Das Thema Batteriezellen für Elektroautos und deren Fertigung ist ein widersprüchliches. In den Anfangstagen der Wende hin zur E-Mobilität hieß es, die asiatischen Anbieter hätten einen so großen technologischen Vorsprung und könnten die Stromspeicher so günstig fertigen, dass sich eine eigene europäische Zellfertigung nicht lohne. Parallel wurde immer wieder die Wichtigkeit der Batterien für die Elektromobilität beschworen. Selbst die Autohersteller nennen sie den wichtigsten Teil eines E-Fahrzeugs; nicht etwa den oder die Motor(en) oder das Fahrwerk.

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Man dürfe sich also bei den Batteriezellen nicht zu abhängig machen von den großen Playern aus China oder Südkorea. Deshalb findet allmählich ein Umdenken statt. Gemeinsam mit den Platzhirschen aus Asien wie CATL, LG Chem oder Samsung und unterstützt von der hiesigen Politik beginnt die europäische Autoindustrie, Zellfertigungen in Europa hochzuziehen. Vor allem Deutschland profitiert von dieser Entwicklung, wie eine aktuelle Statistik des Industrieverbandes European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) verdeutlicht. Demnach hatten bis Ende 2022 hierzulande bereits zwölf Batteriefabriken ihre Arbeit aufgenommen.

Von den 27 Staaten der Europäischen Union befindet sich in lediglich 17 mindestens eine Produktionsstätte; insgesamt sind es EU-weit deren 38. Nur vier weitere existieren im gesamten Europa, wenn man Russland und die Türkei hinzuzählt. Gemessen an der Gesamtzahl an Automobilwerken in Europa (322) sind in Summe 42 Batteriefabriken allerdings eine kleine Zahl. Es ist also noch Potenzial vorhanden, weshalb die Industrie weitere Standorte plant, an denen E-Auto-Akkus sowie deren Zellen entwickelt und produziert werden. Hier stellen wir sie und die bereits vorhandenen Werke vor.

Schwarzheide: BASF und die Kathodenfabrik

Eine der teuersten, aufwändigsten und wichtigsten Komponenten von Lithiumionen-Batterien ist die Kathode – also der Pluspol. Der bestehet häufig aus polykristallinem (neuerdings auch monokristallinem) Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxid (NMC). Bei der Versorgung mit diesen Materialien ist der europäische Batterie-Standort noch komplett vom Monopolisten China abhängig. Die neue BASF-Fabrik auf dem Standort Schwarzheide in der brandenburgischen Lausitz soll das als erste europäische Anlage jetzt ändern.

Hier beginnt das Unternehmen am 29. Juni 2023 mit der Produktion von Kathodenmaterial für Lithium-Ionen-Batterien, das jährlich für bis zu 400.000 Elektroautos reichen könnte. Die Nachfrage ist schon jetzt gewaltig. Für die kommenden zwei Jahre ist die Produktion ausgelastet. In Schwarzheide plant BASF zusätzlich noch eine Prototypenanlage für Batterie-Recycling. Das Unternehmen will eine Führungsrolle bei der Wiederverwertung von Lithium-Ionen-Akkus für die Automobil-Industrie einnehmen.

Salzgitter: VW bzw. Power-Co

Seit Sommer 2022 verfügt der VW-Konzern über eine eigene Tochterfirma, die sich um das Batteriegeschäft kümmert. Ihr Name: Power-Co. Die Firma sitzt in Salzgitter, wo Anfang Juli der Grundstein für eine neue Zellfabrik gelegt wurde. Wo heute – quasi nebenan – noch Verbrennungsmotoren für Volkswagen und seine Schwestermarken entstehen, fertigen von 2025 an etwa 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die 2021 präsentierte Einheitszelle, die in bis zu 80 Prozent aller Elektroautos des VW-Konzerns zum Einsatz kommen soll. Perspektivisch soll die Batterie-Jahresproduktion in Salzgitter ungefähr 40 Gigawattstunden betragen.

