Sie ist eine stark unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr: schlechte Sicht, die im Herbst und Winter auch ganz plötzlich durch die tief stehende Sonne eintreten kann. Das können Sie tun, um sicherer unterwegs zu sein.

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Jeder Autofahrer kennt es eigentlich: Die tief stehende Sonne blendet - manchmal von einem Moment auf den anderen - so stark, dass man nichts mehr sieht. Und doch wird diese "extreme Gefahr", wie der TÜV Thüringen sie nennt, immer noch stark unterschätzt.

Wie heftig der Blindflug in solchen Fällen wirklich ist, rechnet der Unfallexperte Achmed Leser vor:

  • Bei 30 km/h liegt der Blindflug bei etwa zwei Wagenlängen pro Sekunde.
  • Bei 50 km/h sind es sogar fast 14 Meter, die ein Autofahrer ohne jegliche Sicht im Stadtverkehr unterwegs ist.
  • "Auf Landstraßen bei 100 km/h sprechen wir bereits von knapp 30 Metern Blindflug pro Sekunde", sagt Leser.

Autofahrer hätten hier bei plötzlichen Hindernissen oft kaum eine Chance, noch rechtzeitig zu reagieren.

Sonne blendet: So sind Sie sicherer unterwegs

Um die Unfallgefahr zu minimieren, gibt der TÜV Thüringen Autofahrern folgende Tipps:

  • Erhöhen Sie Ihre Sitzposition - das kann bei tief stehender Sonne den entscheidenden Unterschied machen.
  • Klappen Sie die Sonnenblenden herunter.
  • Setzen Sie die Sonnenbrille auf.
  • Orientieren Sie sich am rollenden Verkehr und bleiben Sie bremsbereit.
  • Vergrößern Sie den Sicherheitsabstand.
  • Reinigen Sie Ihre Frontscheiben regelmäßig von innen und außen: Verschmutzte Scheiben verstärken die Blendwirkung erheblich - die auch durch Scheinwerferlicht des Gegenverkehrs eintreten kann.
  • Prüfen Sie regelmäßig, ob die Scheibenwaschanlage mit ausreichend Wischwasser gefüllt ist.
  • Beim Abbiegen und Auffahren gilt besondere Vorsicht. Hier könne der Beifahrer unterstützen, wenn er einen besseren Blickwinkel hat.

So machen sich Fußgänger und Radler sichtbar

Auch Fahrradfahrer und Fußgänger müssen an sonnigen Herbsttagen ihr Verhalten im Straßenverkehr den äußeren Bedingungen anpassen. Kontrastreiche Kleidung, gute Beleuchtung und das Tragen von Reflektoren helfe, sichtbarer zu werden und somit sicherer unterwegs zu sein, empfiehlt die Prüforganisation Dekra.

Gerade bei Reflektoren gilt: Viel hilft viel. Sowohl bei Radfahrern, als auch bei Fußgängern werden zuerst die Füße vom Lichtkegel der Autos erfasst. "Reflektoren an den Schuhen sind nie verkehrt", erklärt Dekra-Sprecher Wolfgang Sigloch. Aber auch am Oberkörper sollte man auf reflektierende Kleidung achten - seien es Warnwesten oder spezielle Jacken.

Radfahrer montieren am besten leistungsstarke LED-Leuchten. Diese müssten aber auch immer geladen sein. Auch eine Dynamo-Lösung mit nachleuchtenden Lichtern kann sinnvoll sein. Vom klassischen Dynamo, bei dem die Lampen im Stand ausgehen, rät Sigloch jedoch eher ab. Denn dann könne es sein, dass man unbeleuchtet mitten auf einer Kreuzung steht. (af)

Verwendete Quellen: