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01.06.2012, 14:08 Uhr

Queen Elizabeth II. jagt ihre Ururoma

London (dpa) - 1.000 Jahre ist die britischen Monarchie alt. Manche Herrscher waren blutrünstig, andere trunksüchtig, einige auch sanft und edelmütig. Dabei sind es ausgerechnet zwei Frauen, die auf dem britischen Thron am längsten durchgehalten haben.

Elizabeth II., die am 6. Februar ihr diamantenes Thronjubiläum beging und es an diesem Wochenende groß mit Pomp und Circumstances feiern wird, hat ihre Ururgroßmutter Queen Victoria fast eingeholt: Drei Jahre fehlen ihr noch auf den Thronrekord. Die Regentschaften der beiden Frauen weisen verblüffende Parallelen auf - jedoch auch erhebliche Gegensätze.

Karl-Ludwig Rehse ist seit 25 Jahren der Schneider von Elizabeth II. >

Schon bei der Thronbesteigung beginnen die Ähnlichkeiten: Victoria war nur Nummer fünf in der Thronfolge, rückte aber wie durch Zufall an die Spitze. Auch Elizabeth war für die Krone eigentlich nicht bestimmt. Weil sich aber ihr Onkels Edward VIII. in die geschiedene US-Schauspielerin Wallis Simpson verliebt hatte und auf den Thron verzichtete, bestieg ihr Vater als George VI. ebendiesen - und machte sie selbst zur Anwärterin.

Nach dem Tod ihres Vaters wurde Elizabeth am 6. Februar 1952 zur Königin erklärt. Millionen Menschen aus aller Welt sahen im Fernsehen zu, wie sie am 2. Juni 1953 in der Westminister Abbey gekrönt wurde.

80 Prozent der Briten befürworten jüngsten Umfragen zufolge die Monarchie. Im Alter von 86 Jahren ist Queen Elizabeth II. auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Zum einen hat wohl der Altersbonus geholfen, zum anderen aber auch, dass ihre Enkel Harry und William beim Volk beliebt sind - ebenso wie Williams Ehefrau Kate, die Herzogin von Cambridge.

Es ist aber vor allem die Würde der Königin, ihr Pflichtbewusstsein und die Kontinuität, die sie außergewöhnlich machen. "Ich glaube, die Menschen respektieren die Tatsache, dass sie Großbritannien in all der Zeit stets so bewundernswert repräsentiert hat", sagt etwa der Historiker und Monarchie-Experte Hugo Vickers. Ihr Jubiläum zieht Touristen aus aller Welt in die britische Hauptstadt - zu einem nationalen Ereignis der Extraklasse. Ganz London ist schon Tage vor den Feiern in ein Meer aus Union-Jack-Fahnen getaucht.

Anders als Victoria hat Elizabeth ihre deutschen Wurzeln stets unter den Teppich gekehrt. Victoria liebte ihren deutschen Mann Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha innig, was viele Verfilmungen ihres Lebens dokumentieren. Gemeinsam führten sie zahlreiche Neuerungen in Großbritannien ein, die aus Deutschland kamen - etwa den Christbaum. Aber auch Architektur und Einrichtung des schottischen Landsitzes Balmoral erinnert an Alberts fränkische Heimat.

Schloss Rosenau, bei Coburg gelegen, bezeichnete Victoria in ihrem Tagebuch einst als ihren Lieblingsplatz. Elizabeth dagegen, 1926 geboren und vom Zweiten Weltkrieg geprägt, hat mit Deutschland nur wenig am Hut. Schon 1917 hatte ihr Großvater Georg V. (1865-1936) den Familiennamen von Sachsen-Coburg in Windsor ändern lassen. Zwar wimmelt es in ihrem Stammbaum nur so vor Namen wie Coburg, Teck, Hessen und Kassel, und auch ihr Mann Philip hat deutsche Wurzeln, besucht hat die Queen Deutschland aber nur sechsmal in 60 Jahren - von einigen Truppenbesuchen bei der Rheinarmee abgesehen.

Victoria regierte ein Weltreich. Als sie ihr diamantenes Thronjubiläum feierte, war jeder vierte Erdenbürger Einwohner eines Landes, das zum britischen Empire gehörte. Großbritannien war auf dem Höhepunkt seiner Macht angekommen - erzwungen mit Kriegen und Blutvergießen. Im "zweiten elisabethanischen Zeitalter", wie erste Historiker die vergangenen 60 Jahre in Anspielung auf die Regentschaft von Elizabeth I. (1558-1603) jetzt schon vorsichtig nennen, ist davon nicht mehr viel übrig.