Heide: Northvolt

Ursprünglich wollte VW eine Gigafactory in Salzgitter mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt betreiben. Doch 2021 wurde die entsprechende Vereinbarung gelöst. Die Schweden treiben nun auf eigene Faust den Bau ihrer Zellfabrik Northvolt Zwei in Deutschland voran. Diese soll im zirka 90 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegenen Heide angesiedelt und 2025 fertiggestellt werden. An dem neuen Standort sollen 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Als Standortvorteile nennt Northvolt die Lage zwischen Nord- und Mitteleuropa sowie die Menge an zur Verfügung stehender sauberer Energie. Hier möchte Northvolt jährlich Antriebs-Batterien mit einer Gesamtkapazität in Höhe von 60 Gigawattstunden produzieren. Nach anfänglichen Verzögerungen mangels ausreichender staatlicher Subventionen wurde Northvolt für den Bau der Fabrik im Oktober 2023 die Zusage für eine Wandelanleihe in Höhe von 600 Millionen Euro über die staatliche KfW-Bank zugesichert. Die Gesamtkosten für den Bau beziffert Northvolt mit 4,5 Milliarden Euro. Northvolt Zwei soll unter anderem Zellen für Volvo, BMW und den Volkswagen-Konzern produzieren.

Kamenz: Mercedes-Benz bzw. Deutsche Accumotive

Es war ein Ping-Pong-Spiel zwischen Daimler und der Batterie-Fertigung in Kamenz: 2008 nahm die Li-Tec GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Evonik und der Daimler AG, ihre Arbeit auf. Nach sieben unrentablen Jahren war mit der Produktion vorerst Schluss. Aber nicht lange: Inzwischen fertigt die Deutsche Accumotive, eine hundertprozentige Tochter der inzwischen wieder in Mercedes-Benz umbenannten Aktiengesellschaft, in Kamenz erneut E-Auto-Batterien. 2018 hat die Firma bereits ihr zweites Werk in der sächsischen Stadt in Betrieb genommen und produziert dort Akkus für Pkw und Nutzfahrzeuge – unter anderem für die Mercedes-EQ-Modelle.

Kölleda: MDC Power GmbH (Mercedes-Benz)

In der thüringischen Stadt fertigt Mercedes bisher Verbrennungsmotoren. Das soll sich "ab Mitte der Dekade" ändern; dann will der Hersteller dort eine Batteriemontage für neue vollelektrische EQ-Modelle etablieren. Die endgültige Entscheidung will Mercedes aber von der Unterstützung der Thüringer Landesregierung abhängig machen; eine entsprechende Absichtserklärung liege bereits vor.

Untertürkheim und Sindelfingen: Mercedes-Benz

Am größten Standort im globalen Mercedes-Benz-Antriebs-Produktionsverbund entsteht gerade der E-Campus, ein Kompetenzzentrum zur Forschung und Entwicklung zukünftiger Generationen von Batterien und Batteriezellen. Im zugehörigen Werksteil Hedelfingen werden seit 2021 Batteriesysteme für den EQE und EQS produziert. Auch der Standort Brühl ist an Untertürkheim angegliedert: Hier entstehen bereits Akkus für die neueste Plug-in-Hybrid-Generation; 2024 kommen Batterien für vollelektrische Modelle hinzu. Zudem wird der Standort Sindelfingen den Batterie-Produktionsverbund ergänzen; nähere Informationen dazu gibt es bislang jedoch noch nicht.

Jawor (Polen): Mercedes-Benz

Seit 2019 fertigt Mercedes an dem polnischen Standort Vierzylinder-Benzin- und -Dieselmotoren. 2020 kamen Batterien für Plug-in-Hybridmodelle hinzu, ein Jahr später folgten Akkusysteme für den EQA und EQB.

Grünheide bei Berlin: Tesla

Der Bau stockte zwischendurch zwar immer mal wieder aufgrund diverser Ursachen, aber inzwischen ist das Tesla-Werk in Grünheide in Betrieb. In der Gigafactory 4 am nahe Berlin gelegenen Standort sollen nicht nur Autos, sondern auch Batteriezellen entstehen. Tesla-Chef Elon Musk stellte 2020 in Aussicht, in Brandenburg die größte Batteriefabrik der Welt zu errichten. Im ersten Schritt sollte die Produktions-Kapazität bei etwa 100 Gigawattstunden pro Jahr liegen. Später könnte sie auf 250 Gigawattstunden ausgebaut werden. Mindestens 2.000 Arbeitsplätze sollten entstehen.

