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08.07.2012, 13:18 Uhr

SM-Bestseller "Fifty Shades" kommt auf Deutsch

New York (dpa) - Der Erfolg hat viele Zahlen: Auf dem ersten Platz der US-Bestsellerliste von "Publishers Weekly" steht der erste, auf dem zweiten Rang der zweite und auf dem dritten der dritte Teil der Roman-Trilogie. Platz vier: Der Sammelband der drei Bücher.

Zehn Millionen Exemplare wurden allein vom ersten Buch verkauft - und es geht weiter. Die Rede ist von "Fifty Shades of Grey", einem Buch, das es vom Internet-Forumseintrag zum Weltbestseller brachte und das selbst "Harry Potter" in den Schatten stellte. Das Besondere: Die Bücher bieten Erotik - harte Erotik. In Deutschland bringt Goldmann das erste Buch der "Shades of Grey"-Reihe am Montag (9. Juli) unter dem spröden Titel "Geheimes Verlangen" auf den Markt.

Die ersten Geschichten von E. L. James (49) über "Bondage, Dominance, Sadism, Masochism" (Fesselung, Dominanz, Sadismus, Masochismus) erschienen in einem Internetforum. Als die Texte für deren Leser zu heiß wurden, stellte die Schottin - das E. L. steht für ihren richtigen Namen Erika Leonard - sie auf ihre eigene Website. Ein findiger Verleger veröffentlichte die Story schließlich als digitales E-Book für Lesegeräte wie den Kindle. Das war im Mai 2011. Nicht einmal ein Jahr später hatte es sämtliche Bestseller von den vorderen Plätzen geworfen.

Es geht um die junge Anastasia, 21 Jahre alt und noch Jungfrau. Sie trifft den gut aussehenden Milliardär Christian Grey und verfällt ihm sofort. Was dann folgt, ist das genaue Gegenteil von Blümchensex. Anastasia und Christian probieren so ziemlich alles aus. Oder besser gesagt: Er probiert es an ihr aus. Fesseln, erniedrigen, schlagen, besitzen.

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Von der Trilogie wurden allein in den USA und Kanada 15 Millionen Bücher verkauft. In Großbritannien wurden mit den drei Bänden in der vergangenen Woche laut BBC fast zwei Millionen Pfund umgesetzt - mehr als mit den 50 folgenden Romanen der Bestsellerliste zusammen. Dan Browns "Das verlorene Symbol", Joanne K. Rowlings "Harry Potter" - immer wieder wurden deren Rekorde von einem Buch durchbrochen, das es anfangs nur als Geschichtchen in einem nicht ganz ernst genommenen Forum gab. Und die Filmrechte sind auch längst verkauft.

Ein Teil des Erfolgs: E-Books und Lesegeräte. "Frauen können erotische Literatur nun überall auf ihre Kindles, Nooks und iPads laden, ohne dass der muskulöse Schönling mit dem zerrissenen Hemd auf dem Buchdeckel sie verrät", schrieb die Kolumnistin Maureen Dowd in der "New York Times". Niemand brauche mehr im Buchladen heimlich zu fragen oder in der U-Bahn den Deckel schamvoll mit einer Zeitung abzudecken. Und in der Tat: Gerade bei den elektronischen Büchern werden Rekorde gemeldet. So war "Fifty Shades" laut Amazon das erste E-Book, von dem in Großbritannien mehr als eine Million gekauft wurden.

Es ist längst vorbei mit heimlich. Noch immer weigern sich viele US-Büchereien zwar, das Buch anzubieten. Aber die, die es haben, haben lange Wartelisten. "Publishers Weekly" verzeichnete diese Woche zwar zum ersten Mal einen leichten Umsatzrückgang, doch bis dahin war der Verkauf monatelang immer nur gestiegen, gestiegen, gestiegen. Und demnächst gibt es auch Nachthemden und Reizwäsche im "Fifty Shades"-Style - wie immer der aussehen mag.

Bei Amazon war der erste deutsche Band rasch auf Platz 1 bei den Vorbestellungen, Goldmann startet mit einer Auflage von 500 000 Exemplaren. Ob es auch in Deutschland der große Erfolg wird, ist unklar. Schließlich können deutsche Frauen sich etwas einfacher und offener mit erotischen Geschichten versorgen als Frauen in den prüden USA, wo das Buch auch gerne als "Hausfrauenporno" verspottet wird.