Die Queen kümmert sich heute um das Commonwealth of Nations, den losen Zusammenschluss ehemaliger britischer Kolonien. Politisch ist es aber fast ohne Bedeutung. Die Kommentatoren sind sich einig: "Ohne sie würde es das Commonwealth heute nicht mehr geben." Viel weniger als ihre Ururgroßeltern Victoria und Albert greift die Queen in die politischen Vorgänge ein. Bis heute weiß niemand genau, wo die amtierende Monarchin politisch steht. Was sie bei ihren wöchentlichen Treffen mit inzwischen zwölf Premierministern (seit Winston Churchill) besprochen hat, bleibt absolut geheim.

Gelernt hat die Queen von ihrer Vorgängerin vor allem eines: die Monarchie so durch die Untiefen der parlamentarischen Westminster-Demokratie und des Zeitgeists zu manövrieren, dass sie zukunftsfähig bleibt. Einst als steif und verbissen verschrien, ist die Queen heute zum Vorbild geworden, zum Modell eines modernen Staatsoberhaupts mit christlichen Werten. "Sie hat es geschafft, die Monarchie zu bewegen", sagt ihr Enkel Harry. Wie sein Vater Charles sieht er neben dem Staatsoberhaupt Elizabeth vor allem auch die Familienfrau. Charles ließ die BBC rührende Bilder übertragen, die zeigen, wie die Queen ihm als Kleinkind das Laufen lernte.

Schon ihre Ururgroßmutter war in ihren letzten Thronjahren die "Großmutter Europas". Zu ihren Jubiläen hatte sie erstmals Monarchie zum öffentlichen Massenereignis für das Volk gemacht. Hunderttausende säumten die Straßen Londons, als Victoria 1897 zu ihrem diamantenen Jubiläum - damals im Alter von 78 Jahren schon schwer an Arthritis erkrankt - mit der Kutsche durch London fuhr. Elizabeths "Sechzigstes" soll an diesem Wochenende alles toppen, was die Royals bisher in ihrer Geschichte auf die Beine gestellt haben. Allein 1.000 Schiffe sollen am Sonntag die Themse hinunterschippern.

Elizabeth II. wirkt für ihre 86 Jahre kerngesund. Im Moment zweifelt kaum jemand daran, dass sie Victorias Thronrekord überbieten wird. Ein vorzeitiges Abdanken gilt ohnehin als ausgeschlossen. Sie ist fest davon überzeugt: Die Krone hat sie "von Gottes Gnaden" erhalten. Das verpflichtet.

Alle News vom: 1. Juni 2012 Zur Übersicht: Unterhaltung

14 Meinungen zu "Die Queen jagt ihre Ururoma"

  • romaroma
    Samstag, 02.06.2012, 15:19 Uhr
    Ich bin gestern von einem englischen Kollegen gefragt worden, ob ich als Deutsche im Koenigreich die Koenigin liebe. Die Antwort fiel mir nicht schwer. Nein, ich liebe sie nicht, soweit wuerde ich nicht gehen, aber ich habe den hoechsten Respekt vor ihr. Sie ist ein Urgestein und hat in der Tat viel bewirkt, mit Wuerde, Anstand und Diskretion. Sie ist ein Musterbeispiel an Anstand and Vorbild in vielen Belangen. Ich werde mit morgen die Bootparade anschauen und auch das eine oder andere Strassenfest besuchen. In diesem Sinne: "Cheers, Lizzie!"
  • amoro
    Samstag, 02.06.2012, 12:04 Uhr
    toi, toi, toi. Gar nicht mehr wegzudenken, dieses liebenswerte Urgestein.
  • Mandylion
    Samstag, 02.06.2012, 11:43 Uhr
    ich sag nur : queen......it´s a kind of magic ironie aus CONGRATULATION
  • MaxOutlaw
    Samstag, 02.06.2012, 11:41 Uhr
    "wie die Queen ihm als Kleinkind das Laufen lernte." Oh, oh, deutsche Sprache, schwere Sprache. Richtig wäre: "wie die Queen ihn ... lehrte."
  • warumwiesoweshalb
    Samstag, 02.06.2012, 11:08 Uhr
    Ein Mensch in diesem Alter der die Zustimmung von mahr als 80 % der Bevoelkerung hat, kann nicht viel falsch gemacht haben im Leben und in der Position fuer die er steht. Viele andere Laender wuenschen sich einen "Stabilitaetsfaktor" wie diese Frau. Herzlichen Glueckwunsch ER
  • berlinAndreas
    Samstag, 02.06.2012, 10:59 Uhr
    auch wenn das hier billiger boulvardklatsch ala "bild" ist, Herzlichen Glückwunsch an die Queen ;-))
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