Aktuell ist jedoch unklar, ob Tesla diese Pläne tatsächlich weiterverfolgt. Zwar produziert der Hersteller in Grünheide bereits Akku-Komponenten, doch übereinstimmenden Medienberichten zufolge will er die Massenproduktion der Energiespeicher künftig lieber in den USA etablieren. Hintergrund ist das inzwischen wirksame Subventionsgesetz "Inflation Reduction Act" (IRA): Demnach profitieren Teslas US-Kundinnen und -Kunden nur dann von Förderprämien beim E-Auto-Kauf, wenn das Modell samt Akku in den USA produziert wurde und die für die Batterien nötigen Mineralien zu definierten Anteilen aus den USA oder Ländern stammen, die ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten haben. Zwischen Deutschland und den USA existiert ein solcher Vertrag nicht.

Im "Tagesspiegel" dementiert Tesla allerdings, dass die Akkupläne für Grünheide in der Schublade verschwunden sind. Zwar liege der Fokus wegen des IRA nun tatsächlich auf den US-Plänen, aber für die lokale Autoproduktion sollen die Batteriezellen weiterhin vor Ort gefertigt werden. Die Vorbereitungen seien in vollem Gange, das Werk befinde sich im Produktions-Hochlauf, heißt es. Einzelne Akku-Komponenten aus Grünheide seien sogar für den Export bestimmt.

Lauchhammer: Svolt

Svolt ist ein Ableger des Autokonzerns Great Wall Motors. Das Unternehmen entwickelt und produziert Lithium-Ionen-Akkus sowie Batteriesysteme für Elektrofahrzeuge und plant bereits seine zweite Zellfabrik in Deutschland. Diese soll in Lauchhammer entstehen, einer Stadt im brandenburgischen Kreis Oberspreewald-Lausitz. Die Chinesen übernehmen dafür ein Gelände des Windenergieanlagen-Herstellers Vestas, der dort kürzlich die Produktion von Rotorblättern eingestellt hat. Svolt will einen möglichst großen Teil der Bestandshallen weiternutzen, wird aber auch "zeitnah" um- und anbauen müssen. Wann in Lauchhammer die ersten Batteriezellen produziert werden sollen, wurde bislang nicht kommuniziert.

Überherrn und Heusweiler: Svolt

Somit stellt sich die Frage, ob Svolt in Lauchhammer oder Überherrn seine erste deutsche Zellfabrik in Betrieb nimmt. Im Saarland sollte es ursprünglichen Planungen zufolge 2023 soweit sein. Ob sich der Zeitplan einhalten lässt, ist aber fraglich. Bürgerproteste und Uneinigkeit in der lokalen Politik sorgten dafür, dass sich der eigentlich für Anfang 2021 geplante Baustart verzögerte. In einem ersten Schritt soll es in Überherrn für bis zu 400 und in der finalen Ausbaustufe für rund 2.000 Beschäftigte Arbeit geben. Anfangs plant Svolt mit einer Produktionskapazität von sechs Gigawattstunden. Diese soll abhängig von der Nachfrage in weiteren Sechserschritten auf 24 Gigawattstunden ausgebaut werden. Zu fertigen Elektroauto-Batterien sollen die Zellen aus Überherrn und Lauchhamer übrigens in der Svolt-Fabrik Heusweiler "verpackt" werden. Dieser Standort befindet sich nur etwa 30 Kilometer von Überherrn entfernt. Mit Stellantis hat Svolt inzwischen auch einen ersten Kunden für seine deutschen E-Auto-Batterien präsentiert.

