Mit dem Wandel hin zur Elektromobilität treten immer neue Player in den Automobilmarkt ein. Einer davon ist die neu gegründete Marke Aehra mit Sitz in Mailand, die sich selbst im absoluten Premium-Segment ansiedelt. Der Name Aehra leitet sich vom lateinischen "aera" ab, was "Ära", aber auch "Parameter, von dem eine Veränderung ausgeht" bedeutet. Treibender Kopf hinter Aehra ist der US-Geschäftsmann Hazim Nada, der ein italienisch-amerikanisches Team mit umfassender Führungserfahrung in der internationalen Automobilindustrie um sich geschart hat.

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Italienisches Werk

Aehra legt großen Wert auf italienisches Design, italienische Ingenieurskunst und italienische Zulieferer. Folgerichtig baut der Hersteller sein neues Werk in Italien – die Gesamtinvestitionen dafür sollen 540 Millionen Euro betragen. Die Einweihung der Produktionsstätte in Mosciano Sant'Angelo in der Provinz Teramo ist für 2026 geplant. Ab Mitte 2026 sollen dann 500 Mitarbeiter jährlich insgesamt 25.000 Elektroautos herstellen. Nach eigenen Angaben hat Aehra mit vielen in der Region angesiedelten Zulieferern bereits Verträge abgeschlossen. Aehra plant, so viele Teile wie möglich von Zulieferern fertigen zu lassen – in Mosciano Sant'Angelo soll dann nur die Endmontage stattfinden.

Ferrari-Ingenieur angeheuert

Seit dem 1. März 2023 arbeitet Ex-Ferrari-Testingenieurs Franco Cimatti bei Aehra. Damit hat sich der Autohersteller die Mitarbeit eines der erfahrensten Sportwagen-Ingenieure gesichert – Cimatti hat insgesamt 32 Jahre für Ferrari gearbeitet, zuletzt als Leiter der Testabteilung für straßenzugelassene Fahrzeuge. Er hat die Entwicklung von 512 TR, 456 GT und 550 beaufsichtigt und maßgeblich an der Konzeption der Plattformen für Modelle wie den 360, 612 Scaglietti, California, 458 und den 599 mitgearbeitet. Nach seiner Zeit bei Ferrari war Cimatti Fahrzeugarchitektur-Ingenieur bei Lotus und arbeitete an der Entwicklung der neuen modularen EV-Struktur, auf der die Elektroautos des Konzerns ab 2025 basieren. Dazu passt, dass das angekündigte Aehra-SUV am ehesten noch ein Konkurrent des Lotus Eletre ist. Aehras Chefdesigner Filippo Perini kennt und schätzt Cimatti seit mehr als zwei Jahrzehnten. Aehra-Chef Hazim Nada betont zwar, dass sein Start-up keine Fahrzeugkomponenten selbst entwickeln möchte, dass man aber für die Integration der einzelnen Komponenten eigene Entwicklungs-Kompetenz brauche. Im Zuge des Wechsels von Franco Cimatti zu Aehra gibt das Start-up auch die Arbeit an einem dritten Modell bekannt. Das Auto soll ein kompakter 2+2-Sitzer sein.

Besser als alle Wettbewerber

Im November 2022 stellt Aehra mit dem SUV sein erstes Modell vor, im Februar 2023 soll die Limousine folgen. Hazim Nada beteuert, dass das SUV keinen eigenen Modellnamen bekommt – die jeweiligen Kunden sollen sich einfach einen Namen ausdenken, den sie für ihr Auto passend finden. SUV und Limousine sollen im ersten Quartal 2025 in Produktion gehen und Mitte 2025 an die ersten Kunden ausgeliefert werden. Beide zeichnen sich zudem durch ein emotionales und aerodynamisch ausgefeiltes italienisches Design aus; hierfür wurde Ex-Lamborghini-, Audi- und Italdesign-Designer Filippo Perini als Designchef engagiert. Beim SUV greift Aehra die Idee des Cab-Forward-Designs auf, dass in der Autoindustrie erstmals AMC beim Pacer von 1975 verwirklicht hat – lange, bevor es den Begriff Cab Forward überhaupt gab. Zudem sollen die Aehra-Modelle über ein ansprechend gestaltetes Interieur verfügen und damit die Angebote der Wettbewerber in den Schatten stellen – Bilder vom Interieur gibt es allerdings noch nicht, da es aktuell noch nicht zu Ende entwickelt ist. Hinzu kommt die neueste ADAS-Technik, die perspektivisch auch vollständig autonome Fahrfunktionen ermöglichen soll. Die neue Marke will also nichts anderes, als die nachhaltige Mobilität der Spitzenklasse neu zu definieren. Klare Ansage.

SUV mit vier Flügeltüren

Erste Eindrücke vom 5,10 Meter langen, zwei Meter breiten und 1,64 Meter hohen SUV-Modell liefern jetzt veröffentlichte Bilder. Sie zeigen ein Crossover-Modell mit fließenden Linien und vier elektrisch nach oben öffnenden Türen: Die beiden vorderen sind als Scherentüren realisiert, die hinteren als Flügeltüren. Die B-Säule bleibt für eine bessere Karosseriesteifigkeit erhalten. Die Lichtsignaturen an Front und Heck setzen auf extrem schlanke LED-Lichtleisten mit horizontaler Ausrichtung. Mit einem langen Radstand von drei Metern, einer äußerst niedrigen Frontpartie, dem Cab-Forward-typisch weit vorne angesetzten Passagierabteil und außergewöhnlich kurzen vorderen und hinteren Überhängen präsentiert der Aehra SUV ein Design, das sich grundlegend von anderen Fahrzeugen auf dem heutigen Markt unterscheidet. Die niedrige Front ist unter anderem auch deshalb möglich, weil Aehra auf einen Front-Kofferraum verzichtet – der ist laut Nada nicht nötig.

