. Dezember 1998 ausgestellt wurden, die Frist für den Umtausch um ein halbes Jahr verlängert werden - und zwar vom 19. Januar auf den 19. Juli 2022. Eine Verschiebung der weiteren Umtauschfristen soll es nicht geben.

Die Innenministerkonferenz hatte die längere Frist Mitte Januar bereits beschlossen. Technisch gesehen wurde diese nun in eine Verordnung des Bundesverkehrsministeriums zu weiteren Änderungen im Verkehrsrecht eingefügt.

Bis zum Jahr 2033 müssen rund 43 Millionen Führerscheine in Deutschland umgetauscht werden. Grund sind EU-Vorgaben. Führerscheine sollen künftig EU-weit fälschungssicher und einheitlich sein. Außerdem sollen alle Führerscheine in einer Datenbank erfasst werden, um Missbrauch zu vermeiden.

Alles Fragen und Antworten rund um den Führerschein-Tausch hier im Überblick:

Welche Führerscheine müssen überhaupt getauscht werden?

Jeder Führerschein für Pkw und Motorrad, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde, muss bis zu bestimmten Fristen getauscht werden.

Es geht um alle Papier-Führerscheine, die bis zum 31. Dezember 1998 ausgestellt wurden. Das können graue, rosafarbene oder DDR-Führerscheine sein. Betroffen sind laut ADAC zudem solche Scheine, die zwischen dem 1. Januar 1999 und dem 18. Januar 2013 im Scheckkartenformat ausgeben wurden. Entscheidend ist immer das Datum der Ausstellung im Dokument.

Damit der Umtausch der rund 43 Millionen alten Scheine logistisch besser zu handhaben ist, verlaufen die Umtauschfristen in Wellen.

Welche Fristen gelten - wann bin ich dran?

Zwei Punkte sind für den Stichtag wichtig: Das Geburtsjahr und das Ausstellungsdatum des Führerscheins. Für Führerscheine aus Papier, also einen graue, rosafarbene oder Dokumente aus der DDR, ist das Geburtsjahr des Inhabers relevant. Diese Scheine wurden vor dem ersten Januar 1999 ausgestellt. Wer ein bis einschließlich 18. Januar 2013 ausgestelltes Dokument im Scheckkartenformat hat, kann sich nach dem Ausstellungsdatum richten.

Ausnahme: Wer vor 1953 geboren wurde, kann sich bis zum 19. Januar 2033 Zeit lassen - unabhängig vom Ausstellungsdatum oder dem Format des Führerscheins.

Fristen für Führerscheine vor dem 1. Januar 1999 (grau, rosa, DDR):

Geburtsjahr

Frist:

vor 1953

19. Januar 2033

1953 bis 1958

auf den 19. Juli 2022 verlängert

1959 bis 1964

19. Januar 2023

1965 bis 1970

19. Januar 2024

1971 oder später

19. Januar 2025


Fristen für Führerscheine vom 1. Januar 1999 einschließlich 18. Januar 2013 (Scheckkartenformat):

Ausstellungsdatum:

Frist

1999 bis 2001

19. Januar 2026

2002 bis 2004

19. Januar 2027

2005 bis 2007

19. Januar 2028

2008

19. Januar 2029

2009

19. Januar 2030

2010

19. Januar 2031

2011

19. Januar 2032

2012 bis 18. Januar 2013

19. Januar 2033

Muss ich die Fristen einhalten?

Ja, der Umtausch ist verpflichtend. Nach Ablauf der jeweiligen Fristen wird der alte Führerschein laut Bundesverkehrsministerium ungültig. Die Ablaufdaten beziehen sich aber stets auf das Dokument und nicht auf die Fahrerlaubnis - die bleibt auch nach der Frist bestehen. Allerdings begeht man eine Ordnungswidrigkeit, so der ADAC. Die wird mit einem Verwarnungsgeld von zehn Euro geahndet. Auch wer im Ausland mit dem abgelaufenen Schein unterwegs ist, kann Probleme bekommen. Wer dagegen ohne Fahrerlaubnis fährt, begeht eine Straftat.

Wo tauscht man den Führerschein um?

In der Regel lässt sich der Umtausch bei der zuständigen Führerscheinstelle beantragen. Das kann je nach Wohnort auch das Bürgeramt sein, so der ACE. In der Corona-Pandemie kann es dort aber zu Verzögerungen bei der Terminvergabe kommen.

Wird eine neue Prüfung fällig?

Der Umtausch für Auto- und Motorradführerscheine erfolgt ohne Prüfung oder Gesundheitsuntersuchung. Allerdings kann die Behörde, etwa bei ersichtlichen körperlichen Einschränkungen wie Rollator oder Krücken, im Einzelfall Bedenken in Bezug auf die Fahreignung haben.

Dann muss man die Tauglichkeit nachweisen, so der ADAC. Bei bedingter Fahreignung können Auflagen oder Beschränkungen auferlegt werden. Das sei aber unabhängig vom Umtausch.

Welche Dokumente muss ich parat haben?

Neben dem alten Original-Führerschein ist auch ein gültiges Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) sowie ein biometrisches Passfoto nötig. Tipp: Beim Foto vorab klären, in welcher Form es vorliegen muss oder ob es auch vor Ort gemacht werden kann.

Gegebenenfalls kann auch eine sogenannte Karteikartenabschrift nötig sein, so die Autoclubs. Es handelt sich dabei um einen Auszug der persönlichen Daten aus dem Fahrerlaubnisregister der Behörde, die den Führerschein ursprünglich ausgestellt hat. Das gilt für Scheine aus Papier, die vor 1999 nicht von der Behörde ausgestellt wurden, an der nun ein Umtausch erfolgen soll - also etwa nach einem Umzug.

In der Regel könne dieser Antrag online gestellt werden, so der ACE. Üblicherweise wird der Auszug dann direkt an die neue Führerscheinstelle geschickt, die den Umtausch vornimmt.

Was kostet der Umtausch?

Die Kosten für den neuen EU-Führerschein betragen rund 25 Euro zuzüglich Kosten wie etwa für das Passbild.

Kann ich meinen alten Führerschein behalten?

Wer sein altes Dokument aus nostalgischen Gründen nach dem Umtausch behalten will, kann das tun. Allerdings wird es etwa durch eine Stanzung entwertet, sodass eine Nutzung ausgeschlossen ist.

Wie lange ist der Führerschein gültig?

Alle seit dem 19. Januar 2013 ausgestellten Dokumente haben ein Ablaufdatum und müssen nach jeweils 15 Jahren erneuert werden. Das diene der Fälschungssicherheit, so der ADAC. (dpa/ari)

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