Briten mögen's schrill: Die Panto macht Spaß im Advent
"Pantomimes" basieren zwar auch auf bekannten Kindergeschichten, sind aber nicht nur für die Kleinen gedacht, sondern auch für ihre erwachsenen Begleiter: Sie enthalten politische Anspielungen und anzügliche Witze.
Ebenfalls speziell an der Panto ist, dass ein Mann die weibliche Hauptrolle spielt. "Trotzdem weiß natürlich jeder, dass ich ein Mann in Frauenkleidern bin", lacht Mark Slowey, der in der Garderobe des Nordlondoner Millfield Theaters sitzt und sich auf seinen Auftritt als Mutter Gans im gleichnamigen Stück vorbereitet.
Der 36-Jährige mit dem kahlgeschorenen Kopf trägt roten Lippenstift auf, klimpert mit den langen schwarzen Wimpern. Auf einem Tisch liegen verschiedene Perücken. "Für jede Szene eine", erklärt er und greift sich eine knallorangene mit riesigen Locken, rückt sie auf dem Kopf zurecht. Fehlt noch das Kostüm. An einem Ständer hängen dutzende davon, ein Abendkleid mit funkelnden Pailletten, ein kurzes Röckchen, Cowboystiefel. "Das typische Panto-Kostüm der Dame", sagt Slowey und nimmt ein Kleid vom Ständer, "ist dieser Reifrock mit vielen bunten Punkten und Streifen, darüber eine Schürze."
Märchen als Grundlage
Ein richtiges Panto basiert auf bekannten Märchen oder Kindergeschichten wie "Aschenbrödel", "Jack und die Bohnenstange" oder eben "Mother Goose". "Mutter Gans" erzählt von einer armen Gänse-Bäuerin und Mutter eines erwachsenen Sohnes, die beliebter und schöner werden möchte und zu diesem Zweck einen Pakt mit dem König der Dämonen schließt. Die Geschichte hat auch eine Moral: Beliebt sein allein macht nicht glücklich. "Mutter Gans ist eine sehr mütterliche Figur", sagt Slowey über seine Rolle.
Das typisch britische Theatervergnügen bei dem gesungen, getanzt und rumgealbert wird, ist insbesondere bei Familien beliebt. Dass die Pantos insbesondere in den vergangenen Jahren wieder einen Aufschwung in Großbritannien erlebt haben, erstaunt Marc Day, der das Drehbuch zu "Mother Goose" geschrieben hat, nicht. "Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten möchten die Menschen Spaß haben. Sie kommen hierher, um ihre Alltagssorgen zu vergessen."
Erster Theaterbesuch
Für viele Kinder sei ein Panto-Besuch häufig die erste Erfahrung mit Theater, erzählt Mark Slowey. "Wenn man mit Kindern Shakespeare schaut, verstehen sie meistens nichts. Im Panto hingegen dürfen sie mitschreien, mitmachen." Zum Beispiel die Bösewichte ausbuhen, die Helden anfeuern oder zu Mutter Gans auf die Bühne gehen.
Dass die weibliche Hauptrolle in den Pantos von einem Mann gespielt wird, komme aus der Zeit Shakespeares, erklärt Slowey. Damals seien Frauen auf der Bühne nicht erlaubt gewesen und Männer mussten ihre Rollen übernehmen. Ihm mache es Spaß, eine Frau darzustellen, sagt Slowey und wirft wenige Minuten vor seinem Auftritt als Mutter Gans einen letzten Blick in den Spiegel. Das sei gar nicht so schwer, fügt er schmunzelnd an: "Auch Männer haben eine mütterliche Seite - die muss man nur rauslassen."
1 Meinungen zu "Briten lieben schrillen Advent"
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Muffinman2
Mittwoch, 12.12.2012, 13:54 Uhr Hach ja... Es gibt so viel Schönes an und auf der britischen Insel... Solch schrill-überzogene Musicals sind aber wohl eher was für ganz ausgefallene Geschmäcker. :-)) Und gerade zur Weihnachtszeit bräuchte ich so etwas wirklich absolut nicht. >>"Wenn man mit Kindern Shakespeare schaut, verstehen sie meistens nichts.<< Natürlich nicht! Selbst viele Erwachsene verstehen bei Shakespeare erst mal nur Bahnhof. Der Mann lebte und schrieb vor über 400 Jahren! Damals redeten die Menschen noch völlig anders, vor allem in der Dichtkunst. Aber es bleibt einem für Kinder doch nicht nur die Auswahl zwischen diesem knallbunten Quietsch-Musical und Shakespeare. Es gibt ne Menge an Theaterstücken, die Kinder sehr gut verstehen. Bestimmt auch in England...
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