Bidirektionale 925-Volt-Batterie

Die fließende Formgebung soll sich vor allem in einer guten Windschlüpfigkeit widerspiegeln – mit kleineren Rädern als bei der Studie soll ein Luftwiderstands-Beiwert in Höhe von 0,21 möglich sein. Die vorn 23 und hinten 24 Zoll großen Leichtmetallfelgen mit 285/35er-Reifen garantieren aber zumindest der Studie einen bulligen Auftritt. Für eine optimale Aerodynamik sorgen zudem ein aktiver Frontsplitter und ein ebenso aktiver Heck-Diffusor. Als kleine Doppelflügelelemente zeigen sich die Außenspiegelkameras ausgelegt.

Die Batterie soll bis zu 120 kWh speichern können und den Aehra-SUV bis zu 800 Kilometer weit bringen. Der Zulieferer Miba aus dem österreichischen Laakirchen ist der Entwicklungspartner für die Batterie. Miba gibt bekannt, dass der Akku mit 925 Volt funktioniert und eine Ladeleistung von bis zu 350 kW verträgt. Die Batterie soll bidirektional arbeiten und somit Strom in das Netz zurückspeisen können.

Versenkbarer XXL-Bildschirm

Der viersitzige Innenraum soll auch großgewachsenen Passagieren ein üppiges Raumgefühl bescheren – die Passagiere im Heck sollen auf Wunsch in einer Art Liegeposition reisen können. Optional ist auch eine Fünfsitzer-Konfiguration zu haben. Eine Besonderheit ist das wegen des Cab-Forward-Designs sehr tiefe Armaturenbrett. Das beherbergt auch einen XXL-Bildschirm, der sich über die komplette Breite des Armaturenbretts erstreckt. Das Display kann aber nicht nur breit. Im Fahrmodus ist es weitestgehend versenkt im Armaturenbrett und liefert alle Informationen rund um Geschwindigkeit, Reichweite, Heizungs- und Lüftungseinstellungen und Navigationsanweisungen, die der Fahrer benötigt. Die beiden äußeren Bereiche des Bildschirms dienen als virtuelle Außenspiegel und übertragen Bilder von zwei vorderen Außenseitenkameras.

Wenn das Fahrzeug geparkt ist, können die Insassen den Bildschirm nach oben ausfahren und den Aehra in ein Heimkino oder eine Büroumgebung verwandeln. Gesteuert werden Navigation, Heizung und Belüftung sowie das Infotainmentsystem über einen kleineren Touchscreen, der mittig auf der Instrumentenkonsole neben dem oben und unten extrem abgeflachten Lenkrad sitzt. Im Lenkrad selbst sitzt oben ein weiteres kleines Digitaldisplay, das nochmals die Basisinfos bündelt.

Einheitliche Elektro-Plattform

Basis für beide Aehra-Modelle ist eine zukunftsweisende Batterie-Plattform-Technologie, die Reichweiten von mindestens 800 Kilometern und beeindruckende Leistungswerte bieten soll. Für den Aehra SUV werden 550 bis 600 kW (748 bis 816 PS) genannt – die genaue Leistung steht noch nicht fest, da sich die Aehra-Verantwortlichen noch nicht für einen konkreten Batterie- und Motorenlieferanten entschieden haben. Auch steht noch nicht fest, ob das Auto zwei oder drei Motoren bekommt – ein Motor sitzt immer an der Vorderachse, einer oder zwei treiben die Hinterachse an. Die Systemleistung reicht natürlich, um den dank konsequentem Leichtbau (Crashelemente aus Aluminium, viele Verbund-Materialien) zwei Tonnen schweren Aehra auf 265 km/h Höchstgeschwindigkeit – abgeregelt – zu beschleunigen. Den bei einigen Herstellern im Zuge der aufkommenden Elektromobilität verstärkten Leistungs-Rausch möchte Aehra nicht mitgehen – 1.000 PS hält Nada bei seinen Autos für übertrieben.

Video: Im Video: Aehra

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Eingebettet wird die Elektroantriebstechnik in ein stabiles, ultraleichtes Carbonfaser-Monocoque-Chassis. Für die Produktion der Fahrzeuge setzt Aehra aber nicht auf eigene Anlagen, sondern will bei ausgewählten Partnern fertigen lassen. Auch die Fertigung des Fahrzeugs wird aller Voraussicht nach zwar in Europa, aber nicht direkt in Italien stattfinden. Als Preiskorridor für den Aehra SUV nennen die Italiener 160.000 bis 180.000 Dollar (entspricht in etwa auch dem aktuellen Euro-Kurs). Eingeführt werden die Aehra-Modelle zunächst auf den Märkten in Nordamerika, Europa, China und den Golfstaaten.  © auto motor und sport

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