Leipzig: BMW

Seit 2021 produziert das BMW-Werk Leipzig Batteriemodule. Anfangs nur für den iX und seit Sommer 2022 auf einer zweiten Fertigungslinie auch für den i4, der in München endmontiert wird. Die zweite Linie nimmt auf etwa 4.250 Quadratmetern jene Bereiche ein, die durch die Einstellung des zuvor in der sächsischen Großstadt produzierten i3 freigeworden sind. Insgesamt beschäftigt BMW in Leipzig ungefähr 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Akkuproduktion.

Debrecen, Ungarn: BMW

BMW wird im neuen Werk, das sich etwa 230 Kilometer östlich von Budapest befindet, nicht nur Autos bauen. Wie das Management des Autoherstellers nun entschieden hat, wird auf dem Gelände auch eine Hochvolt-Batterie-Fertigung entstehen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die Zellen selbst: Die neuen Rundzellen der sechsten Generation werden angeliefert und in Ungarn lediglich in einen Metallrahmen gesetzt, der dann im Unterboden jener Fahrzeuge positioniert wird, die auf der Neue-Klasse-Plattform basieren. Bis zum Start des Werks investiert BMW mehr als zwei Milliarden Euro in den neuen ungarischen Standort. In der Akkuproduktion werden über 500 neue Arbeitsplätze entstehen.

Irlbach und Straßkirchen: BMW

In Niederbayern plant BMW ebenfalls ein Batterie-Montagewerk, in dem in einer ersten Ausbaustufe rund 1.600 Arbeitsplätze entstehen sollen. Dafür hat der Autohersteller in den Gemeinden Irlbach und Straßkirchen im Landkreis Straubing-Bogen ein 105 Hektar großes Grundstück gekauft. Von hier aus will der Konzern seine Autowerke in München, Regensburg und Dingolfing mit Hochvolt-Akkus beliefern. Die Planungen lagen zunächst wegen eines Bürgerbegehrens von Gegnern der Ansiedlung auf Eis. Mit einem eindeutig ausgefallenen Bürgerentscheid (rund 75 Prozent Befürworter) fiel Ende September 2023 die Entscheidung für den Standort. Nach bisherigem Stand sollen die Bauarbeiten Anfang 2024 starten, damit das Werk 2026 den Betrieb aufnehmen kann. Im finalen Ausbau sollen hier 600.000 Batteriepakete pro Jahr hergestellt werden.

Parsdorf: BMW

BMW eröffnete im Herbst 2022 sein neues Kompetenzzentrum für Batteriezellfertigung. Die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen ist auf dem 15.000 Quadratmeter großen Gelände inzwischen gestartet. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Zellen für Serienautos, sondern um Musterzellen. Im CMCC (Cell Manufacturing Competence Centre) wollen die Bayern "die Industrialisierung künftiger Generationen von Hochleistungs-Batteriezellen nachweisen". Bedeutet: Lieferanten sollen in Parsdorf befähigt werden, Batteriezellen den BMW-Vorgaben entsprechend zu produzieren und deren Qualität, Leistung und Kosten zu optimieren. Solche Zellen sollen dann in BMWs nächster E-Auto-Generation der "Neuen Klasse" zum Einsatz kommen. Eine eigene Batteriezellfertigung in Großserie schließt BMW für den Standort "derzeit" aus. Die Investitionen für die erste Ausbaustufe des Kompetenzzentrums betragen rund 170 Millionen Euro. Ungefähr 80 Mitarbeiter arbeiten am Standort Parsdorf.

Arnstadt: CATL

Im Dezember 2022 hat der Zellfabrikant Contemporary Amperex Technology (CATL) am Erfurter Kreuz seine neue Fabrik in Betrieb genommen. Der chinesische Konzern investiert 1,8 Milliarden Euro, damit etwa 2.000 Mitarbeiter in einem der weltgrößten Batteriezellenwerke Lithium-Ionen-Akkus produzieren. Es ist die erste CATL-Batteriefabrik außerhalb Chinas. Anfangs besitzt das Unternehmen die Genehmigung der thüringischen Landesregierung für eine Jahreskapazität von acht Gigawattstunden (GWh). Dieser Wert soll schrittweise über 14 auf 24 GWh aufgestockt werden um unter anderem Mercedes und BMW mit Akkus zu versorgen.

