Vogelspinnen sind eine Delikatesse, Väter sind mit ihren Söhnen nicht verwandt und Frauen haben ganz offiziell mehrere Männer: Viele Kulturen überraschen mit Sitten und Gebräuchen, die uns Mitteleuropäern auf den ersten Blick ziemlich seltsam erscheinen. Doch was exotisch anmutet, erschließt sich uns bei näherem Hinsehen. Denn die fremden Sitten fußen meist auf einer Jahrtausende alten Tradition, immer haben sie einen tieferen Sinn.
1. Wussten Sie, dass auf den Trobriand-Inseln der Vater eines Kindes nicht mit diesem verwandt ist?
Auf den Trobriand-Inseln im Südpazifik führt die religiöse Weltanschauung der dort lebenden Menschen zu einer ganz eigenen Sichtweise von Familie.
Im Weltbild der Trobriander ist der Mann, den wir als den Vater eines Kindes bezeichnen, mit diesem Kind noch nicht einmal blutsverwandt. Sie glauben nämlich, dass ein Kind nicht durch Geschlechtsverkehr gezeugt wird, sondern durch einen Geist. Dieser schreitet zur Tat, während die Trobriander-Frauen ein regelmäßiges rituelles Bad in einem Quellfluss nehmen.
Der während einer Schwangerschaft häufiger als sonst ausgeführte Geschlechtsverkehr ist ihrem Glauben nach nur dazu gut, den heranwachsenden Embryo zu füttern, indem er durch ausreichend Sperma versorgt wird. Dieses dient ihm in der Weltsicht der Südsee-Insulaner nämlich als Nahrung.
Die gesellschaftliche Rolle des Vaters, der Rechte und Pflichten gegenüber seinem Kind hat, fällt auf den Trobriand-Inseln dem Bruder der Mutter zu. Denn dieser ist nach dieser "matrilinear" genannten Vorstellung von Fortpflanzung, in welcher "unser" biologischer Vater keine wichtige Rolle einnimmt, der nächste männliche Blutsverwandte des Kindes. Hat die Mutter keinen Bruder, geht diese Rolle auf ihren nächsten männlichen Verwandten über.
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