In den USA wird sonst jedes auch nur ansatzweise obszöne Wort im Fernsehen nicht nur mit einem Piepton überblendet. Es werden dann sogar die Lippen gepixelt - taube Menschen könnten ja sonst den Fluch von den Lippen lesen. Jetzt aber wird in Talkshows offen über harten Sex und Fesselspiele diskutiert - bisweilen noch etwas verschämt oder betont sachlich, aber immerhin.

Doch es gibt auch Menschen, die mit dem Buch nichts anfangen können. Auch einer der mächtigsten Männer der Welt ist darunter. Auf die Frage, welcher umstrittene Roman auf den Nachttischen von Millionen Frauen liege, antworte US-Präsident Barack Obama in der Sendung "The View": "Ich habe keine Ahnung." Das Publikum lachte und Obama fügte - bewusst oder unbewusst - genau das Richtige hinzu: "Ich werde Michelle fragen, wenn ich zu Hause bin."

Alle News vom: 8. Juli 2012 Zur Übersicht: Unterhaltung

28 Meinungen zu "SM-Bestseller erobert das Land"

  • schieber1
    Donnerstag, 12.07.2012, 14:01 Uhr
    Naja, dann ist ja ein Teil der Urlaubslektüre gesichert. Der Mensch lernt eben nie aus und das ist erstaunlich. Man muß es zwar nicht unbedingt haben, aber man(n) kann dann halt auch ein bischen mitreden.
  • Sarimon
    Dienstag, 10.07.2012, 13:57 Uhr
    Ähm ja... sodomistisch sollte eigentlich sadomasochistisch heißen... ;)
  • Sarimon
    Dienstag, 10.07.2012, 13:54 Uhr
    Es ist schon wirklich peinlich, wie sodomistisch dieses Buch dargestellt wird. Jeder, der dieses Buch aufmerksam gelesen hat, weiß, dass die Hauptdarsteller sich nicht die ganze Zeit gegenseitig Schmerzen zufügen. Im ersten Buch ist davon sogar recht wenig zu merken. Ich habe es selbst gelesen. Es ist ganz erfrischend und prickelnd geschrieben. Sicher gibt es Passagen, wo man mal kurz die Luft anhält. Aber das macht es ja so interessant.
  • JayBeeXX
    Montag, 09.07.2012, 09:11 Uhr
    Das Volk braucht so was, bei dem harten Kurs, den Merkel fährt... grins Endlich mal 'ne tolle Werbung für Geschichten, die sonst keiner kennt!
  • Kitshipper
    Montag, 09.07.2012, 08:41 Uhr
    Haltet euch nur immer eines vor Augen. Fifty Shades begann als Twilight-Fanfiction und wurde wegen unsensibler Darstellung von Gewaltsex aus sämtlichen Internetarchiven geschmissen. Bis auf die Tatsache, dass die Autorin die Namen der Protagonisten von Bella in "Ana" und Edward in "Christian" verändert hat, ist die Fiction vollkommen gleich geblieben und damit auch die Tatsache, dass die Charaktere und deren weitere Lebensumstände ein Plagiat von S. Meyer sind. Ana ist weder eine Sub, noch ist sie devot. Sie lässt Dinge mit sich machen, die sie verabscheut und sie abstoßen und das nur, weil sie verklärterweise annimmt, Christian gefallen zu müssen, weil sie verliebt ist und auf eine normale Beziehung hofft und weil Christian sich wegen seiner scheußlichen Mama an allen Frauen diese Welt rächen möchte und Spaß daran hat, sie zu verhauen. Er praktiziert BDSM als Dom nicht, weil er seinen Subs Lust bereiten will, sondern weil er sich an den Schmerzen ebenjener Frauen ergötzt und auf einem absoluten Egotrip durch die Welt surft. Ich habe nichts gegen BDSM. Ich praktiziere es selber, aber Einvernehmlichkeit und Verantwortungsgefühl gehören unerlässlich dazu. Echtes BDSM ist nicht gewalttätig, so wie es in diesem Buch beschrieben wird.
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