Frauenfeld/Schweiz: Swiss Clean Battery AG

Die erst im Februar 2022 gegründete Swiss Clean Battery (SCB) AG will in Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau von 2024 an Batterien für Elektroautos fertigen. Allerdings keine herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus, sondern neuartige Feststoff-Energiespeicher. In einem ersten Schritt soll der jährliche Output 7,2 Millionen Batteriezellen betragen, was einer gesamten Kapazität von 1,2 Gigawattstunden (GWh) entspricht. Diese Werte sollen perspektivisch auf 48 Millionen Zellen und 7,6 GWh skaliert werden. Die SCB AG will mit einer 20.000-Quadratmeter-Anlage und 181 Mitarbeitern anfangen. Daraus sollen irgendwann 100.000 Quadratmeter und 1.061 Mitarbeiter werden. Alle Maschinen sowie die Chemie will das Start-up regional aus der Schweiz und aus Deutschland beziehen.

Tübingen: Porsche

Porsche will zum Batterie-Produzenten werden. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" kündigte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume an, dass die VW-Konzerntochter eine Batteriefabrik im schwäbischen Tübingen bauen möchte. Darin sollen Hochleistungszellen entstehen, die jene Komponenten ergänzen, die Porsche aus anderen Zellfabriken des Volkswagen-Konzerns bezieht. Bei diesem Vorhaben hofft der Hersteller auf die finanzielle Unterstützung aus der Politik, die europaweit Milliardensummen für den Aufbau der Akku-Produktion bereitstellt.

Ludwigsfelde: Microvast

Hat es etwas mit der Tesla-Ankündigung zu tun, dass sich der Batteriesystem-Hersteller Microvast ebenfalls in Brandenburg ansiedelt? Nämlich im nur 50 Kilometer von Grünheide entfernten Ludwigsfelde. Nein, denn die Amerikaner unterhielten bisher keine Geschäftsbeziehungen zu den Kaliforniern und fertigen an dem Standort seit Februar 2021 Akkus für Busse und andere Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen investiert insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag, damit bis zu 250 Mitarbeiter jährlich 300.000 bis 500.000 Batteriemodule mit einer Gesamtkapazität von acht bis zwölf Gigawattstunden fertigen.

Ellwangen: Varta

Auch Varta wird in die Produktion von Elektroauto-Akkus einsteigen. Das an der baden-württembergisch-bayerischen Grenze beheimatete Unternehmen will ab Jahresende 2021 am Stammsitz in Ellwangen auf einer Pilotlinie Batterien mit neuartigen Lithium-Ionen-Zellen fertigen. Diese könnten vor allem bei Fahrzeugen im Premiumsegment zum Einsatz kommen. Mit welchen Autoherstellern Varta kooperiert, ist bisher allerdings nicht bekannt. Die Firma hatte für den Aufbau der E-Auto-Produktion insgesamt 300 Millionen Euro an Subventionen erhalten.

Bitterfeld-Wolfen: Farasis Europe GmbH

Daimler schloss mit dem europäischen Ableger des chinesischen Batteriezellen-Herstellers Farasis Energy eine im Sommer 2020 bekannt gegebene Vereinbarung, die vorsah, dass Farasis ein Werk für Batteriezellen in Bitterfeld-Wolfen errichtet und bis zu 2.000 neue Arbeitsplätze schafft. Die Fabrik in der für seine Tradition in der chemischen Industrie bekannten Stadt in Sachsen-Anhalt sollte 2022 die Produktion aufnehmen. Geplant war eine Kapazität von 16 Gigawattstunden. Der ostdeutsche Standort sollte von vornherein als CO2-neutrale Fabrik konzipiert sein. In Bitterfeld wollte Farasis Zellen seiner ersten Generation für die Belieferung von Daimler und anderen europäischen Kunden fertigen. Das Unternehmen hatte vor, dafür ein bereits bestehendes Gebäude zu nutzen, das Farasis zusammen mit dem Gelände in Wolfen bereits erworben hat.

