Bei aller Freude an Technik darf bisweilen schon die Frage gestellt werden, ob Innovationen einen echten Mehrwert bieten oder einfach nur umgesetzt werden, weil es geht. Ob zum Beispiel Kameras, die ihr Bild auf Displays in den Türtafeln werfen, konventionellen Außenspiegeln wirklich etwas voraus haben, darf zumindest diskutiert werden.

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Ebendiese Diskussion könnte auch ein neues optionales Ausstattungsmerkmal bei Ford in den USA auslösen. Der Hersteller ermöglicht seinen Kunden in den Bundesstaaten Michigan, Kalifornien und Arizona, ein digitales Kennzeichen als werkseitiges Extra zu bestellen. Bereitgestellt wird das moderne Nummernschild von Zulieferer Reviver, der das Display bereits seit einiger Zeit auf eigene Faust an Privatkunden vertreibt.

Zwei Varianten sind im Angebot. Eine batteriebetriebene Version mit fünf Jahren Lebensdauer und eine verkabelte Ausführung, die zudem einen GPS-Tracker enthält. Wird das Fahrzeug beispielsweise als gestohlen gemeldet, wird ein entsprechender Warnhinweis auf dem Display aktiviert, um andere Verkehrsteilnehmer und Polizei darauf aufmerksam zu machen. Zudem lässt sich die untere Textzeile auf dem Kennzeichen frei individualisieren und der Hintergrund kann zwischen hell und dunkel gewechselt werden.

Ganz günstig ist das Nummernschild allerdings nicht. Umgerechnet 566 Euro kostet es mindestens. Hinzu kommen rund 140 Euro für die Installation und zwischen fünf und 90 Euro pro Jahr für Service und Bereitstellung zusätzlicher Funktionen wie den oben genannten Diebstahlschutz. Aktuell ist das digitale Kennzeichen bei rund 300 Ford-Händlern erhältlich; weitere Standorte und Bundesstaaten sind in Planung.

Tests in Dubai

Seit 2018 wird ein vergleichbares Modell in Dubai getestet. Laut eigenen Angaben hat es sich die Wüsten-Metropole Dubai zum Ziel gemacht, eine globale Führungsposition in puncto Technologie zu übernehmen. Die digitalen Nummernschilder sollen es dort Polizei und Rettungskräften per GPS und diversen Sensoren ermöglichen, im Falle eines Unfalls das Unglücksfahrzeug umgehend aufzuspüren. Die Schilder können zudem Verkehrssituationen erfassen und mit anderen Fahrzeugen kommunizieren. Etwa um mitzuteilen, wenn sich die Verkehrsbedingungen ändern, oder Gefahrenstellen auf der Strecke entstehen.

Zudem sollen sie sich an die Kontoverbindung des Fahrers koppeln lassen können, um beispielsweise Parkgebühren oder Maut automatisch abzuwickeln. Dass hier Datenschützern der kalte Schweiß auf den Hemdkragen tropft, dürfte kaum eine Überraschung sein. Kritiker stellen die grundsätzliche Frage, wie viel eine Regierung über die Einwohner en détail wissen sollte. Mit den digitalen Nummernschildern und dem GPS-System wüssten die Verantwortlichen jedenfalls jederzeit, wo sich der Fahrer eines Fahrzeuges aufhält.

Dazu kommt, dass viele Hersteller mittlerweile mit eigenen Apps und Onboard-Systemen Aufgaben wie Parkgebühren-Abrechnung oder gar das Bezahlen der Tankrechnung übernehmen und diese Daten gewiss nicht in die Hände von Drittanbietern oder Staaten legen wollen.

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Bis 2030 will Dubai mit autonomen Fahzeugen ein Viertel des aktuellen Verkehrsaufkommens ersetzen. Doch die Vision reicht noch weiter zu fliegenden Drohnen-Taxis, schwebenden Hoverbikes und dem Transportsystem Hyperloop von Tesla-Chef Elon Musk. Doch wer weiß – es war ja auch möglich eine Drei-Millionen-Metropole aus der Wüste zu stampfen.

Hinweis: In der Fotoshow zeigen wir Ihnen einige deutsche Kennzeichen und ihre – allerdings nicht ganz ernst gemeinten – Bedeutungen.  © auto motor und sport

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