Aufgrund einer enorm gestiegenen Nachfrage nach einer neuen Zellgeneration (Gen 4) hat Farasis dann "in enger Abstimmung mit Daimler beschlossen", zunächst den Hochlauf von Fertigungsstätten außerhalb Europas zu priorisieren. Nachdem es einige Zeit unklar war, die es mit dem geplanten Standort weitergehen sollte, zog schließlich der Stadtrat Konsequenzen, beendete den städtebaulichen Vertrag und sorgte dadurch für eine "für eine klare Aktenlage". Nachdem Farasis entsprechende Meldungen bestätigte, dürfte den Standort das Aus bereits ereilen, bevor er überhaupt errichtet wurde. Mercedes zufolge hätten die Kooperation mit und die Beteiligung an Farasis weiter Bestand. Auch die Lieferverträge mit dem türkischen Elektroauto-Startup Togg dürften nicht von den geänderten Plänen betroffen sein.

Kaiserslautern: Joint Venture Automotive Cells Company

In Deutschland und Frankreich treibt die Politik den Aufbau einer europäischen Batteriezellen-Fertigung energisch voran. Ein daran beteiligtes Konsortium wurde vom Opel-Mutterkonzern (damals PSA, heute Stellantis) und dem zur Total-Gruppe gehörenden französischen Batteriehersteller Saft gegründet. Inzwischen ist auch Mercedes-Benz bei diesem Joint Venture namens Automotive Cell Company (ACC) eingestiegen. Die Gesellschaft wird auch in Deutschland Elektroauto-Batterien produzieren. Dafür wird am traditionsreichen Opel-Standort Kaiserslautern ein neues Werk errichtet, das 2025 den Betrieb aufnehmen und 2.000 Mitarbeiter beschäftigen soll. Pro Jahr sollen darin etwa eine Million Batterien entstehen, deren Gesamtkapazität erst bei acht und final bei 32 Gigawattstunden liegen soll.

Willstätt: Leclanché und Eneris Group

Bisher handelt es sich hier um eine eher kleine Zellproduktion: Aktuell fertigt Leclanché an dem baden-württembergischen Standort jährlich eine Million Lithium-Ionen-Zellen mit insgesamt 200 Megawattstunden Kapazität. Doch aktuell investieren die Schweizer zusammen mit der polnischen Eneris Group kräftig in das Werk, um die Produktion bis 2022 auf eine Gigawattstunde auszubauen. Langfristig sollen sogar die Voraussetzungen für 2,5 Gigawattstunden geschaffen werden.

Europäischer Batteriezellen-Verbund

An einem weiteren Batteriezellen-Verbund beteiligen sich sogar neun europäische Staaten. An der Spitze der Initiative steht das Bundeswirtschaftsministerium, das den Aufbau einer einheimischen Batteriezellen-Produktion mit einer Milliarde Euro fördert. Allerdings ist noch nicht offiziell bekannt, welche Firmen die Mitglieder dieses zweiten Konsortiums sind. Das "Handelsblatt" nennt unter anderem BMW, BASF sowie Varta und ein viertes deutsches Unternehmen. Wo die Fertigungsstätten errichtet werden sollen und wie viele Arbeitsplätze dort entstehen könnten, ist bisher ebenfalls noch nicht bekannt. Die Förderung der Wertschöpfung und der Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland ist aber ein konkretes Ziel der Initiative.

TerraE bzw. BMZ Group

Vor und zurück ging es auch für TerraE. Im Frühjahr 2017 wurde in Frankfurt das Konsortium von sechs Firmen gegründet – mit dem Ziel, schrittweise eine Batteriezellen-Fabrik bis hin zur Gigafactrory aufzubauen. Federführend war der Akku-Spezialist BMZ Group aus Karlstein, der TerraE im Herbst 2018 komplett übernahm. Bisher verarbeiten die Unterfranken asiatische Batteriezellen zu Lithium-Ionen-Akkus, die unter anderem von Streetscooter genutzt werden, dem Aachener Produzenten von Elektro-Transportern. Nun wollen sie selbst eine Zellenfertigung aufziehen und sind für dieses Projekt auf Investorensuche.

Wie die oben abgebildete Karte zeigt, sind auch andere europäische Länder nicht gerade untätig, was die Etablierung neuer Werke für die Zellfertigung für Elektroauto-Batterien angeht. Im polnischen Wroclaw oder in Göd, Ungarn, haben diese bereits ihre Arbeit aufgenommen. Doch die Karte zeigt auch ein gewisses Ungleichgewicht: Neben Deutschland siedeln sich die Batteriehersteller vor allem in Osteuropa und vereinzelt auch an skandinavischen Standorten sowie in Großbritannien an. Auch Spanien ist im Kommen – vor allem dank der VW-Tochter Power-Co.

Dunkerque/Frankreich: Prologium

Prologium, ein Spezialist für Festkörper-Batterien aus Taiwan, investiert 5,2 Milliarden Euro im hohen Norden Frankreichs, um in Dunkerque (Dünkirchen) eine Zellfabrik mit einer Gesamtkapazität von jährlich 48 Gigawattstunden hochzuziehen. Von dort aus sollen die europäischen Prologium-Partner unter den Autoherstellern, zu denen unter anderem Mercedes-Benz gehört, mit Akkuzellen beliefert werden. Zudem wollen die Taiwanesen dort eine weitere Batterieentwicklung ansiedeln. Der Bau des Werks soll im zweiten Halbjahr 2024 beginnen; Ende 2026 soll es den Betrieb aufnehmen. Anfangs werden dort wohl noch Festkörper-Akkus der ersten Generation mit hundertprozentiger Siliziumoxid-Anode gefertigt. Später wollen die Taiwanesen auf die neue LLCB-Technologie mit Lithium-Keramik-Zellchemie umschwenken.

Martorell/Spanien: Seat und Power-Co

Seat ergänzt seinen Stammsitz in Martorell nahe Barcelona um ein Batteriesystem-Montagewerk. "Der Bau wird in den kommenden Wochen beginnen und soll noch 2025 abgeschlossen werden", sagt Wayne Griffiths. Der Vorstandsvorsitzende des im VW-Konzern verankerten Herstellers beziffert die Investitionssumme auf etwa 300 Millionen Euro. Die neue Fabrik soll etwa 64.000 Quadratmeter groß sein und wird direkt an die Fertigungshalle angebunden, in der künftig jene kleinen E-Autos gebaut werden, die auf der neuen MEB-Small-Plattform basieren – darunter der VW ID.1 und ID.2 sowie der Cupra Raval.

Sagunto/Spanien: Power-Co

Die in Martorell montierten Batterien nutzen unter anderem jene Zellen von Power-Co, die ab 2026 in einer neuen Gigafactory in Sagunto produziert werden. Ursprünglichen Plänen zufolge wollte ein Konsortium von 23 Unternehmen dort eine Zellfabrik errichten. Federführend sollte Ford sein; der US-Hersteller und VW-Kooperationspartner wird in seinem etwas weiter südlich gelegenen Werk in Valencia ab 2025 Elektroautos auf einer eigenen Plattform bauen. Power-Co investiert in Sagunto mehr als drei Milliarden Euro und plant mit einem Gesamt-Output von 40 Gigawattstunden, der perspektivisch auf 60 Gigawattstunden ausgebaut werden kann. In der Fabrik sollen 3.000 Menschen Arbeit finden. Die VW-Tochter verantwortet neben der Zellfertigung in Spanien und Salzgitter (siehe oben) auch jene im kanadischen St. Thomas. Perspektivisch sollen in Europa insgesamt sechs Power-Co-Zellfabriken entstehen.

UK: Tata Group

Auf der britischen Insel gibt es Pläne für mehrere sogenannte Gigafactorys. Die Tata Group, Mutter des britischen Herstellers Jaguar Land Rover (JLR), plant die erste Zellfabrik außerhalb ihres Heimatlandes in der Grafschaft Somerset. Der Konzern errichtet in Südwestengland für vier Milliarden Pfund (aktuell umgerechnet etwa 4,6 Milliarden Euro) eine Fabrik, deren Gesamt-Output perspektivisch 40 Gigawatt betragen soll. Die Gigafactory, die zu hundert Prozent mit Ökostrom betrieben werden soll, bietet Arbeitsplätze für bis zu 4.000 Personen und beliefert nach ihrer Inbetriebnahme vor allem JLR sowie die Kernmarke des Konzerns, Tata Motors, mit E-Auto-Batterien. Tata will an diesem Standort zudem im großen Stil alte Akkus recyceln.

UK: Coventry

Eine weitere Gigafactory entsteht derzeit in Coventry. Die Stadt in den Midlands war bis zum Niedergang der britischen Autoindustrie deren unbestrittenes Herz. In der Fabrik sollen 6.000 Beschäftigte Arbeit finden; hinzu kommen weitere Arbeitsplätze bei den umliegenden Zulieferern. 2025 soll die Gigafactory ihre Arbeit aufnehmen und bei voller Auslastung E-Auto-Akkus mit der Gesamtkapazität von 60 Gigawattstunden produzieren. Hinter dem Projekt, bei dem insgesamt 2,5 Milliarden Pfund (knapp 2,9 Milliarden Euro) in der Region investiert werden, steht kein Auto- oder Batteriehersteller, sondern ein von der britischen Regierung unterstütztes Konsortium aus Unternehmen, Kommunen und Universitäten aus der Region.

UK: Fortescue und WAE

Williams Advanced Engineering (WAE) hat bekanntgegeben, noch im Laufe des Jahres 2023 ein Batteriewerk in Kidlington in der Grafschaft Oxfordshire in Betrieb zu nehmen. Die Pläne folgten auf die Übernahme von WAE durch das australische Bergbauunternehmen Fortescue zum Jahresbeginn 2022. Mit dem Bau der Fabrik sei damals bereits begonnen worden. Etwa 300 Angestellte sollen dort vorrangig Batterien für schwere Nutzfahrzeuge herstellen. Im nahegelegenen Banbury wollen Fortescue und WAE 2024 eine weitere Fabrik eröffnen, in der ebenfalls Batteriepakete hergestellt werden sollen.

UK: Wohl keine Gigafactory von Britishvolt

In der Hafenstadt Blyth, gelegen im Nordosten Englands, plante Britishvolt seine erste Zellfabrik, die ursprünglichen Plänen zufolge 2023 ihren Betrieb aufnehmen sollte. Der neu gegründete Batterie-Konzern wollte dort 2,6 Milliarden Pfund (etwa drei Milliarden Euro) investieren und bis zu 3.000 Menschen beschäftigen. In der umliegenden Lieferkette sollten 5.000 weitere Jobs entstehen. Doch offensichtlich wurde bisher noch kein Grundstein gelegt; der Produktionsstart verschob sich auf Mitte 2025. Ob es überhaupt je dazu kommt, ist aufgrund der gescheiterten Investorensuche samt Insolvenz von Britishvolt inzwischen mehr als fraglich.

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Schweden: Volvo und Northvolt

Northvolt will zusammen mit den Landsleuten von der Volvo Car Group ein Joint Venture gründen, um gemeinsam E-Auto-Batterien zu entwickeln und produzieren. Im ersten Schritt soll in dem skandinavischen Land ein Forschungszentrum entstehen, das bereits 2022 seine Arbeit aufnimmt. Von 2024 an wollen Volvo und die Schwestermarke Polestar jährlich Akkuzellen in der Größenordnung von 15 Gigawattstunden aus dem ab Jahresende 2021 produzierenden Northvolt-Werk in Skellefteå beziehen. Zwei Jahre später soll dann an einem noch unbekannten Standort ein gemeinsam errichtetes Batteriewerk seine Arbeit aufnehmen, in dem von etwa 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pro Jahr bis zu 50 Gigawattstunden an Elektroauto-Akkus entstehen. Diese sollen speziell auf die Bedürfnisse von der nächsten BEV-Generation von Volvo und Polestar zugeschnitten sein.  © auto motor und sport

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